Weltweit entwickeln sich regionale ökologisch-soziale Solidargemeinschaften, Energie- und Agrar-Genossenschaften, Wohn/Arbeits/Lebensraum-Entwicklungs-Gruppen, Urban-Farming-Initiativen, Gemeinschaftsgärten u. v. m. als gesamt gesehen global wirksame gesunde Alternative zum herrschenden System des zerstörerischen neoliberalen Finanzkapitalismus. Diese Solidarökonomie-Bewegungen haben in erster Linie die gesunde Ernährungssicherung durch kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zum Ziel, als Basis für alle Lebensbereiche.

Von Verena Daum

Entstanden ist diese regionale Zusammenarbeit der Bevölkerung ursprünglich aus Not und Krisen heraus – etwa auf Kuba, in Brasilien und weiten Teilen Lateinamerikas. Purer instinktiver Überlebenskampf. Das ist heute nicht anders, jedoch kommt das Naturbewusstsein dazu. So formieren und engagieren sich inzwischen auch bei uns in Europa viele BürgerInnen im Sinne des Allgemeinwohles und für mehr Lebensqualität – entsprechender Know-how-Transfer findet seit einigen Jahren auch nach Afrika statt. So bildet sich aus den Regionen heraus eine den jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasste globale Solidargemeinschaft.

Bedarfsorientiertes ökologisch-soziales Wirtschaften ist die Zukunft

Angesichts des Weltwirtschaftskrieges, des Waffenhandels, der rücksichtslosen Ausbeutung von Mensch und Natur, der Naturzerstörung, des Klimawandels, der rasant voranschreitenden Verelendung eines Großteils der Weltbevölkerung, des Welthungers und der Flüchtlingsströme besinnen sich die Menschen in ihrem Umfeld seit langem und immer mehr auf eine zukunftsfähige Entwicklung in den überlebenswichtigen Bereichen gesunde Ernährung und regionale kleinstrukturierte Landwirtschaft, auf Abfallvermeidung bzw. die Nutzung von Abfällen als Rohstoff, auf Recycling, den Umstieg auf erneuerbare und sichere Energien, auf ökologische Kreisläufe auch in der Forschung – auf ein Leben im Einklang mit der Natur. Bedarfsorientiert auf die jeweilige Region zugeschnitten sind die Eckpfeiler „Kooperation statt Konfrontation“, „Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“, „ökologisch-soziale Wirtschaftlichkeit“ und die „Solidarität mit der Gesellschaft bzw. Gemeinwohlorientierung“.

Naturbewusstsein und Beziehungsfähigkeit kultivieren und leben

In fast allen Regionen der Welt – auch immer mehr bei uns im Bodenseeraum – setzen sich regionale Solidargemeinschaften für eine gentechnik- sowie hormon- und pestizid-freie Landwirtschaft ein, für lebendige Bodenkultur, für Arten- und Sortenvielfalt, für das Erinnern an und die Weitergabe von altem Wissen im Lebensmittelanbau, in der Tierhaltung, in der Veredelung und Zubereitung von Nahrungsmitteln. Naturbewusste Menschen errichten miteinander Gemeinschaftsgärten, entwickeln gemeinsam Wohn-Arbeits-Lebens-Räume mit entsprechend zukunftsweisender Infrastruktur, beteiligen sich bewusst und aktiv an der Ressourcen- und Energiewende, erhalten die Natur als Lebensgrundlage und schützen somit auch das Klima – sie kultivieren und leben Empathie, die uns angeborene Beziehungsfähigkeit.

