Schwarzach/Vorarlberg – „Was wir essen, muss natürlich sein“: Die Familie Baumgartner betreibt in Dornbirn umweltbewussten, klimafreundlichen und nachhaltigen Ackerbau. Sie wurde mit dem VN-Klimaschutzpreis 2016 ausgezeichnet. Viele kennen „Gertrud’s Garten“ und genießen die guten und natürlichen Lebensmittel. „Unsere Kinder sollen in einer intakten Umwelt aufwachsen und viel Freude an der Fortführung unseres Betriebes haben“, wünschen sich Gertrud und Helmut Baumgartner, die engagiert mit gutem Beispiel vorangehen. Als Mädchen hat Gertrud eine Zierpflanzenlehre absolviert, bevor sie mit 18 den Hof übernehmen musste. „Meine Mama ging immer schon mit dem Gemüse auf den Markt, und der Garten war immer schon meins“, erinnert sich Gertrud. „Wir sind mit dem Marktverkauf aufgewachsen.“ Vor 21 Jahren kam dann Helmut dazu. „Ich bin aus der Textil-Branche, war bei einer Hochzeit dabei und bin geblieben“, lacht er. „Ich bin in den Ackerbaubetrieb hineingewachsen und der handwerkliche, logistische und technische Teil.“ So entstand Teamwork im Ökokreislauf.

Von Verena Daum

„Wir ergänzen uns sehr gut“, freut sich Gertrud über das effiziente Teamwork auf dem Hof. „Im ökologischen Naturkreislauf wollen wir die Voraussetzung für eine gesunde Erde schaffen“, erklären die beiden. „Dazu gehören saisonaler, vielfältiger Anbau von Früchten und Pflanzen, eigener Dünger, Fruchtfolge, Nützlings-Einsatz und Schaffung von Blühflächen. Ein gesunder Boden nimmt entsprechend Regenwasser auf, er benötigt keine Intensivbewässerung und ist daher ressourcenschonend. Außerdem verwenden wir keine schweren Geräte und verhindern so die Verdichtung des Bodens sowohl beim Pflanzen wie auch beim Ernten.“ Ausschlaggebend für ein Umdenken war bei Helmut vor vielen Jahren eine Allergie gegen Spritzmittel.

„Mit dem leben, was da ist“

Gertruds Motto lautet: „Das, was wir essen, muss natürlich sein. Ich will die Lebensmittel vom Strauch oder aus dem Boden nehmen und essen können.“ Von Wirtschaftswachstum ins Unendliche hält die Familie Baumgartner nichts, denn „was mir die Eltern gegeben haben – den gesunden Boden -, von dem können wir gut leben und brauchen kein künstliches Wachstum, das genügt uns. Wir wollen verantwortungsbewusst ohne Förderungen und Forderungen unser Leben und den Betrieb führen.“ Wie wichtig aber Betriebswirtschaftslehre ist, die zum Ganzen dazugehört, betont Helmut: „Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung muss stimmen.“

Von der Natur lernen

„Wir haben Freude daran, mit der Natur zu lernen und mehr über sie zu erfahren, daher Feldbaukurse besucht und auch ein ganzes Jahr bei Hans-Peter Bruchmann in Deutschland gelernt und erfahren, dass Bio funktioniert“, erzählt Gertrud. Das Paar wollte auf Bio umstellen, zog aber die freie Entscheidungsmöglichkeit der Bürokratie vor, und „so sind wir offiziell ein konventioneller Betrieb, inoffiziell aber bio“. So gibt es nur hofeigenen Dünger für den Ackerboden aus Gemüseabfall, Grasschnitt, Hühner- und Pferdemist sowie Hackgut. Entsprechend gemischt wird er überdacht zur Reifung gebracht. Diese Zusammensetzung führt zu einer Konsistenz des Bodens, die dazu beiträgt, dass Regenwasser entsprechend aufgenommen, gespeichert und langsam an die Pflanzen abgegeben wird. Herbizide, Pestizide & Co. werden selbstverständlich nicht verwendet.

