Mäder/Vorarlberg – Die Erreichung eines Zero Waste- und cradle to cradle-Zieles setzt einen geschlossenen Lebenszyklus von Produkten voraus. „Und zwar im Einklang mit der Natur. Der Sinn hinter ,cradle to cradle‘ liegt prinzipiell darin, gar keinen Abfall im herkömmlichen Sinn entstehen zu lassen. Produkte sollen so hergestellt werden, dass von Anfang an daran gedacht wird, wie diese am Ende des Produktlebenszyklus’ recycelt und allenfalls wiederverwendet werden können“, erläutert der Chef des Vorarlberger Umweltverbandes und Bürgermeister in Mäder Rainer Siegele.

Von Verena Daum (der Artikel ist am 22.9.2018 in der Extra Ausgabe der Vorarlberger Nachrichten „WERTVOLL – ökologische Initiativen für eine lebenswerte Zukunft“ erschienen)

„Dazu wären von uns allen die folgenden Schritte nötig“, führt Siegele aus: „Weniger ist mehr, soll heißen, wenn weniger Produkte gekauft werden, fallen auch weniger Abfälle an, die Wertigkeit der verwendeten Produkte würde steigen; eine genaue Kennzeichnung von Waren vorausgesetzt, sollten mündige Bürger entscheiden können und dann auch danach handeln, welche Waren, Dienstleistungen und Nahrungsmittel sie bevorzugt einkaufen; ein Re-Use-Trend ist bei uns leider noch nicht wirklich festzustellen, in Ländern wie beispielsweise Belgien hat Re-Use mittlerweile Tradition und wird von einer breiten Bevölkerungsschicht gerne angenommen – die gedankliche Hürde, dass nur alles Neue gut ist, muss überwunden werden, so hat hier der Umweltverband ein landesweites Projekt zu diesem Thema initiiert und arbeitet dabei mit allen sozialökonomischen Betrieben zusammen; beim Kauf von Produkten sollte bedacht werden, welche und wie viele Rohstoffe während der Nutzung verbraucht werden, es wäre ein großer Schritt wenn etwa Zweitautos E-Fahrzeuge wären, noch besser wäre die Nutzung von Carsharing-Möglichkeiten, hier hat sich der Umweltverband am Caruso-System beteiligt und nutzt diese Schiene auch ausgiebig, wenn das Netz vorhandener Fahrzeuge noch ausgebaut wird, entsteht auch für Privatpersonen eine attraktive Möglichkeit teilzeitlicher Fahrzeugnutzung.“

Ländle im globalen Kontext

„Aufgrund der strukturellen Gegebenheiten würde sich Vorarlberg ausgezeichnet als Pilotgebiet für eine Marke ,Bioland‘ eignen, was in weiterer Folge zu einer Verlagerung auf eher sanften Tourismus führen könnte – und damit auch im Sommer zu einer besseren Auslastung der Fremdenverkehrsgebiete“, blickt Siegele auf ein „Ländle 2040“ und plädiert dafür, dass Landwirtschaft vom Neben- wieder zum attraktiven Hauptberuf werden muss: „Landwirte könnten alternative Wege beschreiten und Themen wie ,Ferien am Bauernhof‘ ausweiten sowie von reiner Milchwirtschaft umstellen auf Vielfalt mit ökologischem Gemüseanbau, was Vorarlberg zu einem Vorzeigeland für ökologische Nutzung von Agrarflächen machen würde.“ Beginnend im Kindergarten sollten Kinder, Schüler und junge Menschen mit Themen der Nachhaltigkeit, mit den Auswirkungen eines bestimmten Lebensstils auf die Umwelt usw. vertraut gemacht werden, betont Rainer Siegele und meint: „Die Politik sollte das Thema Abfallvermeidung nicht als ,Anhängsel‘ der Abfallwirtschaft betrachten, sondern einfach mehr Geld in die Hand nehmen, um auf breiter Ebene Informationsarbeit leisten zu können. Wenn Unternehmen auch betriebsübergreifend Carsharing betreiben, ist das ein großer Schritt in Richtung Ökologisierung und hat zudem eine enorme Vorbildwirkung.“