Ethisches Wirtschaften aus der Zivilgesellschaft heraus

Diese weltweit wachsende Solidarökonomie in regionalen Gemeinschaften gründet strukturell auf eher genossenschaftlicher und produktiv auf naturkreislaufwirtschaftlicher Basis – und die Erfolge zeigen beeindruckend auf, dass qualitative Sprünge binnen weniger Jahre möglich sind in Sachen Gesundheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität. In meinem kürzlich gehaltenen Vortrag (http://www.progression.at/zivilcourage-veraendert-die-welt/) habe ich sehr deutlich darauf hingewiesen, dass WIR – jeder Einzelne von uns – diese u. a. von Jean Ziegler, Erwin Kräutler, Papst Franziskus oder dem Dalai Lama immer wieder hoffnungsvoll beschworene „Kraft der Zivilgesellschaft“ sind, die die Globalisierungsentwicklung aus den Regionen heraus als solidarische Weltgemeinschaft ins Positive verändern kann.

Auf den Spuren von Vandana Shiva und Ibrahim Abouleish

Die beiden Träger des Alternativen Nobelpreises sind Leuchtturmbeispiele dafür, da sie eindrucksvoll aufzeigen, wie einerseits unsere Natur zu schützen und zu erhalten funktioniert und wie gleichzeitig die biologische kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft die Weltbevölkerung problemlos gesund ernähren kann. Abouleish bringt „Wüste zum Blühen“. Soll heißen, dass wir das, was wir bisher verwüstet haben, wieder zum Blühen bringen, zum Leben erwecken können. Sein Projekt Sekem (www.sekem.com) ist heute Marktführer in der biologischen Landwirtschaft und für pflanzliche Heilmittel in Ägypten. Ibrahim Abouleish setzte von Anfang an auf Bodenkultivierung im krassen Gegensatz zu den agro-chemisch-industriellen und ausschließlich profit- und machtorientierten Killer-Methoden von Monsanto & Co. und deren Gen-Manipulation und Pestizid-Verseuchung. Anstatt den Boden (mitsamt Nahrungskette) zu vergiften, auszulaugen und zur Wüste zu machen, ging der engagierte Wissenschaftler den umgekehrten Weg und erweckt Mikro-Organismen zum Leben und macht mittels natürlicher Kompostierung den Boden fruchtbar.

Beenden wir das Verwüsten unserer Welt und wenden wir uns dem Leben zu

Die fünf Punkte des Sekem-Impulses lauten: Wüsten und Verwüstungen breiten sich weltweit aus und vernichten das Leben von Mensch und Natur; Verwüstungen sind auch ein äußeres Bild für die Austrocknung von Existenz im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben; Wüste ist aber auch ein Ort der Klarheit und des Neubeginns für Zukünftiges; eine Verwandlungsperspektive von Wüste ist ein Garten, wo die Pflege-Kunst vielfältiges Leben zur Erscheinung kommen lässt; auf dem Weg dahin gilt es, Wüsten jeglicher Art aufzuspüren, darin Brunnen zu bauen, Begrünung, Verlebendigung und neue Existenz zu ermöglichen. Der Sekem-Impuls will in diesem Sinne Verwüstungen und Wüste verwandeln und zu einer gesunden Entwicklung des Wirtschafts-, Kultur- und Soziallebens beitragen und die „Koalition des Weltfriedens“ durch Begegnungen stärken. Dass ethische, ganzheitliche und fachliche Bildung der wichtigste Rohstoff der Zukunft ist, zeigt der Erfolg Abouleish’s „Wirtschaft der Empathie“, sein Geschäftsmodell für das 21. Jahrhundert, in dem wirtschaftlicher Erfolg in die soziale und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft integriert ist – ganz selbstverständlich in lebenden Ökosystemen und Kreisläufen.

