Zwischenwasser/Vorarlberg – Es geht um gesunden und ausreichenden Wohlstand für ALLE beziehungsweise um eine Wirtschaftsethik, die niemanden ausgrenzt. Zwei Schlüsselsätze haben den Theologen, BHS-Lehrer und Energetik-Coach Hubert Feurstein im März 2012 bewogen, mit seiner Frau und zwei befreundeten Paaren den stetig wachsenden Verein „Konsumentensolidarität JETZT“ ins Leben zu rufen. Alt-Bischof Erwin Kräutler: „Was ist das für eine Wirtschaft, die Milliarden von Menschen ausgrenzt? Ist das überhaupt Wirtschaft?“ Zudem treibt dieses auf die Konsum- und Wegwerfgesellschaft ausgerichtete System den tödlichen Klimawandel an und verbraucht heute die Ressourcen unserer Nachkommen.

Von Verena Daum (der Artikel ist im Rahmen des VN-Klimaschutzpreises 2018 am 5. April 2018 in den Vorarlberger Nachrichten erschienen)

Der zweite Schlüsselsatz, den Hubert Feurstein ständig zu hören bekam: „Da kann man nichts machen.“ Das war die Initialzündung zum Handeln. „Als strategisches Ziel haben wir den ,Aufbau einer Solidargemeinschaft zur Förderung einer gerechten, sozialen und ökologischen Wirtschaft durch bewussten Konsum’ definiert“, informiert Feurstein. „Wir wollen unsere imperiale Lebensweise (Ulrich Brand) in eine nachhaltige umgestalten. Dies betrifft sämtliche Konsum- und Lebensbereiche.“

Befreiung vom Überfluss

Die „Postwachstumsökonomie“ von Niko Paech, biete hierfür eine hilfreiche Struktur: Einen Großteil unseres Konsums könnten wir zugunsten von mehr Lebensqualität einfach weglassen. Niko Paech nennt das „Befreiung vom Überfluss“ und spricht von Genügsamkeit, von Suffizienz. Mit Subsistenz meint er souveräne Selbstversorgung. Soll heißen: „Wir beginnen wieder verschiedene Dinge selber zu machen, gemeinsam zu nutzen, gemeinsam zu reparieren, manches zu tauschen. Beispiele sind die Vorarlberger Talentetauschkreise und Repaircafés. Bei der dritten Schiene geht es um Produkte, die regional, ökologisch und fair in kleinen wirtschaftlichen Einheiten produziert und verkauft werden: Lebensmittel, Kleidung, Ökostrom aus der eigenen Photovoltaikanlage, Waschmittel, Naturkosmetik, Möbel, nahezu alles. Auch Regionalwährungen wie der V-Taler, sowie Crowdfunding als Finanzierungsform dienen der Regionalökonomie. Viele Firmen dieser Art sind Mitglied in unserem Verein und schaffen bei uns Arbeitsplätze. Bleibt noch die vierte Schiene, auf der das Wirtschaften in großen Einheiten durchaus Sinn macht: etwa in der Telekommunikation, bei öffentlichen Verkehrsmitteln, Hightech Produkten u.v.a. Da muss allerdings die ,Geplante Obsoleszenz‘ – das strategisch geplante frühe Wegwerfen eines Produkts – als Prinzip unserer globalisierten Wirtschaft überwunden werden!“

„The green lie“ durchschauen

Sein persönliches Motto „bei sich beginnen“ setzt Feurstein in seinem Verein in drei Schritten um: „Informieren, bewusst konsumieren und sich solidarisieren. Klingt einfach, ist es aber nicht. Wir sehen uns einer gigantischen, hoch dotierten Maschinerie gegenüber, die an Suggestion interessiert ist – mit mehr als 5000 Werbebotschaften täglich. Der aktuelle Film THE GREEN LIE führt uns drastisch vor Augen, wie sich große Konzerne als regional und nachhaltig gebärden, obwohl das mit der praktizierten Realität so gut wie nichts zu tun hat. Mit diesen gewonnenen Erkenntnissen konsumieren wir nun bewusst und stellen unsere Lebensweise entsprechend um. Unsere Solidarität braucht es, damit der Veränderungsprozess gelingen kann. Jetzt aktiv zu werden ist sicher die größte Anfangsschwierigkeit, denn Man weiß, dass es viel Arbeit bedeutet. Unser Projekt haben wir bis 2021 angelegt.“ Seit der Gründung ist viel passiert: „Viele Workshops und 17 Foren gab es bereits, bei denen ökologisch-sozial und gerecht wirtschaftende Firmen vorgestellt wurden. Interessierte erhielten bei Betriebsbesichtigungen direkten Einblick. Unsere Homepage www.consolnow.org beinhaltet den ,Regionalen Konsumkodex‘, ein Verzeichnis mit nachhaltigen regionalen Beschaffungsquellen und Konsumtipps. Wir haben bereits 173 Mitglieder, 24 davon sind Vorarlberger Firmen und Organisationen. Bis 2021 soll die Solidargemeinschaft kräftig wachsen und vierstellig werden.“

Menschenrecht Mutter Erde

„In der Vorarlberger Plattform für Menschenrechte sind wir mit über 40 Organisationen vernetzt“, informiert Feurstein in Sachen Veranstaltungen. „Jeweils um den 10. Dezember begehen wir seit vier Jahren den Vorarlberger Tag der Menschenrechte. Zum Internationalen Tag der Mutter Erde veranstalten wir mit der Fachhochschule, dem Naturschutzbund und sechs weiteren Vorarlberger Organisationen jährlich einen Empfang mit jeweils einem wissenschaftlich fundierten Referat im Zentrum. Am 19. April 2018 ist Univ. Prof. Ing. Dr. Verena Winiwarter zu Gast. Sie wird zur Frage sprechen, was die Umweltgeschichte für den Umgang mit dem Klimawandel leisten kann.“

INFO: Empfang und Vortrag zum Tag der Mutter Erde am 19. April 2018 um 19 Uhr in der FHV (www.consolnow.org). Anmelden unter: www.veranstaltungen.fhv.at