Wien, Bregenz – Einige Tage vor den österreichischen Nationalratswahlen bekam ich einen Brief mit dem Absender „Österreichische Post AG/Sponsoring.Post, DIE WEISSE ROSE“. Im Brief befanden sich ein vierseitiges Flugblatt mit der Aufschrift „DIE WEISSE ROSE“, auf der symbolhaft eine große Rosenblüte prangte, sowie ein Erlagschein für eine Spende. Mir kamen die Geschwister Scholl in den Sinn, die während der Naziherrschaft für ihr Engagement gegen den Rechtspopulismus und seine Auswirkungen mit dem Leben bezahlen mussten. Sie lebten die Mitmenschlichkeit in einer Gesellschaft, die großteils der Sündenbocktheorie ihrer politischen Führung erlag oder zumindest nichts entgegenhielt. „Brauchen wir wirklich wieder so eine Bewegung? Ist das nicht überzogen, zu voreilig?“ frage ich mich.

Von BA Kurt Walser, Sozialarbeiter, kurt.walser@vol.at

Aber da ist auch der spürbare Gesinnungswandel in der Gesellschaft. Angetrieben durch Angst vor Terrorismus, Islamisierung, Krieg und durch die Hetze der Rechtspopulisten! Sie verstehen es geschickt mit den Ängsten der Bevölkerung zu spielen und den Großparteien die Ausländer-Themen aufzuzwingen. Aus Angst Wählerstimmen zu verlieren, vollziehen diese den Rechtsruck und befördern ihn. „Ok, vielleicht doch nicht zu früh. Prallelen sind ja durchaus vorhanden. Außerdem gibt es das Sprichwort ‚wehret den Anfängen!’“ Ich beginne also zu lesen.

Doch was ich lese, irritiert mich völlig. Im Flugblatt wird die Kaiserin Maria Theresia, die sich gegen eine Welt von Feinden behauptete, gelobt und Joseph II. als „aufklärerisch verseucht“ bezeichnet. Der Herausgeber vermisst die schützende Hand der Kaiserin und lobt Gerard van Swieten, den damaligen Chef der Zensur, der lt. Verfasser „völlig zu recht die Werke Voltaires und Rousseaus“ verbot. Im zweiten Teil des Flugblattes steht ein ausführliches Interview mit der Nationalrätin Barbara Rosenkranz (FLÖ), in dessen Einleitung große Übereinstimmung mit ihrer politischen Position bekundet wird. Dementsprechend liest sich das Interview wie eine Wahlwerbung.

Weder die politischen Positionen von Barbara Rosenkranz 1 , noch die des Herausgebers Albert Pethö, samt seiner unkritisch verklärten Sicht auf die Monarchie, sind in irgendeiner Weise mit den Werten der Geschwister Scholl2 in Verbindung zu bringen. Ganz im Gegenteil. Auch wenn es in der Öffentlichkeit eine kaum bemerkte Randerscheinung im Wahlkampf und unbedeutend für dessen Ausgang war: Die m.E. missbräuchliche Verwendung des Namens „DIE WEISSE ROSE“ ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Das Flugblatt zeichnet sich zwar auch durch Widerstand aus, ist aber leider „wider die menschliche Vernunft“ gerichtet.

Genervt und verärgert lege ich das Blatt beiseite und spüre Empörung. Stephane Hessel’s Worte kommen mir in den Sinn. „Empört Euch!“ hat er uns ermutigt und dazu ein Büchlein verfasst, das millionenfach gekauft wurde. Aber Empörung allein reicht nicht, hat er auch gesagt und sein zweites Büchlein mit dem Titel „Engagiert Euch!“ geschrieben. „Recht hat er! Was soll Empörung bewirken, wenn sie nicht zum Handeln führt“ denke ich und schreibe diese Zeilen, um meine Empörung mit anderen zu teilen. Gemeinsam können wir der Angst- und Ausgrenzungspolitik mit Mut, Solidarität und den Menschenrechten, an deren Entwurf Stephane Hessel3 mitgewirkt hat, begegnen.

1  Siehe: „Barbara Rosenkranz“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. Oktober 2017, 09:42 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Barbara_Rosenkranz&oldid=169753509 (Abgerufen: 16. Oktober 2017, 12:35 UTC)

2 „Geschwister Scholl“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Oktober 2017, 10:04 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Geschwister_Scholl&oldid=169580509 (Abgerufen: 16. Oktober 2017, 12:38 UTC)

3  Stephane Hessel: https://www.unric.org/de/component/content/article/26852-stephane-hesselueber-menschenrechte

http://www.die-weisse-rose.at/index.php?id=10