Eine Marktwirtschaft ohne ausbeuterischen Kapitalismus ermöglichen

Dazu hier ein Auszug aus Christoph Strawes Ausführungen „Fairer Handel und die Notwendigkeit einer solidarischen Ökonomie im Zeitalter der Globalisierung“ (http://www.sozialimpulse.de/fileadmin/sozialimpulse/pdf/Solidarische_Oekonomie.pdf), um eine Marktwirtschaft ohne ausbeuterischen Kapitalismus zu ermöglichen:

In Deutschland gilt heute vielen die Situation auf dem Energiemarkt, wo die Liberalisierung mitnichten zu einer Verbilligung geführt hat, als Beweis für das Versagen des Marktes und als Begründung für die Forderung nach einer strengeren strafbewehrten Kartellgesetzgebung, die striktere Genehmigungsregeln für Fusionen einschließt. Auch ruft man nach einer Verschärfung der Verbraucherschutzgesetzgebung als Gegengewicht gegen manipulative Werbung und Umgehung von Grenzwerten für Schadstoffe u.ä. Durch Ökosteuern, Abgaben oder Umweltauflagen müsse man ökologisch schädlichen Wirkungen der Ökonomie beikommen. Das würde natürlich verschärfte Kontrollen erfordern, wogegen wiederum das Argument angeführt wird, dies sei ein erster Schritt in planwirtschaftliche Verhältnisse, die niemand wünschen könne.
Die Gegenthese, die seit Ende der 80er Jahre die Oberhand gewann, lautet: Eine Überregulierung durch den Staat habe die Marktkräfte gefesselt („Staatsversagen“), Deregulierung liege daher im Interesse des Gemeinwohls. Marktmacht sei nur ein vorübergehendes Phänomen, dem man durch Sicherstellung der Wirksamkeit der Konkurrenz begegnen müsse. Eine Überdehnung des Verbraucherschutzes führe zur Bevormundung des Verbrauchers. Gegen Rückwirkungen des Marktgesche- hens auf die Natur sei marktwirtschaftlich vorzugehen, indem zusätzliche Märkte geschaffen werden (Beispiel: Handel mit Emissionszertifikaten).
Ausbruch aus dem Zirkel falscher Alternativen
Alle diese Debatten bewegen sich im Spannungsfeld von Staat und Markt. „Weniger Staat, mehr Markt“ rufen die einen, „weniger Markt, mehr Staat“ die anderen. Aber ist das nicht eine Scheinalternative, die darüber hinwegsieht, dass zuallererst die ökonomischen Akteure gefragt wären, wenn es darum geht, die Ökonomie sozial und solidarisch zu machen? Denn Solidarität ist eine Verhaltensweise, die sich nur in der Gestaltung ökonomischer Prozesse von innen, durch die beteiligten Menschen, entwickeln kann. Modelle, die davon geprägt sind, dass der Beobachterstatus nicht verlassen, d.h. die Ökonomie nur von außen angeschaut wird, bieten keinen Raum für Solidarität. Eine solidarische Ökonomie verträgt sich weder mit der Vormundschaft des Staates – selbst wenn sie in milderen Formen auftritt als in der Planwirtschaft – noch mit der Vormundschaft des Marktes. Das Marktmodell spricht die Ökonomie im Grunde frei von sozialer Verantwortung. Es wird ein Menschenbild kultiviert, das dem wirklichen Menschen nicht entspricht. Der Mensch hat eben nicht ausschließlich egoistische Neigungen, er zeigt auch immer wieder das Bestreben, seine Fähigkeiten einzubringen, um gute Leistungen für andere zu erzielen. Weil das Marktmodell diese Seite ausblendet, stachelt es den Egoismus geradezu an. Es spricht im Grunde dem Menschen die Entwicklungsmöglichkeit der Sozialfähigkeit ab.
