„Die Zeit der lauen Kompromisse ist endgültig abgelaufen – die notwendigen Anstrengungen zur Erreichung der Energieautonomie sind in diesem Entwurf wieder nicht erkennbar“, kritisiert Univ.-Prof. Arch. DI Hermann Kaufmann. „Wenn nicht wir in Vorarlberg, mit unseren großartigen Voraussetzungen an technischem und handwerklichem Know-how, an Wohlstand und Akzeptanz in der Bevölkerung, vorzeigen können, wie Energieautonomie und die Klimaziele zu erreichen sind, wer in Europa soll es dann tun?“, hakt Univ.Prof. em. Mag.arch. DI Roland Gnaiger nach. Fast 20 im Klimaschutz engagierte Unternehmen und Organisationen fordern eine Überarbeitung der geplanten Vorarlberger Bautechnikverordnung: Der vom Land vorgelegte Entwurf „gefährdet das Ziel der Energieautonomie“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Die Klimaschutz-Allianz verlangt die deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen von Gebäuden, höhere Standards bei Teilsanierungen und eine verpflichtende Installation von Photovoltaikanlagen. Zu den Unterstützern der von KlimaVOR! eingereichten Stellungnahme gehören Bauunternehmer Hubert Rhomberg, Morscher Bau- und Projektmanagement sowie die Architekten Carlo Baumschlager, Roland Gnaiger und Hermann Kaufmann.

Von Wolfgang Pendel (Pzwei. Aussendung 17.3.2021)

Alle drei bis vier Jahre wird die Vorarlberger Bautechnikverordnung überarbeitet. Sie schreibt die aktuellen Mindeststandards im Neubau und bei der Sanierung von Gebäuden für die kommenden Jahre fest. 18 Organisationen und Unternehmen, die sich für den Klimaschutz engagieren, haben nun eine gemeinsame Stellungnahme zur geplanten Novelle eingebracht.

Zu den Unterzeichnern gehören die Architekten Carlo Baumschlager, Roland Gnaiger, Johannes Kaufmann und Hermann Kaufmann, der Bauunternehmer Hubert Rhomberg und der Bürgermeister von Mäder, Rainer Siegele. Auch Unternehmen wie DOMA Solartechnik, Enercret, Morscher Bau, das Planungsteam E-Plus und Weider Wärmepumpen unterstützen die Stellungnahme. Organisationen wie die ARGE Erneuerbare Energie, die Gemeinwohlökonomie Vorarlberg und das Klimabündnis unterstützen die Forderungen.

„Den vorliegenden Entwurf des Landes sehen wir kritisch“, sagt der Obmann des Vereins KlimaVOR!, Christof Drexel. „Um die Energieautonomie zu erreichen, müssen wir unseren Gebäudebestand nach und nach auf den optimalen Standard bringen. Die Landesregierung muss mit der anstehenden Novelle ambitionierte Maßnahmen setzen, sonst gefährdet sie das Ziel der Energieautonomie.“

Klimaschutz rechnet sich

Die Klimaschutzallianz fordert daher sowohl im Neubau als auch in der Sanierung höhere technische Standards. „Klimaschutz rechnet sich“, betonen die Unterstützer der Stellungnahme. „Alle Studien zeigen: Wer mit hoher Qualität baut, hat über die Lebenszeit eines Gebäudes die geringsten Kosten. Die Maßnahmen sind also auch betriebswirtschaftlich vernünftig. Volkswirtschaftlich sind sie ohnehin sinnvoll, da sie Arbeitsplätze schaffen und die regionale Wertschöpfung steigern.“

Die vom Verein KlimaVOR! erarbeitete und von den anderen Unternehmen und Organisationen unterstützte Stellungnahme enthält sechs konkrete Forderungen zur Bautechnikverordnung. Wichtigster Punkt ist die sofortige Senkung der Treibhausgasemissionen von Neubauten auf maximal 10 Kilogramm CO2-Equivalent pro Quadratmeter und Jahr. Gasheizungen im Neubau wären dann kaum mehr wirtschaftlich. Ab 2023 soll dieser Wert auf 8 gesenkt werden.

