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Think global, act local – gleichbedeutend wie „regional wirtschaften im Einklang mit der Natur“

Bregenz, Meki – Ein Lokalaugenschein im Vorarlberger Partnerland Äthiopien: Das Vorarlberger Klimaneutralitätsbündnis, eine Kooperative engagierter und innovativer Unternehmen, gezogen von Illwerke VKW, finanziert u.v.a. das Klimaschutzprojekt GREEN-RE (Graded Response in Energy Efficient & Nature Conservation for Reducing Emission) der Vorarlberger Caritas Auslandshilfe in Zusammenarbeit mit der Caritas Meki in Südäthiopien. Der erste Fünfjahresplan beinhaltet eine Ressourcen schonende Paketlösung für Energie-, Licht- und Wasserbedarf sowie essbare Hausgärten und Aufforstung zugunsten von ca. 3.700 armen Familien auf dem Land.

Von Verena Daum (der Artikel ist am 23.3.2019 in der Extra-Ausgabe „Klimaschutzpreis 2020“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen)

83 Prozent der rund 95 Millionen Menschen in Äthiopien leben auf dem Land, in kleinen Gemeinden mit einkommensschwachen Haushalten, die von ineffizienten und gefährlichen Kerosinlampen und wertvoller Biomasse (Brennholz, Stroh, Ernterückstände, Tierdung) zum Kochen, die einfach verbrannt wird, abhängig sind. „Gravierende Umweltschäden, Verlust der Wälder, schlechte Luftqualität im Heim, ausgelaugte und unfruchtbare Erde, Versteppung ganzer Landstriche und eine enorme Arbeitsbelastung für Frauen und Kinder sind die Folge bzw. Realität. Zudem werden bei diesem schlechten Licht die Schulkinder beim Lernen und in der Entwicklung einer nachhaltigen Lebensgrundlage behindert“, erläutert GREEN-RE-Projektleiter Harald Grabher von der Caritas Auslandshilfe im Rahmen unseres Besuchs von geförderten Familien in den Dörfern.

Unsere Projekte wie GREEN-RE bedeuten einen Kulturwandel und werden daher gemeinsam mit der Bevölkerung auf den Weg gebracht, die ihr gewonnenes Know-how aus Arbeit in Naturkreisläufen gepaart mit moderner Technik an andere weitergibt – besonders die Frauen werden zu Ausbildnerinnen. Regionale Frauenkooperativen stellen etwa die Injera-Energiesparöfen her, mit denen die Haushalte bestückt werden. Weiters erhalten die Familien Solarlicht und Baumsetzlinge zur Wiederaufforstung sowie Wissensvermittlung für den Einsatz von Kompost als organischen Dünger im essbaren Hausgarten. Auch Messgeräte für die Trinkwasseraufbereitung durch UV-Strahlung werden ausgegeben. „Auf rund 14 Hektar Land wurden und werden auf Haushalts-, Gemeinde- und Institutionsgrundstücken wie Kindergärten und Schulen unsere Setzlinge aus der Baumschule gepflanzt“, informiert Harald Grabher. „Der Nutzen für alle ist vielfältig: Erosions- und Bodenschutz, Beschattung, Früchte für gesunde Ernährung, Futtermittel für die Tierhaltung.“ In der Baumschule werden u. a. Mango- und Moringa-Bäume, Cashews und Zitrusfrüchte gezogen, als Futterpflanzen werden Sesbania sesban, Straucherbse, Rhodos-, Elefanten- und Vetivergras, Brachiaria und Desmodium angebaut. „Im ersten 5-Jahres-Schritt des GREEN-RE-Projekts werden durch diese Maßnahmen insgesamt 24.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart sowie Natur geschützt und Böden wieder fruchtbar gemacht“, betont Harald Grabher.

