Dornbirn/Vorarlberg – „Gemeinsam Zukunft gestalten“ lautete das Motto der Podiumsdiskussion im Rahmen des „VN-Klimaschutzpreises 2018“. Sich selbst fragen, worum es im Leben geht, was wir wirklich brauchen, und miteinander Zukunft gestalten. „Jede unserer Entscheidungen ist klimarelevant. Wir müssen die Zusammenhänge sehen“, startete Visionär und Referent Hubert Rhomberg die konstruktive Diskussion am Mittwochabend, 11. April, im LifeCycleTower.

Von Verena Daum (der Artikel ist am 13. April in den Vorarlberger Nachrichten erschienen)

„Wertschätzender Austausch ist kulturfördernd und macht uns aus.“ Zukunftskonzepte gibt es viele: sanfte Mobilität, erneuerbare Energie, urban Gardening, smarte „essbare“ Städte, sinnvolle Nutzung von Daten und Technologien, Parkflächen für „Stehzeuge“ und Transitrouten unter die Erde, verdichtetes Bauen mit recycelbaren Stoffen in Harmonie mit Naturkreisläufen, um statt Boden zu versiegeln neue Grünflächen etwa durch Vertical Agriculture und bepflanzte Dächer und Terrassen für hohe Lebensqualität aller zu schaffen. „Atmosphäre und Ozeane sind voll mit giftigem Abfall, wir haben längst Müll und Plastik in uns“, gab Rhomberg zu bedenken.

Transparenz verändert alles

„Transparenz verändert alles, besonders Entscheidungsprozesse“, betont Rhomberg. Eine große Chance. „Wie gehen wir damit um? Mit dem Zugang zu allen Informationen können wir unser Wissen teilen und unsere kreative Kraft bündeln. Wir schaffen Möglichkeitsräume, in denen privates Engagement und positive Veränderungen passieren können.“ Alles hänge zusammen und müsse im globalen Kontext begriffen und regional heruntergebrochen werden. „In den Bereichen Energie, Umwelt und Wirtschaft laufen intensive Entwicklungsprozesse mit allen Interessenvertretungen“, informierte IV-GF Mathias Burtscher. „Allerdings sollten wir mehr ganzheitliche Sichtweise und vernetztes Denken zulassen, um gemeinsame Ziele zu definieren. Bitte kein Kirchturmdenken! Der urbane Weg verknüpft Stadt mit Land, bringt neue Zukunftsberufe und Fachkräfte sowie selbstverständliche Unternehmenskooperationen, also einen top Standort“, so Burtscher. „Junge Menschen sind offen für Neues und haben Naturbewusstsein. Es braucht aber Leuchtturmprojekte wie Doppelmayers ,Wälderbahn’, die saubere Mobilität fördert, Landschaft und Natur erleben lässt und attraktiven Lebensraum erhält“, sagt Burtscher, der sich von der Politik mehr mutige Entscheidungen wünscht, etwa auch für Rhombergs Ringstraßenbahn in Rheintal City um den Central Park Ried.

Grenzen des Wachstums

Exponenzielles Wachstum muss schmerzlich scheitern, war sich die Runde einig. LR Johannes Rauch: „Ausbrechen aus der künstlichen Wachstumsspirale und Ressourcenverbrauch stoppen! Es geht ums Wesentliche: Wohnen, Mobilität, unser Essen.“ Fahrrad und Bahn seien Zukunft, wie auch eine regionale Vermarktungsgenossenschaft für die Lebensmittel unserer Bauern und künftig statt Höchst- nur noch Mindestbaunutzungszahlen sowie Mobilitätswende bis 2030! Bgm. Rainer Siegele: „Wir brauchen Effizienz und radikale Veränderung für das teilweise irreversibel zersiedelte Rheintal. Dazu fehlt noch vielfach die Bereitschaft. Statt Einfamilienhaus hin zur Urbanität, also ganze Quartiere im Hinblick auf Verkehr und ökologisch-soziale Ausrichtung neu denken.“ Der Umweltverband leiste bereits ökologischen Beschaffungsservice und Prozessbegleitung für Gemeinden beim nachhaltigen Bauen. Gerhard Günther, GF Innovation Lab der illwerke vkw: „Unsere Ideenschmiede mit Usergruppen und vernetzten Unternehmen arbeitet an effizienter Energienutzung, etwa bei anfallender Abwärme in Produktionsprozessen. Wir alle gestalten die Wende.“ Das Publikum stieß eine „cradle to cradle“-Modellregion Vorarlberg und ein „essbares Dornbirn“ an, das bereits umgesetzt wird.

Mit allen Bürgern nachhaltig nach vorne

Sowohl die Diskussionsteilnehmer wie auch die anwesenden Interessierten waren sich einig, dass die Einbindung der Bürger in Entscheidungsprozesse von Anfang an erfolgen muss und nicht im Nachhinein, wo es dann oft zu Verzögerungen oder gar Verhinderungen von im Grunde positiven Entwicklungen und Projekten kommen kann. Dass uns nur das empathische Miteinander, also „Kooperation statt Konfrontation“ in Zukunftsfragen weiterbringt, waren auch die Gäste, darunter eine Abordnung von Vorarlberger Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, Markus Hämmerle (Zima), Baumexperte und Buchautor Conrad Amber, Gerald Swoboda (E-Mobilität Events), die Dornbirner Stadträtin Juliane Alton, Naturschutzbundobfrau Hildegard Breiner, Matthias Moosbrugger (Rhomberg Gruppe) und Landwirtschaftskammerdirektor Gebhard Bechter überzeugt. Die Erkenntnis, dass die Welt voller Lösungen ist, und die Freude über das hohe Niveau der konstruktiven Diskussion, nahm das beeindruckte Publikum mit nach Hause.

Artikel „Unser Wissen und kreative Kraft bündeln“ zur Podiumsdiskussion „Gemeinsam Zukunft gestalten“ im Rahmen des VN-Klimaschutzpreises 2018, Verena Daum Vorarlberger Nachrichten www.progression.at Garden Edenn Organisation