Buch/Vorarlberg – Wirtschaftsethik auf dem Martinshof: Achtsamkeit und respektvolles Miteinander. „Unser Denken hat sich durch unsere tägliche Arbeit auf dem Hof und durch den Dialog mit unserem Umfeld entwickelt, das heißt: Wir wollen es miteinander ,g’hörig’ machen“, informieren Claudia und Bertram Martin vom Martinshof in Buch. „Uns leitet die Überzeugung, dass auf lange Sicht Menschen, Tiere und Pflanzen ihr Potenzial nur gemeinsam entwickeln und entfalten können. Darum bemühen wir uns um einen achtsamen und friedvollen Umgang mit der Schöpfung. Wir begreifen uns als ein Teil des großen Ganzen und arbeiten in einem Netzwerk von Bauern, Partnern, Mitarbeitern und Kunden.“

Von Verena Daum (der Artikel ist am 2. Jänner 2018 in den Vorarlberger Nachrichten erschienen)

„Dabei erleben wir täglich, dass im respektvollen Miteinander Großes entstehen kann und Veränderung möglich ist. Das macht Freude. Mit der Natur zu leben rechnet sich auf alle Fälle“, weiß Familie Martin. So zu wirtschaften bedeute allerdings höhere Kosten pro Einheit. „Diese Kosten verteilen sich auf unsere bewussten Kunden. Leider rechnen sich in der Lebensmittelerzeugung immer noch Produktionsmethoden, welche diesem Anspruch nicht gerecht werden. Und zwar darum, weil ein Teil der Kosten nicht eingepreist wird. Diesen Rucksack trägt die Allgemeinheit und die nächsten Generationen. Wir brauchen Kostenwahrheit. Unser wirtschaftliches Konzept ist ein einfaches Praxismodell. Auf unserem Hof gibt es Kühe und Kälber, Hühner, wir produzieren Nudeln und haben ein hofeigenes Getreidelager für Urdinkel. Diese Vielfalt spiegelt sich in unseren Produkten wieder. In der Größe der einzelnen Bereiche haben wir uns aber Grenzen gesetzt. Wir wollen nicht mehr als 3000 Hühner auf unserem Hof halten. Statt unsere Stallungen zu vergrößern, haben wir gemeinsam mit fünf Bauernfamilien eine Kooperative. Sie halten dezentral auf ihren Höfen mit uns Freilandhühner.“

Klimaneutral arbeiten

„Auch eine naturnahe, regionale Erzeugung von Lebensmitteln hinterlässt CO2-Emissionen. Sie fallen an beim Anbau und bei der Entstehung von Lebensmitteln, in den Verarbeitungsprozessen und auf dem Weg der Produkte zum Kunden“, betont Bertram Martin. „Daher CO2 vermeiden und reduzieren durch viele Maßnahmen: die komplette thermische Energie wird bereits seit über 15 Jahren CO2-neutral aus Holz gewonnen. Den Rohstoff liefern die Bauern unserer Gemeinde. Der gesamte elektrische Energiebedarf wird mit Ökostrom abgedeckt. Über 90 Prozent davon liefert die betriebseigene 100-kWp-Photovoltaikanlage. Alle Martinshof-Produkte werden ausschließlich in FSC-zertifizierte Verpackungen eingepackt. Nicht vermeidbare Emissionen gleichen wir durch Zertifikate aus. Dabei geben wir uns nur mit ausgewählten, sinnstiftenden Klimaschutzprojekten mit Gold-Standard zufrieden. Ein zusätzlicher Beitrag fließt in ein Bergwaldprojekt im Montafon.“ „Auf unseren Wiesen weiden Biomutterkühe mit ihren Kälbern, im Sommer auf den Alpen unterm Faschinapass und auf dem Diesnerberg. Im Winter wird das Heu von den Sommerwiesen gefüttert. Zukäufe von außen stehen nicht auf dem Speiseplan, und unsere Kälber werden nicht enthornt“, führt Bertram Martin aus, der auf gute Partnerschaften setzt: „Etwa 3000 Freilandhühner tummeln sich auf unserem Hof mit ebenso vielen KollegInnen bei jedem der fünf Partnerbauern. Die saisonalen Schwankungen beim Eierabsatz gleichen wir durch Veredelung der Eier zu Teigwaren aus. Ein großer Teil der hergestellten Teigwaren sind reine Urdinkelnudeln. 60 Dinkelbauern zwischen Möggers und Ludesch bauen auf über 140 Hektar Martinshof-Urdinkel an – und das vertraglich garantiert und gänzlich ohne chemische Pflanzenschutzmittel und ohne Mineraldünger.“