Dass die Globalisierung heute so problematische Formen annimmt, hängt mit diesem „neoliberalen“ Paradigma zusammen
Beseitigung aller Handelshemmnisse, Deregulierung der Finanzmärkte usw. lautet das Credo der „Trinity“ von Internationalem Währungsfonds (IWF), Weltbank und Welthandelsorganisation WTO. Der IWF mit seiner „Strukturanpassungsprogrammen“ und die WTO mit ihrer Tendenz, einen marktfundamentalistischen Freihandelsansatz auf die Landwirtschaft, nahezu alle Dienstleistungen und sogar auf die lebendige Natur (Patentschutz für Pflanzen) auszudehnen, sind dabei, eine Welt zu schaffen, die der amerikanische Autor Benjamin Barber einmal als „McWorld“ bezeichnet hat und in der alle Versuche, eine Sozialbindung der Wirtschaft zu gewährleisten als Handelshemmnisse ausgehebelt werden können. In der auf diese Art vorangetriebenen Globalisierung funktionieren die klassischen Rezepte gegen das Marktversagen nicht. Beim europäischen Sozialstaatsmodell ist bereits deutlich erkennbar, wie es unter dem Druck der Standortkonkurrenz brüchig wird, jedenfalls solange es nicht gelingt, gegenüber dem globalen Wettbewerb neutrale Formen seiner Finanzierung zu entwickeln. Denn die Nationalstaaten stecken gegenüber den Multis in der „Globalisierungsfalle“.
Wege zu einer solidarischen Ökonomie
Wir brauchen also einen umfassenden Paradigmenwechsel. In welche Richtung er führt, wurde unter der Überschrift Globalisierung und Individualisierung bereits angedeutet. Für die Ökonomie bedeutet er Überwin- dung der unfairen globalen Terms of Trade (Handels- bedingungen), also fairen Handel statt „Freihandel”. Er bedeutet Dominanz des Kooperations- und Verständi- gungsprinzips an Stelle des Konkurrenzprinzips.
Durch Interessenausgleich gemeinsam zu fairen und tragfähigen Lösungen kommen
Christoph Strawe führt weiter aus: (…) In kleinräumigen sozialen Verhältnissen ist der Markt selbst noch ein Ort, wo ein Gespräch stattfindet, das durchaus die Lebenslagen der Beteiligten mit einbezieht. Auch heute kommt das noch vor, wo sich Anbieter und Nachfrager direkt gegenübertreten. Wenn ich z.B. mit einem Schreiner über die Anfertigung eines Schranks verhandele, wird es sowohl um den im Hinblick auf Aufwand und Lebensrealität angemessenen Preis gehen, als auch um Form und Funktion, vielleicht um ökologische Gesichtspunkte bei der Auswahl von Holz und Lack. Der Preis, der auf diese Weise zustande kommt, hat den Charakter eines sozialen Urteils. Das Urteil muss nicht automatisch richtig sein, aber hier besteht zumindest die Chance, zu einem richtigeren Urteil zu kommen. In der Anonymität gibt es diese Chance nicht.

