Feldkirch/Vorarlberg – Mit qualitativem Wachstum könne die Marke Vorarlberg global Vorbild sein. Der Vorarlberger Wirtschaftskammerpräsident Hans-Peter Metzler setzt auf modularen Unterricht, der es jungen Fachkräften erlaubt, neben spezifischen und handwerklichen Kenntnissen auch Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit zu erwerben. „Regionale Bildung“ heißt auch, dass besonders internationale Mitarbeiter mit Vorarlberger Identifikation zu Qualitätsbotschaftern werden können und sollen.

Von Verena Daum (das Interview ist am 4. Juli 2017 im VN-Extra „Grünes Leben“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen)

Was wurde bisher in Sachen „regional und fair“ umgesetzt bzw. erfolgreich auf den Weg gebracht?

METZLER: In den vergangenen Jahren konnten wir gemeinsam mit diversen Partnern neue Projekte initiieren, die allesamt das Thema „Regionalität“ im Fokus haben. Etwa das Projekt „Mehrwert für alle“, das auf die Vernetzung von Landwirtschaft und Küche abzielt. Oder die Initiative „vo:dô“, die sich für 0-Kilometer-Menüs und Regionalität am Arlberg stark macht. Da ist einiges passiert auf lokaler und regionaler Ebene. In eine ähnliche Richtung geht auch die Initiative von Klaus Pleifer in seinem „Engel“. Er holte gerade mit dem Projekt „Vom Hof auf den Teller“ einen Anerkennungspreis beim Tourismusforum. Bei dieser Veranstaltungsreihe erläutern Landwirte alles über die Herkunft und Verarbeitung von Produkten, während diese von den Gästen genossen werden. Denken und genießen auf Vorarlberger Art geschieht auch über das Genuss Festival.

Und die Zukunftsstrategie?

METZLER: Vorarlberg hat mehr zu bieten als „nur“ Kässpätzle, Riebel und Bergkäse. Dies soll an den 30 Genussveranstaltungstagen mit über 50 Programmpunkten kulinarisch zum Ausdruck kommen. Neben Genussabenden mit Sterneköchen werden auch die herausragenden Vorarlberger Landwirte und Topproduzenten aus dem Alpenraum im Mittelpunkt stehen. Die Partnerschaft zwischen regionalen Nahrungsmittelproduzenten und dem Tourismus hat, wie dies Beispiele zeigen, seit vielen Jahren Bestand und hat eine große Vielfalt an Angeboten für den Gast hervorgebracht. Vorarlberg bietet hierfür beste Voraussetzungen. Zahlreiche heimische Wirte setzen seit Jahren wichtige Zeichen in Richtung transparenter und konsequenter Anwendung von regionalen Rohstoffen in der Gastronomie. Daran arbeiten wir als Wirtschaftskammer und die Sparte Tourismus konsequent weiter.

Bildung und Wissen sind Basis für eine prosperierende Lebens- und Wirtschaftsweise im Einklang mit der Natur. Welche Grundpfeiler muss eine zukunftsorientierte Ausbildungsoffensive haben?

METZLER: In erster Linie ist modularer Unterricht wichtig, der es den jungen Fachkräften erlaubt, neben den fachlichen und handwerklichen Kenntnissen auch Kompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit zu erwerben. Praxiszeiten etwa auf einem Weingut, in Sennereien, bei Bäckern oder in der Landwirtschaft schärfen das Bewusstsein über die Herkunft und Herstellung von Produkten. Die vielfältigen heimischen Produkte sind die beste Basis für kreative Kreationen in den Gastronomiebetrieben. Essen muss heutzutage nicht nur schmecken, sondern auch authentisch sein. Der Qualitätsanspruch in puncto Lebensmittel wird immer größer. Für den Wirt ergibt sich aus diesem Umdenken die Möglichkeit, sich über regionalen Genuss neu zu positionieren. Die zahlreichen heimischen Wirte, die seit Jahren auf die transparente und konsequente Verarbeitung regionaler Produkte setzen und damit höchst erfolgreich sind, sind das beste Beispiel dafür. Regionalität ist nun mal zum Wettbewerbsvorteil geworden. Dieses Bewusstsein wollen wir unseren Nachwuchskräften schon vom ersten Tag der Ausbildung an mitgeben.

Eine persönliche Einschätzung, wie „Regionalität = Lebensqualität“ bei Gästen, Bevölkerung, Unternehmern und Landwirten gleichermaßen erreicht werden kann. Und was hat das mit Natur- und Klimaschutz zu tun?

METZLER: Die Schonung der Umwelt ist Grundlage für einen qualitätsorientierten Tourismus. Touristische Projekte sind gesamthaft zu beurteilen, besonders in Hinblick auf die langfristige und nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Region und des Tourismuslandes Vorarlberg. Es muss einen Verzicht auf die Errichtung von touristischen Massenanziehungspunkten geben, die mit erheblichen Belastungen für Bevölkerung, Natur und Umwelt verbunden sind und keine nachhaltige regionale Wertschöpfung erwarten lassen. Genau dazu haben wir die „Tourismusstrategie Vorarlberg 2020“ entwickelt, denn sie räumt der Regionalität und Nachhaltigkeit absoluten Vorrang ein. In diesem Sinne verstärken wir auch die regionale Bildung, was so viel heißt, wie dass wir die Mitarbeiter über die Besonderheiten Vorarlbergs sehr gezielt schulen, ganz besonders unsere internationalen Mitarbeiter und Fachkräfte, die durch das Leben dieser Vorarlberger Identifikation zu Botschaftern der Marke Vorarlberg werden. Vorarlberg hat beste Chancen, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wir wollen die bestmögliche Qualität in unseren Betrieben anbieten und sind deshalb bereit, für ehrliche nachhaltige und umweltschonende Qualität mehr zu bezahlen sowie größere Anstrengungen zu unternehmen, um die landwirtschaftlichen Produkte im Land einzukaufen.