Ökologisierung statt Krieg! „Ressourcenkriege sind der falsche Weg. Wir sollten auf erneuerbare Energien setzen – auf Wind, Sonne, Wasser, Holz, Geothermie und Biogas“, sagt der Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser (Bücher u.a. „Illegale Kriege – Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren – Eine Chronik von Kuba bis Syrien“). Am 17. Juni 2022 wird er im Hofsteigsaal Lauterach zum Thema referieren, sofern die Veranstaltung in Hinblick auf Corona-Maßnahmen durchgeführt werden kann. Wenn nicht, wird verschoben, die erworbenen Tickets (v-ticket.at) behalten ihre Gültigkeit. „Die USA geben 777 Milliarden Dollar pro Jahr fürs Pentagon aus, also für Rüstung und Kriege. Stellen wir uns vor, man würde dieses Geld für Frieden und die Umwelt einsetzen. Wir müssen hier im Westen, in den USA und in Europa verstehen, dass wir selber an vielen Kriegen beteiligt sind. Es ist wichtig aufzuwachen, auch wenn es schmerzhaft ist.“

Von Verena Daum (www.progression.at, Tickets kaufen unter https://webshop.events-vorarlberg.at/Bregenz/Events?eventsetid=2008)

Bereits im Juni 2015 sprach Ganser im Interview „Die Welt im Erdölrausch“ auf  https://www.heise.de/tp/features/Die-Welt-im-Erdoelrausch-3373567.html über den Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte und Auswege aus der Gewaltspirale. Hier auszugsweise: Vielen Menschen ist noch der Angriff der USA und der Briten 2003 auf den Irak in Erinnerung. Damals haben der US-Präsident George Bush und der britische Premier Tony Blair die ganze Welt angelogen, als sie behaupteten, Saddam Hussein, der damalige Präsident des Irak, habe atomare, chemische und biologische Waffen, und daher müsse man den Irak angreifen. Heute wissen wir: Das war nicht wahr, es gab keine ABC-Waffen im Irak. Der Angriff fand ohne UNO-Mandat statt und war daher illegal. Bush und Blair sind Kriegsverbrecher. In Wahrheit ging es um die Kontrolle des irakischen Erdöls.

Die USA und die Briten hatten schon 1953 im Nahen Osten interveniert, um ihre Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Damals stürzte der amerikanische Geheimdienst CIA zusammen mit dem britischen Geheimdienst MI6 die demokratisch gewählte Regierung von Iran, weil diese unter Premier Mossadegh das iranische Erdöl verstaatlicht hatte, was für die Briten eine herbe Enttäuschung war. Daher wurde Mossadegh gestürzt, die Briten und Amerikaner sicherten sich den Zugriff auf die Ressourcen. Die Iraner haben das bis heute nicht vergessen, auch wenn es bei uns im Fernsehen immer heißt, die Iraner seien die Bösen, die USA die Guten. Die Iraner haben aber niemals eine Regierung in den USA gestürzt, es war umgekehrt. Zudem haben die USA Saddam Hussein und den Irak unterstützt, als dieser Iran angriff. Der Krieg zwischen Irak und Iran von 1980 bis 1988 forderte mindestens 400.000 Tote. Es war eine ganz traurige Zeit.

Trotzdem haben US-Geostrategen wie George Friedman vom Think Tank Stratfor in diesem Jahr gefordert, dass diese Taktik, welche schon den Iran stark beschädigte, auch heute wieder angewandt werden soll: „Die USA können als Imperium nicht andauernd in Eurasien intervenieren“, so Friedman in einem Vortrag in Chicago im Februar 2015. „Denn die USA sind nicht in der Lage, ganz Eurasien zu besetzen. In dem Moment, indem wir einen Stiefel auf europäischen Boden setzen, sind wir aufgrund der demografischen Unterschiede zahlenmäßig total unterlegen.“ Daher gehe es darum, in Eurasien zerstrittene Mächte zu unterstützen und zum Beispiel einen Keil zwischen Deutschland und Russland zu treiben um beide zu schwächen. „Auch die Briten haben damals nicht Indien besetzt, sondern einzelne indische Staaten gegeneinander aufgehetzt“, erklärte Friedman.