Das Große Ganze als Ziel

Gleichzeitig wird auf der St. Joseph’s Farm der Diözese Meki nach den Prinzipien der Permakultur an einem Selbstversorgerhof mit Zusatzeinkommen gearbeitet – ganzheitlich – von Wasser (Tiefbrunnen mit Solarpumpe), über Bodenkultur, Kompost, Aufforstung, den essbaren Garten bis zur Lebensmittelverarbeitung. Hier dürfen alle Mitwirkenden aus Fehlern lernen. Das gewonnene Know-how wird in den verschiedensten Projekten an die Bevölkerung in den Gemeinden weitergegeben wie auch die gesunden Lebensmittel via Ausgabestelle/Hofladen. Die indischen Schwestern der Diözese kümmern sich um die Kindergärtler und Schüler, die spanische Schwester Maria und ihr Team bilden Lehrlinge in den verschiedensten Berufen aus und ziehen zahlreiche Projekte für Frauen und Mädchen, so auch das Milchziegenprojekt: Kulturell halten die Menschen so viele Fleischziegen wie möglich, was als Statussymbol für Wohlstand gilt. Allerdings werden dadurch Weideflächen überbeansprucht, das ohnehin versteppte Land komplett kahl gefressen und die Tiere werden dennoch nicht ausreichend genährt. Ab sofort erhalten Frauen und Mädchen Kurse in Milchziegenzucht, Fütterung, Melken und Milchverarbeitung und werden so zu Experten für gesunde Milchproduktion geschult. Das Projekt wurde gemeinsam mit den Frauen entwickelt und wird deshalb gut angenommen und auch weitervermittelt. Es verbessert die Ernährungssituation der Familien, besonders für die Babys, deren Überlebenschance mit gesunder Ziegenmilch erheblich steigt. Im Frauen-Ausbildungszentrum „Kidist Mariam Center“ wird in einem weiteren Schritt Milch und Ziegenkäse verkauft, was den Frauen ein Zusatzeinkommen sichert. Auch das „Eselprojekt“ stärkt Frauen und Mädchen sehr und reduziert ihre Arbeitslast. „Neben den Eseln und den Karren werden auch Ziegen, Schafe und Obstbäume an die Frauen ausgegeben“, informiert der Bildungsbeauftragte der Caritas Auslandshilfe Michael Zündel. In den 28 Savings and Internal Lending Communities (SILC) werden die Frauen einerseits zum Sparen angeregt, um auf der anderen Seite Mikro-Kredite zu erhalten, die sie in Schulmaterialien ihrer Kinder sowie in den Kauf weiterer Tiere und Pflanzen für ihren kleinen Hof investieren. Sie werden zudem in Aufforstung, Kompostierung, Wassersparmaßnahmen, Permakultur und im Aufbau eigener kleiner Betriebe geschult. Junge Männer lernen Eselkarren herzustellen und finden so Arbeitsplätze.

Das Bushulo Health Center of Hawassa (BHC), gefördert von der Vorarlberger Caritas Auslandhilfe, initiierte vor zehn Jahren das „Safe Motherhood Program“, das sich seither stetig weiterentwickelt hat. Ambulante Dienste konnten 24 Stunden und 7 Tage in der Woche gewährleistet werden. Jetzt wird das BHC komplett erneuert und es entsteht das erste solarbetriebene Sozial- und Gesundheitszentrum für Mutter und Kind in Südäthiopien für ein Einzugsgebiet mit 17 Millionen Menschen. Der Neubau hat begonnen. Mit modernen Wasser-, Abwasser- und Energieversorgungssystemen entsteht das 80-Betten-Gesundheitsinstitut als Best-Practice-Modell im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit in Äthiopien. Auch allgemeine Behandlungen, ambulante und Notdienste, Gesundheitserziehung und Ernährungsprogramme werden angeboten. Zudem werden Forschungs- und Schulungsmöglichkeiten für äthiopische Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern geschaffen.

Möglichkeiten zur Unterstützung und Mitarbeit:

Think global, act local – synonymous with „regional economy in harmony with nature“

Bregenz, Meki – A local eye in the Vorarlberg partner country Ethiopia: The Vorarlberg Climate Neutrality Alliance, a cooperative of committed and innovative companies, drawn by Illwerke VKW, finances for example the climate protection project GREEN-RE (Graded Response in Energy Efficient and Nature Conservation for Reducing Emission) of the Vorarlberg Caritas Foreign Aid in cooperation with Caritas Meki in Southern Ethiopia. The first five-year plan includes a resource-saving package solution for energy, light and water needs as well as edible home gardens and afforestation in favor of approximately 3,700 poor rural families.