Assoziation als gesellschaftliche Lösung
Der Grundgedanke: Im regionalen Maßstab oder im Maßstab einer ganzen Branche ergibt sich eine solche Situation, die Verstän- digung erlaubt und damit Handlungsräume in Bezug auf die Gestaltung von wirtschaftlichen Verhältnisses eröffnet, nicht von selbst. Vielmehr muss man sie erst herstellen, indem man eine Art runden Tisch zwischen Vertretern der beteiligten Akteure bildet: Produktion und Verarbeitung – Zirkulationsstufen, Handel usw. – Endverbraucher. Solche Organe nennt man Assoziationen, die Wirtschaftsform, die auf der Tätigkeit solcher Organe beruht, nennen wir assoziatives Wirtschaften.
Funktionen von Assoziationen
Assoziationen sind Begegnungsorte. Ohne solche Begegnung kann sich kein Interesse an den Problemen des Wirtschaftspartners entwickeln. Während der Konzern oder gar ein Kartell oder Monopol eine Form der Interessenbündelung darstellt, ist die Assoziation ein Ort des Interessenausgleichs, schon dadurch, dass tendenziell immer alle Beteiligten, so gut es eben möglich ist, einbezogen werden – also nicht nur die Gruppe der Produzenten oder die der Händler oder die der Konsumenten. Natürlich wird zunächst einmal jede Gruppierung ihre Interessen einbringen und artikulieren. Produzenten wollen möglichst teuer verkaufen, Konsumenten möglichst billig kaufen, der Handel will eine möglichst große Spanne haben. Die Begegnung und der Dialog bieten jedoch die Chance, die eigenen Interessen im Hinblick auf die Lebenssituation des anderen zu relativieren und so zu einem Ausgleich der Inter- essen, zu tragfähigen und fairen Lösungen zu kommen. Es ist natürlich ein Unding, diesen Interessenausgleich zwischen allen Partnern einer kartellartigen Interessenverstärkung gleichzusetzen und ihn als „Absprache“ mit der Waffe des Kartellrechts zu unterbinden.
Assoziationen sind Selbstverwaltungsorgane des Wirtschaftslebens, die eine unbürokratische Vernetzung von unten ermöglichen. Sie sollen „Organe der gegenseitigen Ergänzung der wirtschaftlichen Sacherfahrungen, des in der jeweiligen Wirtschaftspraxis erworbenen Realitäts-Gespürs der beteiligten Praxisvertreter (nicht Funktionäre!) sein. So sind die Assoziationen Organe des Erfahrungsaustauschs. Erst die so zusammenklingenden Erfahrungen können die Grundlage sinnvoller Urteile sein, an denen der einzelne sein Verhalten im Hinblick auf dessen Folgen für das Ganze überprüfen kann. Im Wirtschaftlichen zählt nicht das Einzelurteil, sondern die gegenseitige Ergänzung der Urteilskraft. Insofern sind die Assoziationen Organe selbsttätiger Vernunft, in denen „objektiver Gemeinsinn“ (Rudolf Steiner) gepflegt werden kann.“ Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit entsteht dabei auf der Basis der Freiwilligkeit, das heißt durch Verabredungen und Verträge.
Assoziative Wirtschaft: zwischen Planwirtschaft und Marktwirtschaft
Assoziationen setzen den Markt nicht außer Kraft, aber sie ordnen und gestalten ihn. Der Preis, der sich spontan am Markt bildet, wird weder wie in der Planwirtschaft durch politisch gewollte Preise ersetzt und damit als Bewusstseinshilfe ausgeschaltet, noch einfach als letztinstanzliches Urteil des Marktes hingenommen. Vielmehr arbeitet man gemeinsam darauf hin, dass das aus ökonomischen, sozialen und ökologischen Gründen wünschenswerte Preisgefüge entsteht. Assoziationen bieten auch die Möglichkeit, sich vor Dumping und unlauterem Wettbewerb zu schützen, die dort keine Chance haben, wo die entscheidenden Akteure in einer Region sich einig sind. Eine große Bedeutung könnte diese Schutzfunktion z.B. für Länder des Südens zur Abwehr der ihre Märkte zerstörenden Agrarexportsubventionen etwa der USA und der EU haben.
Weltwirtschaft als Organismus von Regionen
