Für die Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin sowie Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, ist der „wichtigste Wandel unserer Zeit die Überwindung und Befreiung von drei Formen des Kolonialismus: die Kolonialisierung der Natur, die zur ökologischen Krise geführt hat, zweitens die Kolonialisierung der Frauen, die das weibliche Geschlecht als minderwertig sieht und zum Kampf der Geschlechter und Gewalt gegen Frauen geführt hat. Und drittens natürlich die Kolonialisierung der nicht-westlichen Kulturen, die zum ‚Dritte-Welt-Problem‘ geführt hat und sich in den Debatten im Nord-Süd-Konflikt ausdrückt. Diese drei Probleme können meiner Ansicht nach nur gemeinsam gelöst werden“.

Von Verena Daum (www.progression.at, www.garden-eden.org)

Auf ihre Initiative haben sich Globalisierungskritiker am Welt-Umwelttag 1999 unter dem Namen „Living Democracy Movement“ oder indisch Jaiv Panchayat zu einer Dachorganisation zusammengeschlossen, die mittlerweile rund eine Million Mitglieder hat und sich sowohl als Friedensbewegung, als auch als Umweltschutz-Initiative und als NGO für nachhaltige Entwicklung und Selbstbestimmung versteht. Mit ihren dezentralisierten lokalen Gruppen kämpft sie um die Bewahrung biologischer Vielfalt, regionale politische und ökonomische Rechte und eine Erneuerung der Demokratie auf der Basis demokratisch organisierter regionaler Gemeinschaften. „Wir brauchen ein neues Paradigma, um die Zerstörung und Zersplitterung gewachsener Strukturen zu beenden. Wir brauchen ein neue Bewegung, die uns hilft, von einer destruktiven Kultur der Gewalt, Zerstörung und des Todes zu einer gewaltfreien, friedlich kreativen und lebenserhaltenden Kultur zu kommen. Deshalb wurde in Indien die ‚Bewegung für eine lebendige Demokratie‘ gegründet“, erläutert Vandana Shiva.

Ihr Verständnis von Demokratie geht weit über die herrschende westliche Definition hinaus:

Hier werden demokratische Rechte für alle Lebensformen auf dem Planeten eingefordert, statt nur für Menschen. Die Bewegung fordert neben Wahlrechten neue Freiheiten für die Gestaltung der eigenen Lebensweise und will die Souveränität der Bevölkerung über die Wasserqualität, die Nahrungsmittel und die Qualität der Kleidung zurückfordern. Sie beruft sich auf die universelle Gültigkeit ökologischer Naturgesetze und stellt die Gültigkeit internationaler Handelsabkommen prinzipiell in Frage. Der zentralisierten Macht der Konzerne setzt sie dezentrale Strukturen auf der Basis friedlicher Koexistenz entgegen und baut auf die Werte des Mitgefühls, der gegenseitigen Hilfe und des Teilens.“

Aus der ökofeministischen Sicht definiert sich Wachstum nicht als materieller Überschuss und Mehrwert,

sondern als das menschliche Engagement für mehr Stabilität durch Vielfalt, wachsende Lebensqualität, funktionierene Selbstversorgung, verantwortliche Vorsorge. Sie bezieht alle Tätigkeiten, die im Westen gerne als ‚unproduktiv‘ oder ‚ehrenamtlich‘ eingestuft werden, mit ein in das Bruttosozialprodukt und kommt deshalb zu ganz anderen ökonomischen Sichtweisen. „Dann sieht es so aus, dass drei Viertel der Welt ‚wachsen‘ und ein Viertel dabei ist, sich selbst und den Rest zu zerstören.“ 1982 gründete Vandana Shiva das Institut „The Research Foundation for Science Technology and Ecology“ (RFSTN) in Dehradun. 1991 rief sie die Organisation Navdanya ins Leben. Navdanya bedeutet „Neun Saaten“ oder „Neun Samen“ und steht symbolisch für den Schutz von biologischer und kultureller Vielfalt des Saatgutes. Die Organisation ist ein Netzwerk lokaler Gemeinden und Organisationen in Indien und gilt als Pionier einer Bewegung zur Sicherung und Bewahrung von regionalem Saatgut traditioneller Nahrungspflanzen. 2001 gründete Vandana Shiva in der Nähe von Dehradun Bija Vidyapeeth, eine Schule und Farm für nachhaltiges Leben.