By Verena Daum (the article was published on 23.3.2019 in the extra issue „Klimaschutzpreis 2020“ of the Vorarlberger Nachrichten)

Eighty-three percent of Ethiopia’s approximately 95 million people live in rural areas, in small communities with low-income households, depending on inefficient and dangerous kerosene lamps and valuable biomass (firewood, straw, crop residues, animal manure) for cooking that is simply burned. „Serious environmental damage, loss of forests, poor air quality in the home, leached and barren soil, desertification of entire areas and an enormous workload for women and children are the result – are reality. In addition, in this bad light, the schoolchildren are hindered in learning and in the development of a sustainable livelihood“, explains GREEN-RE project manager Harald Grabher from Caritas Foreign Aid as part of our visit to assisted families in the villages.

Our projects, such as GREEN-RE, represent a cultural change and are therefore initiated together with the population, who pass on their know-how gained from work in natural cycles paired with modern technology to others – especially the women become trainers. Regional women’s co-operatives produce, for example, the Injera energy saving ovens that house households. The families also receive solar light and tree seedlings for reforestation and knowledge transfer for the use of compost as organic fertilizer in the edible home garden. Also measuring devices for drinking water treatment by UV radiation are issued. „On around 14 hectares of land, our seedlings from the nursery were and will be planted on household, community and institutional properties such as kindergardens and schools,“ informs Harald Grabher. „The benefits for all are manifold: erosion and soil protection, shading, fruits for healthy nutrition, feed for animal husbandry.“ In the nursery u. a. Mango and Moringa trees, cashews and citrus fruits are grown, and fodder plants include Sesbania sesban, pigeon pea, Rhodos, elephant and vetiver grass, Brachiaria and Desmodium. „In the first 5-year step of the GREEN-RE project, these measures will save a total of 24,000 tonnes of CO2 emissions and protect nature and make soil fertile again,“ stresses Harald Grabher.

The big picture as a goal

At the same time, the St. Joseph’s Farm of the Diocese of Meki works according to the principles of permaculture in a self-catering farm with additional income – holistically – from water (deep well with solar pump) to soil culture, compost, reforestation, the edible garden and food processing. Here all contributors are allowed to learn from mistakes. The gained know-how is passed on in the most different projects to the population in the communities as well as the healthy food via issuing office / farm shop. The Indian sisters of the diocese take care of the kindergarden teachers and students, the Spanish sister Maria and her team train apprentices in various professions and draw numerous projects for women and girls, including the dairy goat project: Culturally, people keep as many meat goats as possible – what counts as a status symbol for wealth. However, this grazing areas are overstretched, eaten the already quilted land completely bald and the animals are still not sufficiently nourished. From now on, women and girls will receive courses in dairy herd breeding, feeding, milking and milk processing, training them to become experts in healthy milk production. The project was developed together with the women and is therefore well received and also passed on. It improves the nutritional situation of families, especially for babies, whose chances of survival with healthy goat milk increases significantly. In the women’s training center „Kidist Mariam Center“ milk and goat cheese is sold in a further step, which ensures the women an additional income. The „donkey project“ also greatly strengthens women and girls and reduces their workload. „In addition to the donkeys and the carts, goats, sheep and fruit trees are also given to the women,“ informs the education representative of Caritas Foreign Aid Michael Zündel. On the one hand, women are encouraged to save in the 28 Savings and Internal Lending Communities (SILC), on the other hand, to receive micro-loans, which they invest in their children’s school supplies and in the purchase of additional animals and plants for their small farm. They are also trained in afforestation, composting, water saving measures, permaculture and in setting up their own small businesses. Young men learn to make donkey carts and find jobs.

The Bushulo Health Center of Hawassa (BHC), funded by the Vorarlberg Caritas Foreign Aid and the Austrian Development Agency (ADA), initiated the „Safe Motherhood Program“ ten years ago, which has continued to evolve since. Outpatient services were provided 24 hours a day, 7 days a week. Now BHC is being completely renewed, creating the first solar-powered „social and health center for mother and child“ in southern Ethiopia for a catchment area of ​​17 million people. The new building is already @work. With state-of-the-art water, wastewater and energy supply systems, the 80-bed health institute is emerging as a best-practice model in maternal and child health in Ethiopia. General treatments, outpatient and emergency services, health education and nutrition programs are also offered. It also provides research and training opportunities for Ethiopian doctors, midwives and nurses.

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