Assoziatives Wirtschaften geht von der Realität der Globalisierung aus, jedoch versteht sie – im Gegensatz zum Marktfundamentalismus – die Weltwirtschaft nicht als einen Raum des freien Vagabundierens von Kapital, sondern vielmehr als ein Gefüge, in dem jede einzelne Region ein schützenswerter Lebensort ist. Gerade in der Landwirtschaft, dem Naturpol der Ökonomie ist der Regionalgedanke zentral, wie er gegenwärtig auch von der Regionalgeldbewegung artikuliert wird.Anknüpfen am Bestehenden„ … Assoziationen müssen nicht künstlich neu geschaffen werden, sondern lassen sich auf den verschiedensten Märkten organisieren, wenn die Beteiligten es wollen“, so Harald Spehl (In einem dem Verfasser vorliegenden unveröffentlichten Text. Alle weiteren Zitate sind ebenfalls dort entnommen). Wir finden solche Ansätze vielfach im Bereich der Investitionsgütermärkte, es gibt lokale und regionale Erzeuger-/Verbrauchergemeinschaften und man kann in vielen Bereichen von den heute gegebenen Verhältnissen Entwicklungsmöglichkeiten in Richtung auf assoziative Koordination erkennen, z.B. bei Fair Trade”. Einzelaspekte – eine Absprache über Fördermengen – findet man sogar bei einer Organisation wie der OPEC.
„Eine assoziative Steuerung der Wirtschaft ermöglicht auch, die Forderung, der Staat solle sich aus der Wirtschaft zurückziehen, positiv aufzunehmen: Je mehr die Beteiligten in einer Assoziation in Bezug auf Naturverbrauch, Produktionsbedingungen, Qualität der Waren usw. selber regeln, um so weniger muss dies durch den Staat geschehen. Wesentlich ist, dass die Assoziati- onen kein neues Modell sind. Sie können und dürfen nicht von außen gestaltet oder gar verordnet werden. Damit würde man sich wie beim Marktmodell der wirtschaftlichen Realität gegenüberstellen, wir stehen aber in der wirtschaftlichen Realität und damit ‚in der Retorte‘. Der Ansatz des assoziativen Wirtschaftens ermöglicht es, Entwicklungen zu sehen und zu verstehen, Krisen in ihrer Bedeutung einzuschätzen. Es wird möglich zu fragen, welche Schritte in Richtung einer assoziativen Entwicklung erforderlich sind und auch zu fragen, was man selbst dazu beitragen kann.“
Arbeit ermöglichen, nicht bezahlen
Durch die geschilderten Merkmale wären Assoziationen die Orte, an denen die Selbstversorgungsmentalität, die im Gegensatz zur objektiv arbeitsteilig-altruistischen Ökonomie steht, überwunden werden kann. „Die Assoziation ermöglicht nun, den objektiven Altruismus der Arbeitsteilung auch subjektiv zu erleben. Damit wird nicht mehr die Bezahlung meiner Arbeit, sondern die Leistung für den anderen zum Motiv des Handelns. An die Stelle der Bezahlung der Arbeit tritt die Teilung des Ertrages, der sich aus den Leistungen und den in der Assoziation erzielten Preisen ergibt. Aus der Arbeitsbezahlung wird eine Ertragsteilung.“ Nicht mehr vergangene Arbeit wird bezahlt, sondern die künftige Arbeit wird ermöglicht. Einkommen wird zum Kredit, der es dem einzelnen ermöglicht, seine Fähigkeiten für andere zu entfalten. Das alles geschieht selbstverständlich nicht automatisch. Es geht um Lernorte, an denen eine Entwicklung weg vom „Sinn des Habens“ (Marx) zum Motiv des Gebenwollens gelingen kann. 
Assoziative Wirtschaft braucht neue rechtliche Rahmenbedingungen
