London, Brüssel, Washington, Moskau – Nach der ungeheuerlichen wie unverhohlenen verbalen und sanktionierenden Kriegserklärung an Russland, die Theresa May und Boris Johnson aufgrund des nach wie vor mysteriösen Skripal-Anschlags losgetreten haben, wendet sich das Blatt nun gegen die transatlantische Aggression. Sogar die weitgehend gleichgeschalteten Medien bremsen sich inzwischen etwas ein und stellen zumindest teilweise die Frage, ob da nicht zu schnell gen Moskau geschossen wurde. Der ehemalige OSZE-Chef Willy Wimmer bringt es mit Blick auf die Geschichte via Video auf den Punkt: „Die Briten lügen uns von einem in den nächsten Krieg.“ Einen solchen will weder Putin-Russland und schon gar nicht die europäische Zivilgesellschaft und Realwirtschaft. Stattdessen Kooperation und gute gesellschaftliche und wirtschaftliche Beziehungen sowie gemeinsame, enkeltaugliche Entwicklungen.

Von Verena Daum

Die Anklage hat Beweise vorzulegen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Skripals sind inzwischen auf dem Weg der Besserung und Spuren führen in britische Chemielabors von nebenan. So veröffentlicht etwa der Autor Andreas von Westphalen im Online-Magazin Rubikon (28. März) die Expertenmeinung des ehemaligen russischen Chemiewaffenwissenschaftlers Vladimir Uglev: „Die Briten haben das Profil der Substanz Nowitschok in Salisbury, aber keine Daten der Substanz in der Datenbank. Wie wollen sie sagen können, woher es kommt?“ Russland hat mehrfach seine Kooperation in der Aufklärung des Falles angeboten, wird aber ausgegrenzt. Ebenfalls im Rubikon-Magazin ruft der Autor Karl-Jürgen Müller auf: „Nicht in unserem Namen!“ Die BürgerInnen (speziell in Deutschland) müssen aktiv werden. Es brauche eine Bürgerbewegung „für das Grundgesetz! Dafür, dass die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, für den Rechtsstaat, für die Achtung des Völkerrechts, für die Strafbarkeit der Vorbereitung eines Angriffskrieges, gegen alle Versuche, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören – auch das ist laut Grundgesetzt verfassungswidrig und strafbar“.

Blair und Johnson

Wie die Geschichte zeigt, „müssen britische Behauptungen erst verifiziert werden“, sagte der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, bei seiner außerordentlichen Pressekonferenz und beschuldigte die britische Regierung, das Völkerrecht zu verletzen und die internationale Gemeinschaft irrezuleiten. Willy Wimmer sieht durch die Briten einmal mehr den Weltfrieden gefährdet: „Wir Europäer haben mit den Briten ja unsere Erfahrungen gemacht.“ Man erinnere sich an Tony Blairs Massenvernichtungswaffen im Irak, die es nie gegeben hat. Eine dreiste Kriegslüge. „Und solange sich die Briten international nicht rechtmäßig verhalten, ist diese Giftanschlag-Anschuldigung eine weitere Lüge, um Krieg gegen Moskau zu schüren“, sagt Wimmer.

Dreist und offensichtlich

Vor der Skripal-Affäre polterte Boris Johnson bereits gegen Russland, in Syrien mit Absicht Zivilisten und Krankenhäuser zu bombardieren und Assad, Giftgas gegen sein Volk einzusetzen. Die Medienmanipulation Londons bezüglich Syrien ist inzwischen hinlänglich bekannt. Johnsons Brüller konterte der russische Botschafter Jakowenko in London: „Als britische Parlamentsmitglieder auf die humanitäre Situation hinzuweisen ist berechtigt, allerdings werden die Grausamkeiten der Terroristen gegen die Bevölkerung in Aleppo, Damaskus oder anderen syrischen Städten einfach ausgeklammert und medial verschwiegen oder verzerrt wiedergegeben.“ Kreml-Sprecher Peskow stellte die naheliegende Frage, ob Johnson nun gegen „die Terroristen oder nur gegen Assad“ sei. Beim Syrien-Treffen mit Rohani und Erdogan in Ankara informierte der russische Präsident Putin, dass unwiderlegbare Beweise für Provokationen seitens der Terroristen mit chemischen Kampfstoffen vorliegen. Russland bleibe dem Kampf gegen den Terrorismus verpflichtet und ist weiterhin bestrebt, friedenstiftend den Dialog und die politische Lösung mit allen Partnern herbeizuführen.

Moskau lässt sich weder von grotesken Anschuldigungen noch von völkerrechtswidrigen Sanktionen des transatlantischen Kriegsbündnisses provozieren