Fruchtfolge und Nützlinge

Wichtig für einen natürlichen und erfolgreichen Ertrag ist die Fruchtfolge, also zum Beispiel beim Gemüseanbau Wurzelgemüse wie Karotten/Doldenblütler, dann Gründüngung und danach Salate/Korbblütler. Kartoffeln sind Starkzehrer, daher wird hier mindestens für zwei Jahre Grünhandgemenge angelegt. Danach erfolgt ein Flächenabtausch mit Gemüse. Es wird in Gertrud’s Garten aber auch mit Zwischenfrucht gearbeitet: Lanzbergergemenge, Ackerbohne, Wicke, Blatterbsen – sie werden sowohl im Sommer als auch im Winter eingesetzt. Auch Sonnenblumen werden angebaut. Im Folientunnel kommen wichtige Nützlinge unter der Aufsicht des Reichenau Gärtnercenters zum Einsatz. Für die jeweilige Gemüsesorte wird das passende Nützlingsprogramm erstellt. Im Freiland kommen Nützlings-Blühstreifen zum Tragen, die direkte Förderung von heimischen Nützlingen wie Schwebfliegen, Florfliegen und Marienkäfer. Bienen- und Schmetterlingspflanzen sind eine Selbstverständlichkeit, damit Nützlinge zwischen den Kulturen Nahrung finden und sich vermehren können. Bei Kohlpflanzen werden Blumen dazwischen gepflanzt.

Energiesparmaßnahmen

Familie Baumgartner hat den Großteil des Wohnhauses bereits in Eigenregie thermisch saniert, mit Energiesparlampen ausgestattet und eine Stückholzheizung eingebaut. Die beiden großen Gewächshäuser werden nicht beheizt, der Aussaattunnel nur bei Bedarf. Im Hofladen werden als Verpackungsmaterial nur Papier- oder verrottbare Bio-Plastiktaschen verwendet, und die Kunden werden animiert, eigene Behältnisse mitzubringen. Hierzu lässt sich im Hofladen gut aufklären. „Viele Stammkunden sind schon so weit, dass sie auf saisonales Gemüse warten und nicht auf importiertes Gemüse zurückgreifen“, freut sich Gertrud. „Überzeugt werden konnten sie durch Geschmack, Konsistenz, Frische und natürliche Haltbarkeit. Das bedeutet auch ein großes Einsparungspotenzial in Sachen Transportwege.“ Familie Baumgartner setzt auf kurze Transportwege und ist Direktvermarkter in Dornbirn, auf dem Wochenmarkt und via Hofladen. Mit der Photovoltaik-Anlage wird ein großer Teil des Strombedarfs abgedeckt. Zur Aufklärung der Kinder aus den Dornbirner Spielgruppen und Kindergärten heißt das Motto „Vom Samen bis zum fertigen Gemüse“. „Wenn die Kinder den Geschmacksunterschied erkannt haben, dann wollen sie zu Hause das gesunde Gemüse“, weiß Gertrud.

Erzeugung von Erneuerbaren

Neben der Photovoltaik-Anlage für Wohnhaus und Betrieb hat die Familie die Dachflächen des Hühnerstalls, der Lager- und Gerätegebäude für die Errichtung einer Groß-Photovoltaik-Anlage genützt. Mitte 2012 wurden auf 1600 Quadratmetern in Eigenregie Paneele montiert. Das bedeutet im Jahr eine durchschnittliche Stromversorgung von 50 Haushalten. Damit verbunden war gleichzeitig die Sanierung der Dächer. Die Lagerräume sind so gebaut, dass eine zusätzliche Kühlung nur im Herbst zum Herabkühlen des Gemüses verwendet wird. Die Abwärme der Aggregate wird genützt und etwa für die Sauerkrautgärung und zur Trocknung von Nüssen verwendet. Der nächste Pkw wird ein E-Auto sein, auch der Transporter mit Ladefläche, sobald er auf den Markt kommt. „Eine Sorten-vielfältige Lebensmittelproduktion auf gesundem, nährstoffreichem Boden und die regionale Vermarktung ist unser Beitrag zum Klimaschutz“, sagt die Familie Baumgartner.