Gegenüber der neoliberalen Globalisierung, die einer von Konzernen und Finanzmärkten bestimmten Ökonomie zur gesellschaftlichen Hoheit zu verhelfen droht, gilt es, die Fähigkeit der Demokratie wieder herzustellen, überhaupt der Ökonomie einen rechtlichen Rahmen zu setzen, der verhindert, dass sie der Sozialbindung entgleitet. Das beginnt mit dem Kampf gegen Kinderarbeit und brutalste Formen der Ausbeutung in den Ländern des Südens, endet aber nicht dort, sondern reicht bis zu einer grundlegenden Erneuerung der Rechtsformen, die für die Ökonomie relevant sind: Wer über neue Formen des Eigentums an Unternehmen und an Grund und Boden, wer über eine Reform der Geldordnung nicht sprechen will, der soll über eine neue Ökonomie schweigen. Wenn wir die Arbeitsbezahlung zugunsten einer Arbeitsermöglichung (aus der Teilung des Ertrags) überwinden wollen, dann müssen wir den Zustand überwinden, dass Unternehmen und Ertrag einzig den Kapitaleignern gehören, d.h. wir müssen uns für eine Eigentumsform einsetzen, die einerseits vollständige Distanz wahrt zum staatsbürokratischen Kollektiveigentum, aber andererseits ebenso zum privatkapitalistischen Eigentum. Es geht um ein „operatives Eigentum“, das eine unternehmerische Nutzung der Produktionsmittel als Instrument des Tätigwerdens in der Fremdversorgung ermöglicht, jedoch zugleich verhindert, dass Unternehmen zu veräußerbaren Vermögenswerten von „Anlegern“ werden. In diesem Sinne ist das Kapital zu neutralisieren. Eine solche Eigentumsreform ist im Großen zu erstreben, kann aber heute bereits ansatzweise praktiziert werden, wobei es verschiedene Anknüpfungsmöglichkeiten an bestehende Rechtsformen gibt – von der Stiftung bis zur Genossenschaft. Letztlich könnten aber auch neue Rechtsformen entstehen.
Genauso unvereinbar mit einer solidarischen Ökonomie ist die Veräußerbarkeit von Grund und Boden. Auch hier muss es Formen geben, die gleich weit von staatsbürokratischer Bodenverwaltung und von der heute bei uns bestehenden Form des Bodenrechts entfernt sein müssen. Boden muss genutzt werden können, zum Wohnen, zur Landwirtschaft usw., aber wo individuelle Nutzung herrscht, muss eine Kompensation an die Gemeinschaft erfolgen, in welcher Form auch immer, etwa als Bodennutzungsausgleich oder Pacht. Es kann nur ein Nutzungseigentum am Boden geben, jedoch keine Rentenbildung, die den gesellschaftlichen Reichtum zu Gunsten der Bodenbesitzer umverteilt. Ähnliches gilt für den Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Und schließlich muss es eine Rückbindung der Geldprozesse an den realwirtschaftlichen Prozess geben, die die Zinseszinsdynamik mit ihren Wachstumszwängen ausschaltet und das Geld auf seine eigentlichen Funktionen – Kaufen, Leihen und Schenken – hinlenkt. Dorthin zu gelangen gibt es verschiedene Handlungsansätze, von denen einer die Regionalgeldbewegung ist.
All diese Punkte können hier nur angedeutet werden. Die Wege zur ihrer Realisierung sind in verschiedenen Teilen der Erde unterschiedlich. In Ländern mit brachen Flächen, riesigem Großgrundbesitz und einer großen Masse landloser Bauern gibt es andere Handlungsansätze für die Bodenfrage als in dichtbesiedelten Industriestaaten, in denen die Landwirte nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung ausmachen. Die Grundrichtung der Veränderung ist jedoch dieselbe: hin zu einer modernen sozialen Boden-, Geld- und Eigentumsordnung.
Praktische Ansätze im Kleinen
Noch stehen die Ansätze zu einer anderen Ökonomie erst am Beginn ihrer Entwicklung, die vielfach von Rückschlägen bedroht ist. Dennoch: auch wenn es kaum Beispiele eines reifen, „ausgewachsenen“ Assoziationswesens gibt, so gibt es doch viele Initiativen, die in dieser Richtung unterwegs sind. Wir finden sie z.B. im fairen Handel und in der Naturkostszene. In dieser Zeitschrift wurden immer wieder solche Beispiele geschildert: Die Arbeit von SEKEM in Ägypten, das Maikaal-Projekt in Indien, mit der Vermarktung von Produkten aus ökologischer Baumwolle in der Schweiz, das Experiment „Verbund freie Unternehmensinitiativen“ und viele andere mehr. Der Gedanke einer verantwortlichen Partnerschaft und Zusammenarbeit von der Produktion bis zum Endverbrauch liegt so sehr „in der Luft“, dass unterschiedlichste Initiativen in verschiedenen Regionen der Welt Schritte in diese Richtung unternehmen. Oft wissen sie nicht einmal etwas voneinander. Darum sind Veranstaltungen wie der Kongress Solidarische Ökonomie so wichtig.
