Einmal im Jahr haben die russischen Bürger einen „Heißen Draht“ zu ihrem Präsidenten und können ihn alles fragen, was ihnen am Herzen liegt. Und der Präsident setzt sich – mitunter persönlich – für positive Lösungen ein. Innenpolitisch nimmt er auch die verantwortlichen Gouverneure in die Pflicht, die ihren Job für die und im Sinne der Bevölkerung ordentlich machen sollen. Auch wenn die allgemeine Wirtschaftslage angespannt ist, gibt sich Wladimir Putin optimistisch. Zwar leide Russland noch unter den gesunkenen Preisen auf dem Energiemarkt und unter den internationalen Sanktionen, wobei sich dabei die Aggressoren, aber vor allem die EU, selbst am meisten schaden.

Von Verena Daum (www.progression.at, www.garden-eden.org)

Völkerrechtswidrige Sanktionen bringen nichts, sie schaden nur – vor allem der Realwirtschaft und dadurch der Bevölkerung der Länder. Und die EU schade sich damit selbst am meisten, sagte Putin: „Sie verlieren unseren Markt. Die Verluste der EU aufgrund des ausbleibenden Handels belaufen sich seit 2014 auf 240 Milliarden Dollar, die Russlands auf 50 Milliarden, die der USA auf 17 Milliarden und die Japans auf 27 Milliarden Dollar.“ Das müsse sich ändern, ohne dass Russland eigene nationale Interessen aufgibt. Er gehe nicht davon aus, dass der Westen seine Einstellung gegenüber Russland in absehbarer Zeit ändern wird. Russland machte aus der Not eine Tugend und so haben manche Wirtschaftszweige sogar aus den Sanktionen profitieren können, indem man sich auf die eigene Stärke besonnen hat. So exportiere die russische Landwirtschaft derzeit Produkte im Wert von über 25,7 Milliarden Dollar, das sei noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen.

Außenpolitisch setzt Russland auf Kooperation

Der Vorwurf, dass Russland Gebiete in der Ukraine „okkupiere“ sei „völliger Schwachsinn“ und eine Lüge. Russland werde aber den Prozess für die Erlangung der russischen Staatsbürgerschaft für ukrainische Bürger weiter liberalisieren. Zudem sei die Behauptung falsch, dass der neu gewählte Präsident der Ukraine, Wladimir Selenski, nicht mit den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk sprechen wolle. Ohne direkte Verhandlungen sei ein Ende des Konflikts kaum möglich. Daher halte Russland erfolgreich das Gleichgewicht zu anderen militärischen Großmächten, allen voran den USA. Technisch zum Teil sogar ein paar Schritte weiter – auch wenn Russland die einzige Militärgroßmacht sei, die ihre Rüstungsausgaben weiter senke, auch in Zukunft. „Unsere Militärausgaben sind ein Bruchteil dessen, was beispielsweise Washington ausgibt“, unterstrich der Kremlchef. Im Nahen Osten wäre ein militärischer Konflikt „eine Katastrophe“, machte Wladimir Putin klar. Die Situation werde genau beobachtet und Russland werde seine Verbündeten nicht im Stich lassen.