Jerusalem, Saint Maximin – Nach Aufenthalten in Jerusalem, in Ägypten und in Südfrankreich fasste ich meinen Oster-Blog 2017 „Die Stadt des Friedens, die ihn nie fand – und die weibliche Stimme des Urchristentums, die bisher nicht gehört wird“ zusammen. Seit Jahrtausenden sind faschistoide Imperialisten leider erfolgreich damit, Jerusalem zur Hauptstadt von Krieg und Zerstörung zu machen – heute in globalem Ausmaß. Wann werden Vernunft und Empathie an die Stelle herrschender Habgier und Gewalt treten? Möglicherweise dann, wenn man den vielen ermordeten, entwürdigten und mundtot gemachten FriedensstifterInnen doch noch Aufmerksamkeit und Gehör schenkt. Spätestens seit Romanautor Dan Brown die Liebe zwischen Jesus von Nazareth und Maria Magdalena als Heiligen Gral deutete („Sakrileg“) und Papst Franziskus die gebildete und spirituell weise Frau als „Apostelin der Apostel“ anerkannte, kommt der historischen Persönlichkeit die gebührende Thematisierung zu und der Film „Maria Magdalena“ im März 2018 in die Kinos.

Von Verena Daum

In meinem geopolitischen Blog-Portal „Progression“ zu ethischer und ökologisch-sozialer Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung möchte ich kurz vor Weihnachten aus aktuellem Anlass (US-Provokation „Jerusalem“) meinen Oster-Beitrag nochmal in Erinnerung rufen:

Die Stadt des Friedens, die ihn nie fand – und die weibliche Stimme des Urchristentums, die bisher nicht gehört wird

Alle Friedenstifter und Menschenfreunde haben eines gemeinsam: Ihre Botschaft lautet „hier auf Erden im spirituellen Einklang mit der Natur und ihren Kreisläufen leben“ und „als Menschheitsfamilie eine empathische Lebensweise wählen, die kein Leid verursacht und allen Wesen nützt“. Die meisten von ihnen starben eines gewaltsamen Todes oder wurden auf andere Art und Weise von den Machthabern zum Schweigen gebracht. Würden wir aber ihre Botschaft beherzigen, dann hätten wir nicht nur Frieden, sondern das Paradies auf Erden. In meinen Büchern „Würde – Vernunft – Liebe“ und „Verantwortungslos – Zivilcourage für ein Ende des Kriegs gegen die Menschlichkeit“ mache ich im Kapitel „Jerusalem, Dreh- und Angelpunkt für Religionen und Missverständnisse, ein heiliger Ort, der nie Frieden fand“, einen Abstecher in die Geschichte der „Stadt des Friedens“, in der jedes Jahr an Karfreitag der Kreuzgang Jesu zelebriert wird.

Die menschliche Grausamkeit, die Qual, das Leiden wird zelebriert. Die spirituelle Auferstehung als Ende des Leids hat eine weibliche Stimme, die einer erleuchteten, liebenden Maria Magdalena. Die Herzensweisheit so vieler starker Frauen wird bis heute in einer völlig verrohten Welt, in der sich die Spirale der Gewalt immer schneller dreht, kaum wahrgenommen oder ignoriert. In indigenen Naturvölkern wurde im Matriarchat (was nicht Herrschaft der Frau bedeutet, sondern harmonischer Ausgleich zwischen dem Weiblichen und dem Männlichen) die fühlende mütterliche Weisheit immer hoch gehalten. Heute setzen sich Vandana Shiva oder Jane Goodall und viele andere engagierte Frauen für den Naturschutz, die Menschenrechte und ein gesundes und glückliches Leben für alle ein. Auch mutige Politikerinnen wie die US-Amerikanerin Tulsi Gabbard oder die deutsche Sahra Wagenknecht nennen die Dinge beim Namen, zeigen gute Lösungen auf und gehen aktiv positive Veränderungen an.

Aber gehen wir 2000 Jahre zurück in die Geschichte: Etwa 50 v. Chr. ernannten die römischen Besatzer in Jerusalem Herodes zu ihrem Vasallen-König, zum König von Judäa. Herodes war gierig, ehrgeizig und liebte den orientalischen Luxus, er errichtete einen herrlichen Königspalast, die Antonia-Festung und erweiterte den Tempel. Nach seinem Tod 4 v. Chr. wurde das Reich unter vieren seiner zahlreichen Söhne aufgeteilt. Jesus wurde wahrscheinlich im Jahr 7 v. Chr. in Bethlehem geboren, seine Kindheit verbrachte er in Nazareth. Zu der Zeit erwarteten die Juden einen Messias (Gesalbten), der der Nation zu neuer Größe verhelfen und sie vom Joch der Römer befreien sollte.

