Washington, Brüssel, Berlin, Wien, Moskau – Erleben wir gerade das große Erwachen? Der anglophone Monopolkapitalkomplex treibt es mit seinen Demopublicans im US-Senat auf die Spitze und macht jetzt auch gar keinen Hehl mehr daraus, was seit 150 Jahren aufgrund eigener Profit- und Machtinteressen betrieben wird: nämlich die präventive Sabotage bzw. Verhinderung eines prosperierenden Eurasien. Mit den neuen US-Sanktionen gegen Russland, denen der US-Senat zustimmen wird, sollen eurasische Pipeline-Projekte zu Fall gebracht und teures US-Fracking-Gas nach Europa exportiert werden. Im Februar 2015 erläuterte Pentagon-Berater George Friedman beim Chicago Council on Global Affairs zynisch lächelnd die ganz gezielten Destabilisierungs-, Ressourcen-, Wirtschafts-, Medien- und Terrorkriege des Imperiums gegen eine deutsch-russische Partnerschaft und den Rest der Welt. Zynisch auch die Tatsache, dass sich die europäische Politik erst heute über diese völkerrechtswidrige Geostrategie empört – leider erst seit gerade eben der US-Kongress den Gesetzesentwurf zu den erneuten Repressalien gegen Russland befürwortet, der die europäische Wirtschaft „schwer beschädigt“, wie unter anderen die Herren Juncker, Gabriel, Kern und Leitl inzwischen seit wenigen Tagen vermelden.

Von Verena Daum

Als die mediale Kriegsrhetorik im Russland-Bashing 2014 ihren unerträglichen Höhepunkt erreicht hatte, haben die Herren und Damen (Merkel, von der Leyen) der hohen europäischen Politik Obama-hörig die Klappe gehalten zur aggressiven NATO-Osterweiterung und den gezielt konstruierten Putschen, Ressourcen-, Destabilisierungs- und Terrorkriegen. Sie haben einhellig ins ach so Werte-schwangere wie heuchlerische westliche Demokratisierungshorn geblasen. Der russische Präsident Wladimir Putin wurde mitsamt seinem Volk bedroht, verteufelt und isoliert. Auf die westliche Aggression reagierte dieser zum Glück immer besonnen und deeskalierend. Man erinnere sich an seine Reden vor dem Deutschen Bundestag 2001 in deutscher Sprache, an seine Rede vor der UNO-Vollversammlung, seine Wirtschaftsforen in St. Petersburg, seine Valdai-Referate und zahlreichen Pressekonferenzen, bei denen er immer wieder sachlich und klar die Realität schilderte. Er hat trotz der immensen Schädigung seines Landes gegenüber dem Westen keine Sekunde lang geschwächelt, sondern im Gegenteil die eigene Wirtschaft angekurbelt, sich neuen Märkten geöffnet und stets auf „Kooperation statt Konfrontation“ gesetzt.

Trump in der Zwickmühle

Das Treffen zwischen den Präsidenten Trump und Putin im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg ließ einen leisen Hoffnungsschimmer auf bessere bilaterale Beziehungen zwischen den USA und Russland – und dadurch auch mit Europa – aufkommen. Doch der US-Senat machte dem zarten Pflänzchen umgehend den Garaus. Dass die auf der konstruierten Ukraine-Krise und laut Putin „erfundenen“ Wahl-Hacks basierenden US-Sanktionen gegen Russland genau wie der Irak-Krieg mit Kalkül auf Lüge gebaut sind, scheint der EU-Politik nun plötzlich aufzufallen, nachdem seit vielen Jahren ein John Perkins („Economic Hit Man“), Noam Chomsky („Wer beherrscht die Welt“), Jean Ziegler („Imperium der Schande“), Michael Lüders („Die den Sturm ernten“), Daniele Ganser („Illegale Kriege“), Oliver Stone („The Untold History of the United States“) oder George Friedman höchstselbst („Flashpoints: the emerging Crises in Europe“) schlüssige Aufklärung liefern.

Auf Druck zahlreicher engagierter und innovativer Unternehmer spricht sich nun der österreichische Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl „entschieden“ gegen die neuen US-Sanktionen gegenüber Russland aus, die „uns allen schaden“. Der deutsche Außenwirtschafts-Chef des Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, erklärte, dass die Sicherung der deutschen und europäischen Energieversorgung zum Stillstand kommen und das mit Russland gemeinsame Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 stark beeinträchtigt werden könnte: „Davon wäre die deutsche Wirtschaft empfindlich getroffen.“ Nicht nur die deutsche. Für den österreichischen Bundeskanzler Christian Kern ist diese extraterritoriale Anwendung nationaler Gesetze zum eigenen Vorteil und zum Schaden anderer „absolut inakzeptabel“. Die europäische Energieversorgung sei Sache Europas. Im US-Gesetzesentwurf bestätigen die Kongressabgeordneten ihre Ablehnung von Nord Stream 2 und wollen offen den Export von US-Flüssiggas nach Europa zur Priorität machen. Was noch fehlt ist die Unterschrift von Donald Trump, der sein Veto einlegen könnte. Allerdings tönt es aus den Machtkreisen: „Er wird unterschreiben (müssen).“

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G20: Trotz Aggressionen und Sanktionen wird Russland gegenüber Trump und seinem verbündeten saudischen „Prinzen der Finsternis“ ausgleichende Vernunft walten lassen