Zum Welttierschutztag sind sieben Tierschutzpreisträger von den Vorarlberger Nachrichten und dem Land Vorarlberg ausgezeichnet worden: „Im Jahr 2012 ging es dem damaligen Tierschutzombudsmann Pius Fink, dem ehemaligen Landesrat Erich Schwärzler und mir als damals VN-Chefredakteurin um einen positiven Zugang zum Thema Tierschutz und Tierwohl, darum, einen Tierschutzpreis für Tierliebende zu installieren, der Vorbilder für ihren Einsatz für Tierhilfe und Tierwohl vorstellt und entsprechend Bewusstsein schafft. Der aufzeigt, wie Tierliebe gelebt werden kann, wie gut das tut und wie die Feststellung ,Tierwohl ist Menschenwohl‘ zusammenhängt“, informiert VN-Tierschutzpreis-Initiatorin Verena Daum. 2021 ist der Tierschutzpreis, der nun alle zwei Jahre vergeben wird, zum achten Mal überreicht worden.

Von Verena Daum (www.progression.at, der Bericht ist am 4.10.2021 in den Vorarlberger Nachrichten erschienen)

„Dem Tierwohl kommt in der Vorarlberger Landwirtschaft ein hoher Stellenwert zu: So haben die von den Tierhaltenden täglich mit großem Verantwortungsbewusstsein betreuten Tiere eine klare Identität. Und zwar nicht nur in Form einer Ohrmarke, sondern auch durch einen Namen“, betont Landesrat Christian Gantner. „Mit dem Vorarlberger Tierschutzpreis werden stellvertretend für viele vorbildlich Tierhaltende die Leistungen im Bereich der beispielhaften beruflichen und ehrenamtlichen Betreuung von Tieren speziell ausgezeichnet und vor den Vorhang geholt. Klar ist auch: Jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel für Qualitätsprodukte aus der Region sowie eine flächendeckende, tierhaltende und zukunftsorientierte Landwirtschaft. Regionale Lebensmittel schützen das Klima, sichern Wertschöpfung und Arbeitsplätze für unsere Talschaften und fördern das Tierwohl.“

Welche drei Kriterien von den Einreichenden erfüllt werden müssen, erläutert noch einmal die Vorarlberger Tierschutzombudsfrau Karin Keckeis als Jury-Vorsitzende: „Es geht um besonders tierfreundliche Haltung beziehungsweise besonders tierfreundlicher Umgang mit Tieren mit Vorbildwirkung oder um besonderes Engagement für Tiere mit Vorbildwirkung. Weiters ist die nachhaltige Wirkung der Leistung, des Projekts oder der Initiative/Aktivität maßgeblich. Im professionellen wie auch im privaten Bereich muss das Engagement über die tierschutzrechtlichen Mindestanforderungen der Tierhaltung hinausgehen.“ Nach diesen Kriterien traf die Jury eine Vorauswahl und diese Einreicher wurden dann vor Ort besucht. „Die Bewerbungen hinsichtlich Tierarten und Haltungszweck waren sehr vielfältig, auch die Nutzung von Tieren zeigte sich in vielen Formen, ob als Glied in der Nahrungsmittelkette bis hin zum Marketing-Instrument. Zentral für die Bewertung durch die Jury war hier bei der Nutzung auch, inwieweit das Tier selbst dabei profitiert, sowie die Einstellung sowohl der Bewerber mit Heimtierhaltung und/oder Umgang mit Wildtieren als auch von Bewerbern mit Nutztierhaltung. Dies wurde genau geprüft. Als sensibler Tierhalter gilt es, immer wieder neue Erkenntnisse zugunsten der Tiere zu lassen und offen für den Blick von außen zu sein“, betont Karin Keckeis, für die der Tierschutzpreis bedeutet, Menschen für ihr Engagement um den Schutz und das Wohlbefinden von Tieren hervorzuheben. Die nächsten VN-Tierschutzpreise, zu denen man sich gerne jetzt schon bei der Tierschutzombudsstelle anmelden kann, werden zum Welttierschutztag 2023 vergeben.

Die Tierschutzpreisträger 2021

Vorbildliches Engagement für Wild- und Kleintiere sowie Tiere in der Landwirtschaft: Gemeinsam mit dem Land Vorarlberg haben die Vorarlberger Nachrichten auch heuer wieder Tierfreunde aufgerufen, ihr Engagement fürs Tierwohl bei der Tierschutzombudsstelle für den Tierschutzpreis 2021 einzureichen. Dieser Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Die Jury unter Leitung der Tierschutzombudsfrau Karin Keckeis mit Veterinär Bernhard Zainer (Umweltinstitut/Lebensmittelsicherung), den ehemaligen Tierschutzpreisträgern und Landwirten Kaspar Kohler und Elmar Weissenbach, dem Landesveterinär Norbert Greber und VN-Tierschutzpreis-Initiatorin Verena Daum, hat anstatt wie vorgesehen fünf, schlussendlich sieben Preisträger auserkoren, die wir hier vorstellen:

Simon und Günther Breuß, Übersaxen:

Der Hof wurde von einem Milchkuhanbindestall umgebaut in einen Laufstall für Mutterkühe sowie Ziegenstall mit großzügigem hellen Fress- und Liegebereich mit Abkalbebox. Auslauf erhalten die Mutterkühe in hofnaher Weide (Bündt), auf der Alpe und Maisäß. Im Sommer werden Mastschweine gehalten, sie haben eine feine Dusche, viel Stroh, viel Platz und abwechslungsreiches Beschäftigungsmaterial. Seit 2020 gesellen sich Ziegen im Stall- und im Sommer in Weidehaltung/Alpung dazu. Das Fleisch wird regional vermarktet und das Bemühen fürs Tierwohl und Weiterbildung ist groß.

