Was wir von den Bienen lernen können

Von DI Simone König, www.bodenseeakademie.at

Die Weisheit im Bienenstock mit seinem erstaunlich hoch stehenden sozialen Leben fasziniert die Menschen seit jeher. Doch das Leben und der Lebensraum dieses sensiblen Wesens sind in Gefahr. Worin liegen die Ursachen dieser Entwicklung? Dazu hat Martin Ott zusammen mit dem Imker Martin Dettli ein Buch geschrieben. Es zeigt auf, was die Biene der Erde und dem Menschen zu geben hat, in welchem Verhältnis sie zur Pflanzenwelt steht – und weshalb sie auf den Menschen als Partner ebenso angewiesen ist, wie dieser auf die Bienen. Für die Fotografie und Illustration des Buches zeichnet Philipp Rohner verantwortlich.

Wie die Autoren im Vorwort selbst schreiben, war es für diese drei unterschiedlichen Charaktere nicht einfach, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Herausgekommen ist dann allerdings eine fein beschriebene Annährung an den Organismus Bien (das Bienenvolk als Ganzes), an die Biene als Einzelwesen, ihre Einbettung in ökologische Zusammenhänge und in die Welt des Menschen. Die Abschnitte sind jeweils illustriert mit polaren Bildpaaren des Fotografen. Den Hauptteil des Textes hat Martin Ott verfasst.

Über den Autor: Der jetzige Schulleiter und Buchautor Martin Ott hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Er lebt in Rheinau bei Schaffhausen, ist verheiratet und hat vier Kinder und drei Enkelkinder. Der gelernte Lehrer und Meisterlandwirt war Lehrer an einer Primarschule mit Waldorfpädagogik und baute einen sozialtherapeutischen Bauernhof im Zürcher Oberland auf. Nach 11 Jahren im Zürcher Kantonsrat übernahm er 1998 zusammen mit einer Gruppe von Landwirten, Therapeuten und Saatgutzüchtern den größten staatlichen Gutsbetrieb des Kantons das Gut Rheinau – ein inzwischen viel beachtetes innovatives, sozialökologisch und wirtschaftlich rentables Vorzeigeprojekt.

Seit 1992 ist Martin Ott Mitglied des Stiftungsrates und der Geschäftsleitung des Forschungsinstitutes für Biolandbau in Frick; seit 2007 ist er Präsident des Stiftungsrates. 2012/13 initiierte Martin Ott auf der Rheinau eine neue Form von landwirtschaftlicher Ausbildung mit starkem Praxisbezug und sinnlicher Wahrnehmungsschulung, er begann zu schreiben und intensivierte seine Vortragstätigkeit. Dem Bestseller „Kühe verstehen“ folgte das Buch „Bienen verstehen – Der Weg durchs Nadelöhr“. FONA Verlag-CH, 160 Seiten, ISBN 978-3-03781-056-9

Schwarmintelligenz

Insbesondere berührt hat mich das Kapitel „Die Schwarmintelligenz“. Der Begriff bezeichnet das Funktionieren von Einzelwesen in einem großen Ganzen ohne dass es eine zentrale Befehlsstruktur gibt. Beobachtet wurde dies bei Ameisen, bei Vogelschwärmen und eben auch bei Honigbienen. Im Laufe ihres Lebens übernimmt eine Biene bestimmte Tätigkeiten in und außerhalb des Stocks. Nach dem Schlüpfen werden zuerst die Zellen geputzt. Dann wird die Brutversorgung zu ihrer Aufgabe. Ab den 10. Tag steht Wabenbau auf dem Programm, dazu wird Wachs ausgeschwitzt. Daneben allerlei Stockarbeiten wie Futterabnahme, Reinigungsarbeiten, heizen und kühlen. Danach hält sie Wache am Flugloch. Schließlich wird sie zur Flugbiene und trägt Honig, Pollen, Wasser und Kittharz ein. Und wenn Not an der Biene ist, verändern sich die Aufgaben. Zum Beispiel wird eine Flugbiene wieder zur Wabenbauerin oder hilft beim Heizen. Je nachdem was für den Gesamtorganismus sinnvoll ist.

Im Buch beschreiben es die beiden Autoren so: „Immer eine Aufgabe anpacken, wenn sie vor einem liegt! Das erfordert Vertrauen in das Ganze: Die wichtige, liebgewordene Aufgabe muss vom Strom der Schwestern übernommen werden, und zwar wenn eine neue Aufgabe ansteht und übernommen werden muss.“ Wenn eine Biene ausfällt, kommt es zu keinem Unterbruch, weil andere die Arbeiten übernehmen. Oder wenn es die Möglichkeit gibt, eine große Tracht einzubringen, kann können bis zu 50% der Bienen eines Stockes dafür herangezogen werden. Das setzt voraus, dass es immer eine große Reserve an Arbeitskräften gibt.

