„Die Energiewende werden wir so nicht schaffen“, kommentiert Hannes Androsch in den Vorarlberger Nachrichten. Dieselprivileg, Pendlerpauschale und Billigtankstelle Österreich gehörten sofort gestoppt und öffentliche Dächer mit Photovoltaik ausgestattet, Öffis auf eMobilität und grünen Wasserstoff umgestellt. Ökotechnologische Fortschritte werden verschlafen. Auch zahlreiche Vorarlberger Unternehmen machen es der Politik vor, wie es gehen kann – etwa Heimtextiliengroßhändler Stefan Grabher aus Dornbirn, auf dessen eigenen Artikeln, die „kompostierbar“ und nach dem C2C-Prinzip produziert und durchzertifiziert sind, wieder Bäume wachsen können.

Von Verena Daum (www.progression.at, www.garden-eden.org, freie Fachredakteurin für ökologisch-soziale Wirtschaftsthemen in den Vorarlberger Nachrichten)

Der Dornbirner Biomassehof der Familie Ilg steht neben der Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlichen Fläche die Energiewirtschaft im Fokus. Er ist einzigartig in seiner Breite von der Biomasseerzeugung (Holz, Energiepflanzen) über die Umwandlung (Biogas, Fernwärme, Photovoltaik, Holzvergasung, Windenergie) bis hin zum Endkonsumenten. Tobias Ilg sorgte für Aufsehen, als er den grünen Asphalt präsentierte: Als neue CO2 -Senken Technologie wird „Grüner Kohlenstoff“erstmals dem Asphalt beigemischt und kompensiert somit den CO2 Ausstoß der Asphaltherstellung. Erstmalig wird dieser Grüne Asphalt beim Fernwärmeausbau des Energiewerks Ilg eingesetzt. Klimaschädliches CO2 wird so auf Dauer im Asphalt gespeichert.Diese Vorgehensweise ermöglicht uns zukünftig, dass mit jedem Quadratmeter Asphaltfläche eine aktive CO2Speicherung stattfindet. Die Firma Alpla baut Recyclingwerke, um Kreislaufwirtschaft sicherzustellen. Die Ökotechnologien und Anlagen des Unternehmens BERTSCHenergy bieten Kunden individuelle Gesamtlösungen zur umweltneutralen Reststoffverwertung. Die Liste lässt sich schier unendlich fortsetzen. Allein es fehlt der politische Umsetzungswille! Stattdessen populistischer Polit-Hick-Hack, den Hannes Androsch in den VN thematisiert.

Hannes Androsch war von 1976 bis 1981 österreichischer Finanzminister und Vizekanzler unter Bruno Kreisky. 2004 entstand die „Stiftung Hannes Androsch bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften“. Seit 2008 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft. Am 21. Oktober 2010 wurde Androsch zum Vorsitzenden des Rates für Forschung und Technologieentwicklung gewählt und übte diese Funktion bis zum 6. September 2020 aus. Heute ist er Aufsichtsratsvorsitzender der größten außeruniversitären Forschungseinrichtung Österreichs, des AIT (Austrian Institute of Technology). Er ist Verfasser zahlreicher Bücher und kommentiert u. a. in den Vorarlberger Nachrichten.

Kommentar von Hannes Androsch vom 27. November 2021 in den Vorarlberger Nachrichten:

Winter des Missbehagens

Österreich im Lockdown – und erneut wegen populistischer Planlosigkeit und chaotischen Krisenmanagements – oder vielmehr Nicht-Managements – unserer zerstrittenen Marionetten-Regierung! Als im Juli die damalige Regierungsspitze leichtfertig das Ende der Pandemie verkündete, sahen viele eine Impfung als nicht mehr nötig an. Auch wurden keine Vorkehrungen für den Winter getroffen, wohl aber der Wintertourismus als gesichert behauptet. Nun aber hat uns die schon damals prognostizierte vierte Welle voll und deutlich stärker als in anderen Ländern erfasst – weshalb sogar eine Impfpflicht angekündigt wurde.

Ähnlich desaströs agiert die Politik auch in anderen Bereichen: Im Klimabereich werden immer neue Ziele verkündet, gleichzeitig werden wir zum immer größeren Klimasünder, weil die angekündigten Schritte nicht umgesetzt werden. Im Gegenteil: Dieselprivileg, Pendlerpauschale und Billigtankstelle Europas werden beibehalten, und unsere Energieversorgung ist noch immer übermäßig vom Import von Erdöl, Gas und Atomstrom abhängig, auch weil die riesigen Dachflächen öffentlicher Gebäude nicht für Photovoltaik genutzt und der öffentliche Fuhrpark nicht klimaneutral umgestellt werden. Anspruch und Wirklichkeit klaffen immer weiter auseinander, die Energiewende werden wir so nicht schaffen.

Dafür sind wir aktuell mit explodierenden Energiepreisen konfrontiert und müssen Blackouts befürchten. Sicher aber wird es für einkommensschwächere Mitbürger schwierig oder gar unmöglich werden, die gestiegenen Energiekosten zu zahlen. An den Schulen herrschen Missmanagement und Chaos. Im Übrigen nimmt überall die Personalnot zu. Es droht somit ein mehrfacher „Winter of discontent“, doch der Kanzler spricht salopp von „ungemütlichen Weihnachten“, was aber nicht hilft, die drohende – auch soziale – Kälte abzuwenden.

Es besteht dringender Handlungsbedarf. Dies gilt für die Abfederung der Energiepreisexplosion ebenso wie für eine entschlossene Energiepolitik, die nicht auf propagandistischen Luftschlössern, sondern auf evidenzbasierten Maßnahmen beruht. Es braucht auch ein sachbezogenes Krisenmanagement, um die vierte Pandemiewelle zu brechen, damit unser Gesundheitswesen nicht zusammenbricht. Dafür aber ist eine entscheidungsfähige und handlungswillige Regierung notwendig. Eine solche haben wir seit langem nicht mehr, weshalb es entweder Neuwahlen oder eine mit größeren Vollmachten ausgestattete ExpertInnenregierung braucht. Für populistisches Weiterwurschteln haben wir jedenfalls keine Zeit mehr.