Den Frieden und die Freiheit im Herzen finden

Als Jesus anfing zu predigen, sahen viele in ihm den herbeigesehnten Messias und folgten ihm durch das Land. Er sprach vom bevorstehenden Reich Gottes. Seine Ansichten standen oft im Gegensatz zu den Ideen der Sadduzäer und der Pharisäer, die zu den einflussreichsten religiösen Sekten jener Zeit gehörten. Sie fürchteten einerseits seine ungewöhnlichen Vorstellungen von Liebe und Gewaltlosigkeit die Thora (das Gesetz) betreffend, andererseits war für sie die Bezeichnung „Sohn Gottes“ (im Sinne von „wir sind alle Kinder Gottes“), die er sich selbst gab, blasphemisch. Der verstorbene österreichische Journalist Alfred Worm schrieb einmal aus politischer Sicht: „Jesus war ein Reformjude, der liberalisieren wollte.“ In einer Zeit von Spannungen und Todesstrafen verursachte die Kreuzigung Jesu damals kein großes Aufsehen. Seine Anhängerschaft, die das Gedenken an Christus wach hielt und seine Friedensbotschaft verbreitete, wurde in Jerusalem nicht weiter beachtet. Das Christentum entwickelte sich außerhalb Judäas.

Der Verfasser des Buches „Das Evangelium der Maria (Magdalena) – Die weibliche Stimme des Urchristentums“ (Ansata), Jean-Yves Leloup, sieht das Urchristentum „aus der Imagination (Erleuchtung) dieser Frau“ geboren, die in den ihr zugeordneten Schriften bekundete: „Ich schaue dich heute in dieser Erscheinung.“ Er antwortete: „Selig bist du, die dich mein Anblick nicht verwirrt“ (Maria Evang. 10,12-15). Für Buddhisten (die Erfahrungslehre war an der Seidenstraße bekannt) ist Jesus ein Erleuchteter, der wie der Buddha (der Erwachte, der erleuchtete Zustand des Geistes) Siddharta Gautama, das Erkennen des eigenen innewohnenden Geistes und die Gewaltlosigkeit lehrte. Dass menschliche Gier das Grundübel nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung ist, versuchten offenbar sowohl Jesus und nach seinem Tod auch Maria Magdalena zu vermitteln.

Das Anhaften an Materie erzeugt widernatürliche Leidenschaft

Auf der Seite 8 der Schriften der Maria Magdalena (in den außerbiblischen Texten in Museen in Israel und Berlin) ist zu lesen: Jesus sprach: „Das Haften an der Materie erzeugt eine Leidenschaft gegen die Natur – so entsteht im ganzen Leib Verwirrung, deshalb sage ich euch: Seid in Harmonie! Wenn ihr verwirrt seid, lasst euch von den Bildern eurer wahren Natur (vom eigenen ,erleuchteten‘ Geist) leiten … denn im Inneren wohnt der Menschensohn. Folgt ihm nach. Wer ihn sucht, der wird ihn finden.“ Jesus achtete die Zehn Gebote (die Menschenrechte) als moralische Werte und predigte die Empathie, die Nächstenliebe. „Was du nicht willst, dass man dir antut, das füge auch keinem anderen zu.“ Die Spirale der Gewalt durchbrechen: „Wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, biete ihm auch deine linke dar.“ Und nicht von Angst die Seele fressen lassen: „Fürchtet euch nicht!“ Die eigene Herzensweisheit gibt Antwort auf alle Fragen. Mein lieber Freund Alt-Bischof Erwin Kräutler am Xingu in Brasilien gab mir mit auf den Weg: „Immer wenn ich eine Entscheidung treffen musste, habe ich mich gefragt, was hätte jetzt Jesus an meiner Stelle getan. Und ich bekam jedes Mal Antwort.“

Autorin Verena Daum (Garden Eden Organisation, www.progression.at) in der Grabeskirche der Maria Magdalena in Saint Maximin in Südfrankreich