Die USA sprechen heute ziemlich offen über diese fast diabolischen Techniken der Macht, nur hört man davon selten was bei uns im Fernsehen. Friedman sagte: „Ich empfehle eine Technik, die von Präsident Ronald Reagan eingesetzt wurde gegen Iran und Irak: Er unterstützte beide Kriegsparteien! Dann haben sie gegeneinander und nicht gegen uns gekämpft. Das war zynisch und amoralisch. Aber es funktionierte.“

(…) Durch die Ukraine laufen Gaspipelines, die Europa versorgen. Russland gehört neben Saudi-Arabien und den USA zu den größten Produzenten von Erdöl und Erdgas. Man muss auch beim Krieg in der Ukraine nicht lange suchen, bis man den Bezug zu den Rohstoffen und Wirtschaftskriegen gefunden hat. Außenpolitik war und ist Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte. Aber in den Medien werden diese Hintergründe nicht ausgeleuchtet. Man arbeitet stattdessen mit platten Feindbildern wie „Gaddafi ist böse“, „Saddam ist böse“, „Putin ist böse“, daher führen wir Krieg. Von Wirtschaftsinteressen oder Rohstoffen ist nie die Rede. Man verkauft also das Publikum für dumm. Aber das sollte man nicht tun. Einige Menschen sehen sehr wohl, dass sich die NATO in den letzten 25 Jahren in Richtung Osten ausgedehnt hat und heute Russland umzingelt, dass also die NATO den Konflikt im Osten schürt, weil sie nun auch die Ukraine in die Militärallianz aufnehmen will, was umgekehrt Russland auf keinen Fall will.

(…) Im Februar 2014 wurde ja der ukrainische Präsident Janukowitsch gestürzt und durch Präsident Poroschenko ersetzt. Gemäß dem früheren CIA-Analytiker Ray McGovern stehen hinter diesem Putsch die NATO und die USA.

(…) Wenn viele Menschen wirklich den Ausstieg aus der Gewaltspirale anstreben und über Jahre und Jahrzehnte hinweg Geduld haben und sich in dieser Richtung anstrengen, dann ist das möglich. Zudem, denke ich, brauchen wir die Energiewende, also den Ausstieg aus Erdöl, Erdgas, Kohle und Atom und hin zu den erneuerbaren Energien Wind, Sonne, Wasser, Holz, Geothermie und Biogas.

Pessimisten glauben zwar, dass wenig Hoffnung bestünde, und es daher zu endlosen Ressourcenkriegen über zunehmend knappe Ressourcen und die Zerstörung weiter Teile der Umwelt sowie einer starken Dezimierung der Bevölkerung kommen würde. Ich glaube aber nicht, dass die Pessimisten Recht haben. Denn der Mensch möchte überleben, und er möchte auch, dass seine Kinder und Enkel überleben, und wenn nötig wird er sich unter Druck anpassen. (Jens Wernicke)

Die NATO habe die Mechanismen des Dialogs zunichte gemacht, betonte Putin und bezeichnete die Beziehungen mit dieser Kriegsallianz als „deprimierend“.

Seine Hand war und bleibt ausgestreckt, betont der russische Präsident Wladimir Putin immer wieder. Gegenüber Deutschland, gegenüber der NATO, gegenüber allen Ländern dieser Welt, die wie er auf „Kooperation statt Konfrontation“ setzen und gemeinsam die Herausforderungen unserer Zeit annehmen und meistern wollen. Aber dass die aggressive NATO-Osterweiterung mit gröbsten Provokationen seitens NATO- und EU-Ländern durch Förderung militanter Strömungen in der Ukraine von Russland nicht ignoriert werden kann, bekräftigte der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit seiner schwedischen Amtskollegin Ann Linde.
Von Verena Daum (Autorin/Journalistin, freie Fachredakteurin für ökologisch-soziale Wirtschaftsthemen in den Vorarlberger Nachrichten, www.progression.at, www.garden-eden.org, Bücher „Dom Erwin“, „Verantwortungslos“, „Verbotene Frucht“)

Deutschland ist das Zünglein an der Wage und entscheidet über Kooperation oder Konfrontation – über Krieg oder Frieden!