Zweite wichtige Forderung sind strengere Grenzwerte für Bauteilsanierungen: „Wir halten die massive Reduktion der Grenzwerte schon aus wirtschaftlichen Gründen für dringend erforderlich. Der Entwurf würde für Vorarlberg weit schlechtere Qualitäten zulassen als der Rest Österreichs. Zudem sind die empfohlenen Werte Voraussetzung für die Erreichung der Ziele zur Energieautonomie.“

Sinnvoll ist nach Ansicht der Experten auch eine Verpflichtung zur Installation einer Photovoltaikanlage: „Der erforderliche, massive Ausbau erneuerbarer Energien kann nur gelingen, wenn jedes Dach, das eine wirtschaftliche Umsetzung einer Photovoltaikanlage zulässt, auch tatsächlich genutzt wird.“ Hier sehen die Experten ebenfalls die Wirtschaftlichkeit gegeben: „Eine Photovoltaikanlage rechnet sich meist innerhalb weniger Jahre.“

Unterstützer der Stellungnahme zur Bautechnikverordnung:

Architekt Roland Gnaiger

ARGE Erneuerbare Energie Vorarlberg

Baumschlager Hutter Partners

Biosphärenpark Großes Walsertal

DOMA Solartechnik

ENERCRET

EnergieWenden

Energiewerk Ilg

Gemeinwohlökonomie Vorarlberg

HK Architekten Hermann Kaufmann + Partner

Johannes Kaufmann Architektur

Klimabündnis Vorarlberg

Morscher Bau- und Projektmanagement

Planungsteam E-Plus

Rainer Siegele, Bürgermeister Mäder

Hubert Rhomberg, Bauunternehmer

Spektrum Bauphysik und Bauökologie

Weider Wärmepumpen

Stellungnahme zur Bautechnikverordnung im Wortlaut: ttps://www.pzwei.at/stellungnahme-btv-novelle/

Sehr geehrte Frau Dr. Schlatter,

16. März 2021

wir bedanken uns für die Möglichkeit, zur geplanten Novelle der Bautechnikverordnung Stellung zu nehmen. Der Verein KlimaVOR! betrachtet den Begutachtungsentwurf vor allem aus dem Blickwinkel der beschlossenen Ziele zur Energieautonomie, aber auch mit besonderem Fokus auf ein gesamtwirtschaftliches Optimum. Dabei empfehlen wir vor allem die Beachtung der Justierungsvorschläge des Energieinstitut Vorarlberg (https://www.energieinstitut.at/vorschlag-zur-definition-des-standards-niedrigstenergiehaus-in-der-bautechnikverordnung-2021-2/), möchten aber auf folgende Einzelheiten im Besonderen hinweisen:

  1. Erdgas stellt keinen Bestandteil des Energiesystems einer klimaneutralen Gesellschaft dar. Genau diese Klimaneutralität strebt aber das Landesprogramm der Energieautonomie+ an, ebenso wie sie im österreichischen Regierungsprogramm bis 2040 vorgesehen ist. Gasheizungen, die in den nächsten Jahren noch neu gebaut werden, produzieren damit zwangsläufig Altlasten, deren Substitution im Lauf der nächsten Dekaden zu unnötigen volks- und privatwirtschaftlichen Kosten führt. Wir halten es demzufolge für essentiell, dass die Grenzwerte für die Treibhausgasemission mit Inkrafttreten der BTV auf 10 kgCO2e/m2BGF.a und ab 2023 auf 8 kgCO2e/m2BGF.a reduziert werden. Die Installation von neuen Gasheizungen ist damit zwar noch erlaubt, aber nur bei sehr hochwertiger Gebäudehülle erreichbar.
  2. Wie die Studie „klinawo“ des EIV eindrücklich zu Tage bringt, bieten Gebäude mit sehr niedrigen Treibhausgasemissionen (deutlich unterhalb von 8-10 kgCO2e/m2BGF.a) gleichzeitig auch die niedrigsten Lebenszykluskosten. Mittlerweile wurden die Studienergebnisse auch durch gebaute Beispiele belegt – sowohl die Bau- als auch Energiekosten betreffend. Es ist demzufolge auch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit, entsprechend niedrige Grenzwerte in der Bautechnikverordnung zu verankern. Die Technologieoffenheit bleibt dabei zur Gänze erhalten, auch wenn – analog zum spezifischen Wert der Treibhausgasemission – der Grenzwert für den Primärenergieeinsatz auf 90 kWh/m2BGF.a reduziert wird. Der Sektor der Gebäudewärme liefert die besten Voraussetzungen für wirtschaftlichen Klimaschutz. Es ist aus unserer Sicht für ein zukunftsorientiertes und von wirtschaftlichem Sachverstand geprägtem Land wie Vorarlberg nicht nachvollziehbar, diese Chance ungenutzt zu lassen: Die zu hohen Grenzwerte im Entwurf der Bautechnikverordnung führen zu höheren Treibhausgasemission und gesamthaft auch höheren Kosten als notwendig.
  3. Dasselbe gilt für die Grenzwerte bei der Bauteilsanierung: Während im Entwurf für „größere Sanierungen“ geringfügig ambitioniertere Hüllqualitäten als in der OIB Richtlinie 6 (2019) vorgesehen sind, dürfen einzelne Bauteilsanierungen noch deutlich „schlechter“ ausgeführt werden. Das führt zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden, weil ein saniertes Bauteil für Jahrzehnte in diesem Zustand verbleibt. Im Hinblick auf zu erwartende CO2-Preise wird sich sowohl die nochmalige, vorzeitige Sanierung, als auch das Heizen bei den gegebenen Bauteilqualitäten als unwirtschaftlich darstellen. Wir halten deshalb die massive Reduktion der Grenzwerte für Bauteilsanierungen schon aus wirtschaftlichen Gründen für dringend erforderlich. Zudem sind die im zitierten Justierungsvorschlag des EIV empfohlenen Werte – neben einer erhöhten Sanierungsrate – auch Voraussetzung für die Erreichung der Ziele der Energieautonomie.
  1. Im Entwurf ist nach wie vor das Instrument der Alternativenprüfung vorgesehen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass gerade kleinere Gemeinden die Aufgabe einer Prüfung der zur Alternativenprüfung eingereichten Unterlagen (z.B. Wirtschaftlichkeitsberechnungen) schon aus personellen Gründen nicht übernehmen können. Aus diesem Grund würden wir eine Festlegung von Mindestanforderungen, die das Instrument der Alternativenprüfung überflüssig macht, sehr begrüßen. Dies wäre aus unserer Sicht einer der Vorteile des Justierungsvorschlags des Energieinstitut Vorarlberg. Der Entfall der Alternativenprüfung würde eine starke Deregulierung bewirken und einen großen Teil der Streitfälle rund um den Energieausweis vermeiden.
  2. Erneut mit Blick auf die Ziele der Energieautonomie ist die breite Umsetzung von Photovoltaikanlagen Gebot der Stunde. Der erforderliche, massive Ausbau erneuerbarer Energien kann nur gelingen, wenn jedes Dach, das eine wirtschaftliche Umsetzung einer PV-Anlage zulässt, auch wirklich genutzt wird. Diese Wirtschaftlichkeit ist mittlerweile – aufgrund der stetigen Preisreduktion – in so hohem Maße gegeben, dass zumindest für einen Teil der Dachfläche eine PV- Anlage vorgeschrieben werden kann. Der vorgeschlagene Mindestertrag von 25 kWh/m2projizierteDachfläche ist nur ein Bruchteil des Potenzials, das in vielen Fällen aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschöpft werden wird.
  3. Letztlich möchten wir noch darauf hinweisen, dass der wichtige Bereich der grauen Emissionen – also des Energie- und Ressourcenaufwands für die Errichtung der Gebäude – zur Gänze fehlt. Die Relevanz in Bezug auf die Treibhausgasemissionen ist sehr hoch, ebenso wie die mögliche Einflussnahme durch die Wahl ressourcenschonender Bauweisen und -stoffe. Nachdem eine Berücksichtigung im Rahmen dieser Novelle sicher nicht mehr möglich ist, erlauben wir uns in dieser Sache, unsere Vorschläge im Zusammenhang mit der Wohnbauförderung zu einem späteren Zeitpunkt zu unterbreiten.

Wir bitten um Berücksichtigung dieser Einwände und stehen für inhaltliche Diskussionen der einzelnen Sachverhalte jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit sonnigen Grüßen

Christof Drexel Obmann

KlimaVOR! Verein zur Förderung der Klimaneutralität Vorarlbergs Kennelbacherstraße 36a/3 | 6900 Bregenz | Österreich mail@klimavor.at | www.klimavor.at
ZVR 1050491756 | AT77 2060 1034 0124 3807

Zwei Grad. Eine Tonne. Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern

Erstes Sachbuch von Unternehmer Christof Drexel als Anleitung für Private, Politiker und Experten (Wolfurt, 6.4.2018): „Zwei Grad. Eine Tonne. Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern“ heißt das erste Buch des Vorarlbergers Christof Drexel (drexel reduziert GmbH). Auf 220 Seiten berechnet der erfahrene Unternehmer und Techniker detailliert die Wirkung von Maßnahmen zur CO2-Reduktion, schlägt Strategien vor und zeichnet ein mutiges Bild der Erneuerung unserer Gesellschaft. Co-Autor Wolfgang Mörth entführt die Leser in seiner utopischen Erzählung ins Jahr 2044, wenn das Klimaziel bereits erreicht ist. Das Sachbuch liefert konkrete Handlungsoptionen für Private, aber auch Arbeitshypothesen für Politiker und Experten. Es ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Der 49-jährige Wolfurter Christof Drexel übernahm im Alter von 19 Jahren den Betrieb seines Vaters in Bregenz. Aus dem kleinen, regionalen Unternehmen für Lüftungsbau formte er einen High-Tech-Betrieb mit bis zu 60 Mitarbeitern: Mit ihren hocheffizienten Kombigeräten für Heizen, Lüften und Warmwasserbereitung wurde die drexel und weiss energieeffiziente Haustechniksysteme GmbH zum Technologie- und Marktführer bei der Haustechnik für Niedrigenergie- und Passivhäuser.