Aktuelle Verwertungswege

Der Umweltverband ist direkt verantwortlich für die Sammlung und Verwertung von Restabfall, Sperrmüll, Bioabfall, Altpapier, Problemstoffen, Elektroaltgeräten und Kfz-Batterien. Bei der Sammlung und Verwertung von Altmetall, Leichtverpackungen und Glas kooperiert der Umweltverband mit den derzeit am Markt tätigen Sammel- und Verwertungssystemen. „Die aktuellen Verwertungswege sind für Restabfall und Sperrmüll die thermische Verwertung in der Abfallverbrennungsanlage in Buchs mit einem hohen Wirkungsgrad – es wird Wärme und Strom für die Nahversorgung und die Industrie erzeugt. Der Bioabfall aus Vorarlberger Haushalten wird in der Nass- und Trockenvergärungsanlage der Firma Häusle behandelt und Gas erzeugt, das ins Netz der VKW eingespeist wird“, erklärt Rainer Siegele. „Die jährlichen 30.000 Tonnen Altpapier werden zu fast 100 Prozent der Wiederverwertung in der Papierindustrie zugeführt – Altpapier kann diesen Zyklus mehrmals durchlaufen und ist somit ein wichtiger Wertstoff. Leichtverpackungen und Kunststoff werden zu 52 Prozent stofflich verwertet und wieder zu Produkten verarbeitet, 48 Prozent fließen in die energetische Verwertung und werden etwa als Ersatzbrennstoffe in der Zementindustrie eingesetzt, wo sie fossile Brennstoffe ersetzen. Werden Kunststoffabfälle sortenrein gesammelt, sind sie theoretisch unbegrenzt recyclingfähig. Daher wollen wir eine Pfandlösung auch auf Einwegprodukte. Dies würde Littering eindämmen. Auch Glas ist fast vollständig recycelbar und fließt immer wieder in die Produktion zurück. In den Altstoffsammelzentren und Bauhöfen wird versucht, gebrauchsfähige Altgeräte zu erkennen und über die Re-Use-Schiene wieder einer sinnvollen Weiternutzung zuzuführen. Sozialökonomische Betriebe wie die Caritas übernehmen und reparieren solche Geräte und verkaufen sie über die Carla-Shops. Nicht mehr brauchbare Elektrogeräte werden geshreddert und in unterschiedliche Fraktionen getrennt und vermarktet.“

Projekte werden umgesetzt

„G’hörig feschta heißt, öffentliche und private Veranstaltungen werden auf Basis eines definierten Maßnahmenkatalogs auf die Einhaltung von ökologischen Grundbedingungen geprüft und erhalten ein Zertifikat und/oder eine finanzielle Vergütung vom Land“, zählt Rainer Siegele Projekte auf, die gemeinsam mit NGOs umgesetzt werden. „Dem Littering wird der Kampf angesagt, denn den Gemeinden entstehen hohe Kosten durch das achtlose und illegale Wegwerfen und Entsorgen von Abfällen wie Dosen, Plastikflaschen, Zigarettenkippen usw. Der Umweltverband informiert laufend medial über die korrekte Entsorgung. Auch über die Wertigkeit von Nahrungsmitteln wird informiert und den Umgang damit. In Sachen Re-Use sind Gemeinden verpflichtet, Elektrogeräte zu sammeln und in Vorarlberg an Sozialökonomische Betriebe wie die Caritas, Integra, Lebenshilfe usw. zur möglichen Reparatur und Wiederverwendung weiterzugeben. Wir organisieren und koordinieren landesweit in über 70 Gemeinden die jährliche Landschaftsreinigung. Auch die jährliche Umweltwoche, bei der alle namhaften Stakeholder des Landes beteiligt sind. Im Rahmen dieser Woche wurden 2018 etwa 100 Veranstaltungen durchgeführt.“

Infos unter www.umweltverband.at