Ein Allrounder in Sachen „Natur pur“

Das ist der Bregenzer Fritz Trippolt – ebenfalls Preisträger in Sachen Klimaschutz. Er hat ganzheitliche Lebensart im Einklang mit der Natur verinnerlicht. „Bereits vor 35 Jahren, als ich unser Haus in Bregenz baute, legte ich Wert auf biologisches Bauen, und das ganze Haus sollte mit einem großen Kachelofen, der im Zentrum des Hauses gebaut wurde, beheizt werden. Damals war die Idee, dass wir das Holz dafür aus dem See holen. Die ersten Jahre tat ich das auch, aber mit der Zeit musste ich erkennen, dass genau dann, wenn die Flüsse Hochwasser führten, ich an diesen Tagen keine Zeit hatte, um das Holz zu holen“, erzählt Fritz Trippolt. „Ein paar Tage später musste ich mich mit den letzten Brügeln in schlechter Qualität begnügen. Auf unseren Spaziergängen auf den Pfänder entdeckte ich immer wieder Wälder, die nicht bewirtschaftet wurden. Also nahm ich Kontakt mit diesen Waldeignern auf.“

Um den Wald kümmern

„Einer davon, in Salzburg beheimatet, war froh darüber, dass ich mich um seinen Wald kümmerte, das Schadholz beseitigte und Durchforstungen durchführte. Uns beiden war geholfen. Dann ergab sich plötzlich die Situation, dass ein Wald verkauft wurde. Ich hatte Glück und konnte den Wald kaufen“, freut sich der Allrounder. „Mit der Zeit konnte ich umliegende Waldparzellen kaufen, und so haben wir heute eine Waldfläche, dass wir jedes Jahr zwischen 50 und 100 Festmeter herausholen können und trotzdem nicht weniger Holz in unserem Wald ist, weil die Menge jedes Jahr zuwächst. Mittlerweile bauen wir Möbel, Hochbeete u.v.a. aus unserem eigenen Holz. Jeden Morgen freue ich mich bereits beim Frühstück über unseren wunderschönen Küchentisch, den wir aus einer abgestorbenen Ulme gebaut haben. Auch die Tischlampen darüber sind aus filigranen Weißtannenstäben – Design geklaut – selbst gebaut worden.“

Gute Zusammenarbeit

„Das anfallende Brennholz wird zum Teil selbst verheizt oder verkauft. Im Winter finden an vielen Samstagen gemeinsame Holzertage statt, wo zusammen mit Freunden, die für ihre Hilfe Brennholz bekommen, geschlägert, entastet, aufgeräumt und Holz gespaltet wird“, führt Fritz Trippolt aus. „Am Waldrand erfreut uns mittlerweile ein Gemüse- und Obstgarten. Die Erträge sind erstaunlich, und das Ziel ist, dass wir uns immer mehr von dem selbst Produzierten ernähren können. Unsere fünf Hennen sorgen dafür, dass wir keine Eier kaufen müssen. In den letzten Jahren hatten wir Schafe, aber das Fleisch schmeckte nicht allen Familienmitgliedern. Deshalb haben wir heuer zwei Wollschweine, die zum einen den Boden für den Kartoffelacker aufbereiten – da bleibt keine Wurzel im Boden – und zum anderen freuen wir uns auf das Fleisch.“

Selbstversorger und Genießer

„Zu meiner großen Freude habe ich zwischenzeitlich die Erlaubnis, in unserem Wald zu jagen. Ich habe dadurch einen guten Überblick über den Bestand an Wild und sehe am Verbiss der jungen Bäume, wo ich eventuell eingreifen muss. Daher gibt es bei uns auf dem Tisch immer wieder einmal Lasagne, Bolognese, Rehragout oder ein feines Stück Filet vom Reh“, informiert der Tierfreund. „Ein besonderer Stolz ist unser Segelboot ,Runag‘, das ich zusammen mit Freunden restauriert habe. Das 1902 gebaute Schiff haben wir in Eigenregie in etwa 4000 Stunden restauriert. Es ist zudem mit zehn Tonnen das schwerste Segelboot auf dem Bodensee, das ohne Motor ausgestattet ist.“ Und die Familie hat Spaß daran, „dass wir das ganze Jahr über den Großteil unserer Verkehrswege, auch bei Regen und Schnee, mit dem Fahrrad machen können“.

Die Beiträge sind am 25. November 2016 in der Extra-Ausgabe „VN-Klimaschutzpreis 2016“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen.