Washington, Moskau – Als cleverer Unternehmer werde Donald Trump seine neue Verantwortung (auch nach dem Hüftschuss auf Syrien) bald verstanden haben, wie auch die Tatsache, dass das unipolare Weltherrschaftsmodell des transatlantischen Hegemons am Ende sei, gibt sich der russische Präsident Wladimir Putin noch zuversichtlich. Am 12. Juni wird über Showtime die Doku „Interviews mit Putin“ des Hollywood-Regisseurs Oliver Stone ausgestrahlt, der dem amerikanischen Volk und der ganzen Welt „die vernünftige Sichtweise und Haltung des russischen Präsidenten“ für Wirtschaftszusammenarbeit und Friedenssicherung näherbringen will. Aller aufgeblasenen anti-russischen Medien-Hysterie zum Trotz sprachen Russland (Lawrow) und die USA (Trump) miteinander und versuchen eine kooperative Verständigung zustande zu bringen. Das Imperium schlägt sogleich panisch zurück per aufgeregtem Medien-Hype in Richtung „Amtsenthebungsverfahren“. Ganz im Sinne seines Präsidenten betonte Sergej Lawrow bereits Anfang des Jahres in München: „Es ist höchst an der Zeit, das gescheiterte imperiale Herrschaftsmodell des Westens zu beenden und gemeinsam eine neue multipolare Weltordnung zum Wohl aller Menschen und aller Völker zu schaffen.“

Von Verena Daum

Der unerträglich aufgeblasene und zutiefst widerliche Medien-Hype zum Treffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit dem US-Präsidenten Donald Trump ist dermaßen dumm-gefährlich, dass es nur noch weh tut. Er macht deutlich, dass der anglophone Hegemon als Kriegstreiber eine US-russische Kooperation gegen den entfesselten „Daesh“ oder „Islamischen Staat“ etc., bei dem es sich bekanntlich um ursprünglich von den USA und Saudi Arabien ausgebildete und für deren Regime-Change-Wars eingesetzte Terrormilizen handelt, mit allen Mitteln zu verhindern sucht. Der transatlantische Monopolkapital-Kriegskomplex und seine unipolare New World Order ist am Ende, betonen Lawrow und Putin: „Wir haben heute eine unbegrenzte, hypertrophierte militärische Gewaltanwendung in den internationalen Beziehungen mit einer Sturmflut aufeinanderfolgender Konflikte.“

Putin: „Es ist inzwischen zu beobachten, dass sich das Gleichgewicht in der Welt allmählich wiederherstellt“

Das Völkerrecht werde von den USA und der NATO mit Füßen getreten. Die USA haben die Grenzen in allen Sphären überschritten. An den Folgen sterben heute weit mehr Menschen, als in allen vorhergehenden Kriegen zusammen. „Dieses monopolare Modell ist gescheitert und wir können beobachten, dass sich das Gleichgewicht in der Welt allmählich wiederherstellt“, sagt Putin. Von seinem Amtskollegen Donald Trump erwartet Putin, dass dieser als Unternehmer sein neues Maß an Verantwortung bald verstanden haben wird und dieser Verantwortung gerecht werden wird. „Wir greifen niemanden an“, macht Putin deutlich, dass Aggression zu keiner Zeit von Russland ausging. „Wir mischen uns nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Und es ist dumm, Russland anzugreifen. Wir sind in der Lage unser Recht auf Existenz zu verteidigen und kein Land der Welt ist fähig, sich das russische Volk zu unterwerfen“, macht Putin klar.

In München unterstrich Sergej Lawrow das Anliegen seine Präsidenten: „Es ist höchst an der Zeit, gemeinsam eine neue multipolare Weltordnung unter Aufsicht einer wiedererstarkten UNO zu schaffen, kooperative und konstruktive Wirtschaftsbeziehungen mit allen Partnern für globale Sicherheit und zum Wohle aller Menschen und aller Völker.“ Im Klartext soll das heißen, ohne provozierende Schuldzuweisungen den entfesselten und unkontrollierbar gewordenen Terror gemeinsam zu bekämpfen und Kriege um Ressourcen und Vorherrschaft zu beenden und stattdessen in partnerschaftlicher Verständigung die globalen Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Die toxisch-tödliche Spirale stoppen zugunsten einer gesunden Prosperität.

Faire und partnerschaftliche Wirtschaftszusammenarbeit ist Garant für globale Sicherheit

Rückblende: Die aggressive US/NATO-Osterweiterung fand 2014 mit der Ukraine-Krise ihren Höhepunkt und brachte uns an den Rand des Dritten Weltkriegs. Wäre da nicht die immer wieder diplomatische Besonnenheit Russlands. Die völker- und menschenrechtswidrigen Sanktionen des Westens gegen Russland haben allein 2015 für Europa laut Wifo einen wirtschaftlichen Schaden von 17,6 Milliarden Euro verursacht und 400.000 Jobs gekostet. Wegen dieses dummen Handelskriegs verringerte sich die österreichische Wirtschaftsleistung um 550 Millionen Euro und kostete 7000 Arbeitsplätze. Die österreichischen Exporte sind von 2014 auf 2015 um 40 Prozent eingebrochen. Und dieser Sanktions-Irrsinn ging immer wieder in die Verlängerung – bis Juli 2017. Man wagt es kaum zu hoffen, dass in der EU-Politik doch noch gesunder Menschenverstand Einzug hält.

Oscar-Preisträger Oliver Stone: „Es ist wichtig, dem russischen Präsidenten zuzuhören und ihn zu verstehen“

Vier Interviews mit Wladimir Putin zeigt Oliver Stone ab 12. Juni 2017 via Showtime.

Nichts desto trotz hält Wladimir Putin an seinen Kooperationsbemühungen fest, was Oliver Stone sehr beeindruckt hat. Als 2015 George Friedman (Stratfor) öffentlich das Konzept der weltweiten US-Destabilsierungskriege zur Verhinderung einer deutsch-russischen (eurasischen) Wirtschaftskraft sowie zur globalen Ressourcenkontrolle und Machterhalt erläuterte, brachte Oliver Stone seine geschichtliche Dokumentarfilmserie und das gleichlautende Buch „The Untold History of the United States“ heraus. Im Zuge der Drehvorbereitungen für seinen Film „Snowden“ war Stone mehrmals zu Gast in Russland und es kam zu vier Gesprächsterminen mit dem Präsidenten, bei denen Stone Putin persönliche und geopolitische Fragen stellen konnte. „Weil Herr Putin eines der wichtigsten Regierungsoberhäupter der Welt ist, haben ihn die USA zum großen Feind erklärt. Es ist wichtig, dass wir – das amerikanische Volk – hört, was er zu sagen hat. Seine Sicht der Dinge, in der Hoffnung, in Zukunft so weitreichende Missverständnisse und gefährliche Situationen am Rande des Krieges zu vermeiden“, sagt Stone. Der Film „Interviews mit Putin“ wird ab 12. Juni via Showtime gezeigt.

Trumps Hüftschuss auf Syrien begrub Oliver Stones Hoffnungen auf ein Eindämmen der Amerikanischen Kriege und veranlasste ihn, am 19. April 2017 den folgenden Text auf Facebook zu posten:

So illustrierte Hollywood-Regisseur Oliver Stone seinen Facebook-Post am 19. April 2017

“So It Goes”

I confess I really had hopes for some conscience from Trump about America’s wars, but I was wrong — fooled again! — as I had been by the early Reagan, and less so by Bush 43. Reagan found his mantra with the “evil empire” rhetoric against Russia, which almost kicked off a nuclear war in 1983 — and Bush found his ‘us against the world’ crusade at 9/11, in which of course we’re still mired.

It seems that Trump really has no ‘there’ there, far less a conscience, as he’s taken off the handcuffs on our war machine and turned it over to his glorified Generals — and he’s being praised for it by our ‘liberal’ media who continue to play at war so recklessly. What a tortured bind we’re in. There are intelligent people in Washington/New York, but they’ve lost their minds as they’ve been stampeded into a Syrian-Russian groupthink, a consensus without asking — ‘Who benefits from this latest gas attack?’ Certainly neither Assad nor Putin. The only benefits go to the terrorists who initiated the action to stave off their military defeat. It was a desperate gamble, but it worked because the Western media immediately got behind it with crude propagandizing about murdered babies, etc. No real investigation or time for a UN chemical unit to establish what happened, much less find a motive. Why would Assad do something so stupid when he’s clearly winning the civil war? No, I believe America has decided somewhere, in the crises of the Trump administration, that we will get into this war at any cost, under any circumstances — to, once again, change the secular regime in Syria, which has been, from the Bush era on, one of the top goals — next to Iran — of the neoconservatives. At the very least, we will cut out a chunk of northeastern Syria and call it a State.

Abetted by the Clintonites, they’ve done a wonderful job throwing America into chaos with probes into Russia’s alleged hacking of our election and Trump being their proxy candidate (now clearly disproved by his bombing attack) — and sadly, worst of all in some ways, admitting no memory of the same false flag incident in 2013, for which again Assad was blamed (see Seymour Hersh’s fascinating deconstruction of this US propaganda, ‘London Review of Books’ December 19, 2013, “Whose sarin?”). No memory, no history, no rules — or rather ‘American rules.’

No, this isn’t an accident or a one-off affair. This is the State deliberately misinforming the public through its corporate media and leads us to believe, as Mike Whitney points out in his brilliant analyses, “Will Washington Risk WW3” and “Syria: Where the Rubber Meets the Road,” that something far more sinister waits in the background. Mike Whitney, Robert Parry, and former intelligence officer Phil Giraldi all comment below. It’s well worth 30 minutes of your time to read.

Lastly, I enclose Bruce Cumings’s “Nation” analysis of North Korea, as he again reminds us of the purposes of studying history. Can we wake up before it’s too late? I for one feel like the John Wayne veteran (of war) character in “Fort Apache,” riding with the arrogant Custer-like General (Henry Fonda) to his doom. My country, my country, my heart aches for thee.

Mike Whitney, “Will Washington Risk WW3 to Block and Emerging EU-Russia Superstate,” Counterpunch, http://bit.ly/2oJ9Tpn

Mike Whitney, “Where the Rubber Meets the Road,” Counterpunch, http://bit.ly/2p574zT

Phil Giraldi, “A World in Turmoil, Thank You Mr. Trump!” Information Clearing House, http://bit.ly/2oSCGrW

Robert Parry, “Did Al Qaeda Fool the White House Again?” Consortiumnews, http://bit.ly/2nN88c0

Robert Parry, “Neocons Have Trump on His Knees,” Consortiumnews, http://bit.ly/2oZ5GyN

Robert Parry, “Trump’s Wag the Dog Moment,” Consortiumnews, http://bit.ly/2okwZTE

Robert Parry, “Mainstream Media as Arbiters of Truth,” Consortiumnews, http://bit.ly/2oSDo8A

Mike Whitney, “Blood in the Water: the Trump Revolution Ends in a Whimper,” Counterpunch, http://bit.ly/2oSDEo4

Bruce Cumings, “This is What’s Really Behind North Korea’s Nuclear Provocations,” The Nation, http://bit.ly/2nUEroH

https://www.facebook.com/TheOliverStone/posts/1500289493328678

Me, Myself and Media 34 – Die Büchse der Pandora ist scharf