Seine langjährige Erfahrung als Unternehmer, sein Wissen als Techniker und Spezialist für Energieeffizienz und seine Leidenschaft für ein nachhaltiges Leben hat Christof Drexel nun in sein erstes Buch einfließen lassen: Zwei Grad. Eine Tonne. Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern.

Drei Strategien kombinieren

Das sechs Kapitel umfassende Sachbuch zeigt praxisorientiert auf, wie die CO2-Reduktion von aktuell zwölf auf eine Tonne CO2 pro Person und Jahr gelingen kann. Drexel untersucht penibel die Auswirkungen von drei Strategien: die Anpassung des Lebensstils, den effizienteren Einsatz von Ressourcen und den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Welchen Effekt können wir mit veränderten Lebensgewohnheiten, zum Beispiel bei Ernährung und Mobilität, erzielen? Um wieviel effizienter können Gebäude, Autos oder Produktionsprozesse werden? Wie kann die Energieversorgung komplett mit erneuerbaren Energien erfolgen? Für die Antworten hat Drexel eine Vielzahl von Studien zusammengetragen und detaillierte eigene Berechnungen angestellt.

„Jede dieser drei Strategien für sich hat annähernd das Potenzial, das Klimaziel zu erreichen“, schildert der Buchautor. „Doch nur auf eine Strategie allein zu setzen, wäre viel zu aufwendig, stößt auf zu wenig Akzeptanz. Erst die Kombination aller drei Wege bietet die Chance, die globale Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.“

Den westlichen Lebensstil diskutieren

Doch nur das technisch Machbare zusammenzufassen, ist Christof Drexel zu wenig: Der 49-Jährige skizziert im letzten Teil des Buches den notwendigen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Wandel. „Das Wissen und die Technologie stehen uns zur Verfügung, wir müssen aber auch die Mechanismen ändern, nach denen Wirtschaft und Gesellschaft agieren“, betont der Autor. „Wir brauchen ein Wirtschafts‑, Steuer- und Bildungssystem, das den Kampf gegen die globale Erwärmung unterstützt und nicht behindert. Das Resultat ist ein besseres Leben, eine höhere Lebensqualität für alle.“

Diesen gesellschaftlichen Wandel hat der Bregenzer Schriftsteller und Co-Autor Wolfgang Mörth in eine Utopie gegossen: Er wagt mit seinem literarischen Zwischenspiel den Blick ins Jahr 2044, wenn das Klimaziel erreicht und das politische und wirtschaftliche Leben ein anderes ist. Was heute noch als unvorstellbar gilt, ist in seiner Erzählung „DD-Day“ bereits Wirklichkeit.

„Zwei Grad. Eine Tonne“ ist eine praxisorientierte Handlungsanleitung zur Rettung der Welt und ein kühner Entwurf unserer künftigen Gesellschaft gleichermaßen. Es skizziert Handlungsoptionen für interessierte Private und liefert wertvolle Diskussionsgrundlagen für Politiker und Experten.

Information: http://www.zwei-grad-eine-tonne.at/

Zwei Grad. Eine Tonne.

– Sachbuch, 220 Seiten

– ab April 2018 im Buchhandel und auf http://www.zwei-grad-eine-tonne.at

– 28,70 Euro

– ISBN 978-3-200-05606-0

Christof Drexel übernahm nach seiner Ausbildung zum Maschinenbauer den Betrieb seines Vaters in Bregenz, ein regionales Unternehmen für Lüftungsbau. Später entwickelte er hocheffiziente Kompaktgeräte für Heizen, Lüftung und Warmwasserbereitung, mit denen „drexel und weiss“ zum Technologie- und Marktführer bei der Haustechnik für Passivhäuser wurde. 2016 schied er aus dem operativen Geschäft aus und arbeitet seither als Berater und Autor. Er ist Obmann der Vorarlberger Klimaschutzallianz KlimaVOR! www.klimavor.at; Buch „Zwei Grad. Eine Tonne. Wie wir das Klimaziel erreichen und damit die Welt verändern“ http://www.zwei-grad-eine-tonne.at