Bedingungsloses Grundeinkommen als Einstiegspunkt
Ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg heraus aus der Globalisierungsfalle und hinein in eine menschenwürdige Gesellschaft kann das bedingungsloses Grundeinkommen sein. „Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen, weil im klassischen Erwerbsarbeitssektor nicht mehr die Arbeitsplätze entstehen werden, die für ‚Vollbeschäftigung‘ nötig wären. Wir brauchen es, weil permanentes Wachstum der materiellen Produktion immer weiter in die ökologische Katastrophe führen muss. Wir brauchen das Grundeinkommen, weil ein immer größerer Teil der gesellschaftlich notwendigen Arbeit Bildungsarbeit, Umweltarbeit, Gesundheitsarbeit, Kulturarbeit usw. ist und weil man gerade diese Arbeit nicht mehr auf die herkömmliche Art – durch Arbeitsbezahlung – mit dem Einkommen in der Höhe ausstatten kann, das sie erst im notwendigen Umfang möglich macht.“ 
„Wir benötigen das Grundeinkommen, weil moderne Menschen den Freiraum brauchen, durch Ansätze im Kleinen Initiative ergreifen zu können. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird diese Initiativkräfte der Menschen anregen und etwas auslösen, was Arbeitszwang – wie ihn hierzulande Hartz IV implementiert – niemals vermag. Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen, weil nur mit ihm die durch Produktivitätsentwicklung freigesetzte Arbeitskapazität in die heute unterversorgten Aufgabenfelder gelenkt werden kann. Nur mit Hilfe des bedingungslosen Grundeinkommens werden die Menschen vermehrt die Muße finden, die zu einem sinnerfüllten Leben dazugehört, – den Raum, sich anderen zuzuwenden und sich selbstbestimmt entwickeln zu können.“
„Zum Gelingen all dessen müssen keine vollkommenen Menschen vorausgesetzt werden, sondern entwicklungsfähige. Raum für Entwicklung schaffen, ist vielleicht die wichtigste Funktion des Grundeinkommens.“ Für den Süden wäre bereits ein für unsere Verhältnisse äußerst bescheidenes, aber eben bedingungslos ausgezahltes Grundeinkommen, wie es Organisationen wie FIAN fordern, für viele Menschen ein Weg heraus aus dem Hunger.
Hier sei betont, dass ein solches Grundeinkommen die Arbeitsbezahlung zwar ein Stück weit zurückdrängt, ohne sie indes vollständig zu überwinden. Deshalb sollte man das bedingungslose Grundeinkommen als Einstieg in eine Entwicklung sehen, die zu einer assoziativen, solidarischen Ökonomie in einer Gesellschaft führt, die zugleich die Freiheit des geistig-kulturellen Lebens und umfassende und gleiche demokratische Teilhabe für jeden Menschen garantiert.
Zivilgesellschaft: Von der Protestbewegung zur Alternativenbewegung
Seit der WTO-Konferenz in Seattle 1999 hat die globale Zivilgesellschaft als dritte Kraft neben den Akteuren der konventionellen Ökonomie und den staatlichen Akteuren die Weltbühne betreten. Sie setzt der neoliberalen Globalisierung Widerstand entgegen, zugleich aber ist sie im „offenen Raum“ (Chico Whitaker) der Weltsozialforen in eine umfassende Diskussion über Alternativen eingetreten, über die Möglichkeit einer anderen Welt. Die Auseinandersetzung um den Weg dorthin hat erst begonnen. Aber es ist für die Zukunft der Erde und der Menschheit von großer Bedeutung, wie dieser Weg weiter beschritten wird, wie es dabei zu einem wirklichen Paradigmenwechsel kommt und der Rückfall in altes Denken vermieden wird. Die Bewegung für fairen Handel gliedert sich mit anderen Initiativen zur Erneuerung der Ökonomie in diesen Strom zivilgesellschaftlichen Engagements ein. Er ist ein Stück Welt von morgen, an der wir heute schon mitbauen können.