Vervollständigt werden diese ganzheitlichen Betrachtungen des Bienenvolks mit Parallelen zur Menschenwelt und Beschreibungen der Einheit, die Mensch, Tier und Pflanze auf der Erde bilden. Dazu kommen imkerfachliche Beschreibungen von Arbeitsabläufen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Umgang mit Honigbienen. Ein wichtiger Abschnitt ist natürlich auch der Varroamilbe gewidmet und dem Umgang mit ihr. Den Schluss bilden vier Imker-Portraits, eines davon über einen der Autoren, Martin Dettli.

Unser Land zum Blühen bringen – aktuelles Programm:

„Mach mit – Bringen wir das Land zum Blühen!“ so lautet das Motto des Netzwerks blühendes Vorarlberg Damit das notwendige Umsetzungswissen für die Anlage und Pflege „blühender Landschaft“ in die Breite kommt, sind wir dabei, einen Kreis von fachlich versierten „Blüh-BotschafterInnen“ aufzubauen. Dazu wollen wir Sie herzlich einladen und bieten erstmals einen 5-teiligen Lehrgang an, der allen Interessierten mit ein profundes Querschnittswissen über Bienen, Hummeln & Co und deren Lebensräume vermittelt.

Jeder Teil des Lehrgangs ist einem speziellen Thema gewidmet, seien es Leben und Bedürfnisse der Bienen und bestäubenden Insekten, der insektenfreundliche Garten, Gestaltungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum oder Maßnahmen in der Land-und Forstwirtschaft. Im Zuge der Exkursionen besuchen wir wichtige Lebensräume von Wildbienen, vielfältige Naturgärten, Pilotflächen im öffentlichen Raum und wertvolle Magerwiesen. Melden Sie sich gleich an. Beschränkte Teilnehmerzahl! http://www.bodenseeakademie.at/Detailprogramm_Lehrgang-bluehende-Landschaft_2016_final.pdf
Der Jahreszeit entsprechend, finden Sie in diesem März-Newsletter noch weitere interessante Vorträge und Exkursionen zu diesem Thema.

Ebenfalls zum Blühen des Landes tragen die Veranstaltungen der Reihe „Wertvolle Kinder“ und der „Schule im Aufbruch-Tag“ am 18.3. in Hard mit Margret Rasfeld, Wolfgang Vogelsänger und Gerald Hüther bei sowie das Freinet Oster-Treffen Vorarlberg am 18.-22-3. im Bildungshaus St. Arbogast und die Tagung der Welt der Kinder am 27.-30.4. in Bregenz.

Im Bereich zukunftsfähige Land- und Lebensmittelwirtschaft verweisen wir u.a. auf die nächste Tagung der Reihe Landwirtschaft verstehen am 12.4. im Medienhaus mit dem Thema „Unsere Gemeinden – Partner für regionale Lebensmittel und die heimische Landwirtschaft“ sowie auf den Talente-Frühjahrsmarkt am 13.3. im BSBZ Hohenems mit dem Vortrag „Stadt macht satt- – ernte die Stadt! Mit Essen Gutes für sich und die Zukunft tun“.

Mit herzlichen Grüßen und der Kraft des jungen Frühlings,

Stefanie Moosmann, Simone König und Ernst Schwald.

Bodensee Akademie

freie Lern- und Arbeitsgemeinschaft für nachhaltige Entwicklung

A – 6850 Dornbirn, Steinebach 18

Tel.: +43 (0)5572 33064, Fax: DW –9

office@bodenseeakademie.at

www.bodenseeakademie.at

Newsletter anmelden:   http://www.bodenseeakademie.at/an-_und_abmeldung.html

 

Über das Netzwerk blühendes Vorarlberg

„Mach mit – bringen wir das Land zum Blühen“ so lautet der Aufruf des Netzwerk blühendes Vorarlberg – sich mit gemeinsamer Kraft für die Lebensräume von Bienen, Hummeln & Co einzusetzen. Die 2011 von der Bodensee Akademie, dem Land Vorarlberg und dem Imkerverband ins Leben gerufene Gemeinschaftsinitiative hat inzwischen viele PartnerInnen gewonnen und ein leistungsfähiges, weit über das Land Vorarlberg hinaus Beachtung findendes Netzwerk aufgebaut.

Gemeinsames Ziel ist es, die Vorarlberger Kulturlandschaft bienen- und insektenfreundlich zu gestalten, zu bewirtschaften und zu pflegen. Umsetzungsmöglichkeiten gibt es viele: im Garten, im Siedlungsbau, bei gewerblichen Flächen, bei Schulhöfen und Spielplätzen, in der Landwirtschaft, bei der Hecken- und Waldrandgestaltung bis hin zur Anlage von Schaugärten und Lehrpfaden.

Mehr Informationen zum Netzwerk blühendes Vorarlberg, das aktuelle Bildungsangebot, Artikel und viele praktische Tipps finden Sie unter: www.bluehendes-vorarlberg.at oder

Bodensee Akademie, +43  (0)5572 33064; office@bodenseeakademie.at;

www.bodenseeakademie.at;

DI Simone König, Bodensee Akademie.

Februar 2016

Fotos: Jungfernwabe – Mellifera e.V.; Buchcover – FONA Verlag, Portraitbild Martin Ott

Die Weisheit im Bienenstock

„Die Weisheit im Bienenstock“, Buch von Martin Ott und Martin Dettli