Ihr Lebenswerk ist aber jedenfalls der „Ökofeminismus“:

Nach einer empirischen Studie über die Wirkungen der westlichen landwirtschaftlichen Entwicklungsstrategien in Indien, die sie geleitet hat, argumentiert Shiva, dass diese eine Fehlentwicklung sind, die auf mehreren falschen, männlich dominierten Annahmen basieren und des Weiblichen beraubt sind. Zusammen mit Maria Mies untersuchte sie in Ecofeminism (1993; deutsch: Ökofeminismus. Beiträge zur Praxis und Theorie, 1995) den Zusammenhang von patriarchaler Gesellschaft und Umweltzerstörung. Die Rolle der ökologischen Bewegung sieht Shiva darin, die Natur und deren Rechte ernstzunehmen. Dies bedeutet für sie, den Wert der Natur nicht länger am finanziellen Wert, den diese für einige männliche Vertreter der Industrie darstellt, auszurichten.

Für die Verbindung von Ökologie und Feminismus bearbeitet Shiva zum einen die Frage, in welcher Form männlich geprägte Werte zu ökologischer ZerstörungMilitarismus und Ausbeutung beitragen. Zum anderen formuliert sie spezifisch weibliche Werte für den Umgang mit der Welt. Nach der Theorie des Ökofeminismus gemäß Shiva basieren patriarchalische Gesellschaften seit Jahrtausenden auf hierarchischen Strukturen, wobei Konkurrenz ein wichtiges Prinzip ist. Erfolg wird hier nicht in dem Wert für das Gemeinwohl gesehen, sondern bemisst sich im individuellen Machtzuwachs, welcher repressive Kontrollmechanismen zu seiner Absicherung benötigt. Im Bereich der Gentechnik übernehmen nach Shiva männlich geführte Unternehmen zunehmend Kontrolle über das Leben an sich. Sie interpretiert diesen Prozess als Kolonialisierung von Pflanzen, Tieren und Menschen wie auch der Zukunft und führt ihn auf patriarchalische Werte zurück. Vandana Shiva fordert in diesem Zusammenhang eine neue Definition des Machtbegriffes ein. Sie stellt dem männlich geprägten Begriff von „Macht“, der auf die „aggressive Überwindung, Dominanz und Beherrschung ausgerichtet ist“, einen Begriff von Macht als INNERE Macht entgegen, der allen Formen der Unterdrückung eine klare Absage erteilt, auf Ermutigung ausgerichtet ist und nicht um des eigenen Vorteils willen die Vernichtung des anderen in Kauf nimmt.

Vandana Shiva, Zitate:

„In nature’s economy the currency is not money, it is life.“

„I believe Gandhi is the only person who knew about real democracy — not democracy as the right to go and buy what you want, but democracy as the responsibility to be accountable to everyone around you.“

„We are either going to have a future where women lead the way to make peace with the Earth or we are not going to have a human future at all.“

„Whenever we engage in consumption or production patterns which take more than we need, we are engaging in violence.“

„Earth Democracy connects people in circles of care, cooperation, and compassion instead of dividing them through competition and conflict, fear and hatred.“

„When Bill Gates pours money into Africa for feeding the poor in Africa and preventing famine, he’s pushing the failed Green Revolution, he’s pushing chemicals, pushing GMOs, pushing patterns.“

„Economic reforms based on the idea of limitless growth in a limited world, can only be maintained by the powerful grabbing the resources of the vulnerable. The resource grab that is essential for “growth” creates a culture of rape—the rape of the earth, of local self-reliant economies, and of women.“

Vandana Shiva ist am 5. November 1952 geboren, eine indische Wissenschaftlerin, soziale Aktivistin und Globalisierungskritikerin. Für ihr Engagement in den Bereichen Umweltschutzbiologische VielfaltFrauenrechte und Nachhaltigkeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihr wurde 1993 der Right Livelihood Award – auch Alternativer Nobelpreis genannt – verliehen, weil sie die Themen Frauen und Ökologie in den Mittelpunkt des Diskurses um moderne Entwicklungspolitik gestellt hat. Sie ist unter anderem Mitglied der Internationalen Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft (IOPS). Des Weiteren ist sie Gründungsmitglied beim World Future Council.Shiva ist zusammen mit Jerry ManderEdward GoldsmithRalph Nader und Jeremy Rifkin Vorsitzende des International Forum on Globalization, und Mitglied des Exekutivkomitees des Weltzukunftsrates. Vandana Shiva ist Botschafterin der Klimaschutzorganisation 350.org und eine der Hauptorganisatoren des Monsanto-Tribunals.

Bücher:

Quellen:

www.vshiva.net 

https://beruhmte-zitate.de/autoren/vandana-shiva/

Wikipedia

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