Es gilt, ein kollektives Bewusstsein für Wertstoff- und Naturkreisläufe sowie planetarische Prozesse zu entwickeln. Zerstören wir als Konsum- und Wegwerfgesellschaft, als „Panne der Evolution“, unsere Lebensgrundlage „Natur“ oder schaffen wir als Menschheitsfamilie eine ökologisch-soziale Weltwirtschaftsordnung? „Diskutieren wir lösungsorientiert miteinander, um ein ganzheitliches Konzept für die überlebensnotwendige Ressourcen-, Energie- und Agrarwende zustande zu bringen, das nicht nur regional nachhaltig greift, sondern auch im globalen Kontext“, eröffnete die VN-Klimaschutzpreis-Projektleiterin Verena Daum das Podiumsgespräch auf der Alten Fähre in Lochau.

Der Artikel ist am 5. September 2019 in den Vorarlberger Nachrichten erschienen

„Wie können Gesellschaft/Wirtschaft/Politik gemeinsam die Wertschöpfungskette im Naturkreislauf bei idealerweise null Emissionen schließen?“ Nach Littering-Schlagzeilen 2018 im Lochauer Strandbad erläuterte Bgm. Michael Simma: „Nach drei Tagen Räumungsunterbrechung türmten sich tonnenweise Müll, darunter original verpackte Lebensmittel, das hat uns gereicht. Wir wollten als Gemeinde von der Landespolitik eine gesetzliche Handhabe. Gäste müssen nun ihre mitgebrachten Dinge wieder mit nachhause nehmen!“

Was brauchen wir eigentlich wirklich?

„Seit 2018 haben wir die Littering-Verordnung“, informierte Umweltverbandsobmann Rainer Siegele. „Wir müssen uns fragen, wieviel von was brauchen wir eigentlich? ,Was bin ich?’ anstatt ,was habe ich?’. Bewusstseinswandel und Umweltbezug sind nötig. Wir müssen bei der Bildung ansetzen!“ Umweltlandesrat Johannes Rauch brachte die Dimension von Mikroplastik in Ozeanen und Fischen ins Spiel: „Einweg ist Irrweg. Mehrweg/Wertstoffkreislauf muss zur Regel werden – europa- und weltweit.“ Seinen Hinweis, dass Plastik aus Öl hergestellt wird, erläuterte ALPLA Senior Recycling Expert Karl Hagspiel so: „90 Prozent des Öls sind für Energie und Transport, nur 1,5 Prozent für die Kunststoffherstellung. Als Mikrobiologe lehne ich sowohl Plastik-Bashing als auch ,Biokunststoffe‘ aus Nahrungsmitteln ab. Plastik ist zu 100 Prozent recycelbar. Wie Glas, Papier usw. muss auch Kunststoff als Wertstoff erkannt und in den Wertschöpfungskreislauf rückgeführt werden.“ Zumtobel CSR-Manager Mario Wintschnig: „Es geht um den Umgang mit Ressourcen, um Prozessentwicklung. Öko-Aspekte viel weiter vorne denken, noch bevor ein Produkt entsteht, beim Produktdesign und Verpackungen mit Zweitnutzen wie bei unserem Schraubenbehälter. Weg von der Wegwerfkultur, hin zu intelligenten Baukastenkonzepten.“

„Jeder trägt Verantwortung und ist Teil des Ganzen“, betonte Christoph Ortner von Loacker Recycling: „Vermeidung – Verwertung – Recycling. Abfall als Rohstoff sehen und sortenrein trennen.“ Dass top Innovationen von unseren vorbildlichen Industriebetrieben kommen, darin war sich die Runde einig, doch müssen bei der Circle-Economie alle mitmachen, die Kunden, die Konsumenten und die Politik, die mit entsprechenden Rahmenbedingungen in die richtige Richtung lenkt. Die Diskutanten unisono: „Wir müssen uns ALLE zu EINEM Umweltnetzwerk verbinden!“

Vorbildliches Jugend-Engagement

Im Vorfeld der Veranstaltung wurden den VN-Lesern und VOL.AT-Usern drei Fragen gestellt: „Soll Littering gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt werden? 93 Prozent JA-Stimmen. Gehören gesamtheitliche Natur- und Klimaschutzkonzepte verpflichtend in Regierungsprogramme? 80 Prozent JA-Stimmen. Sollen vorbildliche Unternehmen im Rahmen einer ökologisch-sozialen Steuerreform ,belohnt’ werden? 80 Prozent JA-Stimmen“, informierte Verena Daum über das Stimmungsbarometer zum Thema. Zumtobel CSR-Manager Mario Wintschnig brachte es auf den Punkt: „Leider ist die Kreislaufwirtschaft noch nicht in den Köpfen! Die Erde hat Fieber – und wir haben noch keinen Bezug dazu.“ Unter den 100 interessierten Gästen befand sich mit Jennifer Kidd, Corinna Heinzle und Lisa Schörgenhofer auch eine Abordnung der JugendbotschafterInnen der Caritas, die von Umweltlandesrat Johannes Rauch besonders hervorgehoben wurden: „Die jungen Leute haben meine volle Unterstützung. Sie laufen sich die Füße wund in Schulen und Betrieben, um die Getränkeautomaten auf Glasflaschen mit Pfandsystem umzustellen.“ Und das ist nur eine von vielen Initiativen der engagierten Jugend, denn in Partnerländern wie Äthiopien wird z. B. aufgeforstet für fruchtbare und essbare Landschaften mit der Aktion „Mango Tree for Family“, die den VN-Klimaschutzpreis 2018 erhielt.