Bei Familie Breuß in Übersaxen durften die Zwillinge Shania Jolene und Noah Balian die Schweine füttern.

Eulenhilfe Vorarlberg:

„Unser Ziel ist es, die stark gefährdeten Arten zu unterstützen und Nistmöglichkeiten zu schaffen, um die Arterhaltung zu sichern“, heißt es auf der Website. Die Jury sagt: Seit vielen Jahren sind einzelne Personen mit aufwändigem persönlichem Einsatz aktiv, übernehmen verletzte Greifvögel von hilfesuchenden Bürgern, Wildtierhilfe und Wildtierrettung, bereiten diese mit viel Geduld und Kompetenz wieder auf ein Leben in Freiheit vor. Kameras überwachen Pfleglinge, artgerechte Fütterung, Auswilderung unter Einsatz bestmöglicher anerkannter Methoden.“ www.eulen.help

Selina Pinkelnig und Julian Breuß, Rankweil:

Hier geht es um artgerechte Kaninchen- und Hühnerhaltung und Freikaufen von Kaninchen aus Heimtierkäfighaltung, Unterbringung in kombinierter Außen-/Innenhaltung mit großem Auslauf, Vermittlung von Kaninchen (kastriert), Beratung und Aufklärung von (angehenden) Kaninchenhaltern über die Arbeit und den Aufwand einer artgerechten Haltung von Kaninchen im persönlichen Kontakt, Bildungsarbeit mit Volksschulklassen über das Leben und Verhalten von Hühnern, von der Entwicklung im Ei bis zum Unterschied von Hahn und Henne. Großartiges Engagement.

Stefanie Ludescher, Meiningen:

Artgerechte Nager- und Kaninchenhaltung: Übernahme von Degus aus schlechter Haltung, teils „Senioren“ oder kranke Tiere, die aufwändig gepflegt werden und in reichlich strukturierter und großzügiger Haltungsumgebung ihren Lebensabend verbringen dürfen, artgerechtes und qualitativ hochwertiges Futterangebot (frische Wiese, Heu, vielfältiges Futter von spezialisierten Händlern), Beratung zu artgerechter Haltung im beruflichen Umfeld, aber v.a. auch im privaten Umfeld werden Menschen ehrenamtlich beraten und ihnen vorgeführt, wie artgerechte Degu- und Kaninchenhaltung funktioniert.

Familie Kühne, Lisilis Biohof, Meiningen:

Hier beginnt die Kreislaufwirtschaft bei der muttergebundenen Kälberaufzucht, die Kälber laufen mit den Kühen in der Herde mit, es wird mit Tiefstreusystem gearbeitet, es gibt den Kälberschlupf als Rückzugsort, permanenten Auslauf, die natürliche Bindung zwischen Kuh und Kalb sowie natürliches Erlernen sozialkompetenten Verhaltens, das Jungvieh wird gealpt. Es wird kein Grund- und Kraftfutter zugekauft! Es gibt Dauergrünland, Ackerfruchtfolgeflächen sowie Streue- und Schilfflächen. Biovielfalt findet sich in Gemüsesorten, in der Tierhaltung und in der sorgsamen Veredelung der Produkte wieder. Es gibt die Biokiste und den Hofladen zum Einkaufen. www.lisilis.at

Familie Annemarie und Jakob Meusburger, Hilkaterhof Bizau:

Der Milchrinder-Vollerwerbsbetrieb hat den Kuhbestand für mehr Komfort und Aufmerksamkeit für das einzelne Tier reduziert. Familie Meusburger betreibt aus Überzeugung Mutterkuhhaltung, jedes Kälbchen bekommt einen Namen, die weiblichen bleiben lebenslang am Hof, die männlichen werden sechs Wochen lang mit Muttermilch aufgezogen und in Vorarlberger Partnerbetrieben weiter gemästet. Es gibt keinen Futterzukauf und das angewärmte Trinkwasser lieben die Tiere. Eine Kreislaufwirtschaft nach dem Motto „weniger ist mehr“. www.hilkater.at

Familie Monika und Armin Ebenhoch, BurPur Röthis:

Hier wird Landwirtschaft begreifbar und „anfassbar“ gemacht. Das Mit- und Füreinander zwischen Mensch-Tier und Tier-Tier steht im Vordergrund. Artgerechte Haltung im Stallneubau mit gutem Stallklima, in welchem Schweine, Kälber, Ochsen, Ziegen untergebracht sind, wird großgeschrieben. Die Verhaltensfunktionskreise der verschiedenen Tiere werden auch außerhalb der Weidezeit berücksichtigt. Ein Teil der Flächen wird dauerbeweidet. Die extensive Dauergrünlandbewirtschaftung bringt hofeigenes Grundfutter.

VN-Bericht zu den TierschutzpreisträgerInnen 2021, erschienen am 4.10.2021 in den Vorarlberger Nachrichten.