In der Klimabündnis Vorarlberg-Partnerregion Chocó in Kolumbien droht eine humanitäre Katastrophe. „Menschen sollen wirtschaftlichen Interessen Platz machen und werden aus ihrer Heimat im Regenwald vertrieben. Besonders alarmierend sind die Morde an AktivistInnen sozialer Bewegungen und die mangelnde Umsetzung des Friedensabkommens“, informiert der Chocó-Projektleiter Daniel Sperl des Klimabündnis’ Vorarlberg.

„Insgesamt 29 Klimabündnis Gemeinden, das Land Vorarlberg sowie der Biosphärenpark Großes Walsertal unterzeichneten vergangenen Dezember eine solidarische Stellungnahme zur kritischen Menschenrechtssituation in der kolumbianischen Regenwaldregion Chocó. Ende Jänner wurden die Unterschriften durch die österreichische Botschafterin Marianne Feldmann der Regierung von Präsidenten Ivan Duque übergeben. Dieser beteuert zwar, ausreichende Maßnahmen für die Bewältigung der Situation zu ergreifen, doch internationale Beobachter – darunter auch das Klimabündnis Vorarlberg – zeichnen ein ganz anderes Bild. Einmal mehr im Zentrum der Gewalt steht die Gemeinde Bojayá, in der sich schon 2002 eines der größten Massaker des kolumbianischen Bürgerkriegs ereignete. Zu Jahresbeginn marschierten 300 Mitglieder des paramilitärischen Golf-Clans in mehreren Dörfern rund um Bojayá auf, nachdem sie sich in dieser Region bereits über Monate Gefechte mit der Guerillagruppe ELN geliefert hatten. Es geht dabei um die Sicherung wichtiger Routen für den Drogenhandel. Auch wirtschaftliche Interessen im Zusammenhang mit der rechtswidrigen Aneignung von Grund und Boden, etwa für die von Ausweitung von Palmölplantagen in den nördlich angrenzenden Gebieten spielen eine Rolle. Die lokale und in Subsistenzwirtschaft lebende Bevölkerung wird dabei wieder einmal zum Spielball systematischer Vertreibungen, während sie vom Staat weitgehend alleine gelassen werden.“

Erhalt des Regenwaldes

„Dabei wären genau diese Menschen wichtige Verbündete in den internationalen Bemühungen zum Erhalt des Regenwaldes, was erwiesenermaßen auch als eine der effektivsten Klimaschutz- Maßnahmen gilt“, betont Daniel Sperl. „Die Klimakrise betrifft uns alle und umso mehr müssen wir uns auch hier in Vorarlberg um die Wahrung der Menschenrechte im Chocó kümmern!“ Wie ernst die Lage ist, zeigte sich Anfang Jänner, als mehrere soziale Führungspersonen der Region Morddrohung von den Paramilitärs erhielten, darunter auch Leyner Palacios, einer der wichtigsten Friedensaktivisten des Landes. Darauf hin musste er sein Heimatdorf verlassen und wurde unter Schutz gestellt. Anfang März wurde einer seiner Leibwächter am helllichten Tag mit 18 Schüssen niedergestreckt. In Kolumbien wurden seit Jahresbeginn bereits rund 60 Morde an sozialen Führungspersonen und MenschenrechtsverteidigerInnen verübt. „Es ist Gebot der Menschlichkeit, diesen Menschen mit internationaler Solidarität zur Seite zu stehen“, so Sperl. Ungeachtet der Umstände unterstützt das Klimabündnis seine langjährigen Partner, im Chocó mit konkreten Projekten die ihnen ein würdiges (Über-)Leben im Einklang mit der Natur ermöglichen sollen. Infos unter: vorarlberg.klimabuendnis.at