Hohenems – Das ist das Vorarlberger Bäuerliche Schul- und Bildungszentrum (BSBZ), denn schließlich geht es um die Natur und unsere Lebensmittel. Die 1974 eröffnete LWS-Hohenems kam aus der Mehrerau nach Hohenems. Hier entwickelt sie sich unter Direktor DI Markus Schwärzler mit einem etwa 50-köpfigen Team kontinuierlich weiter. „Der junge Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“, betont Direktor Schwärzler. „In der Schule ergänzen sich Theorie und Praxis und die duale Ausbildung steht für Erfolg im Leben.“

Von Verena Daum (der Artikel ist am 6. Oktober 2017 in der Extra-Ausgabe „Ökoland Vorarlberg“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen)

Vier eigenständige Schulzweige befinden sich in Hohenems unter einem Dach: die Fachrichtung „Landwirtschaft und Landschaftspflege (drei Jahre Schulzeit inklusive vier Monate Praktikum), die Fachrichtung „Ländliche Hauswirtschaft“ (drei Jahre inklusive drei Monate Praktikum), die Fachrichtung „Fachschule für Berufstätige“ (70 Stunden alternative Pflichtgegenstände) und die „Höhere Lehranstalt für Landwirtschaft“ (22 Wochen Praktikum).

Praxis am Rheinhof

„In der Fachrichtung Landwirtschaft haben wir Schüler aus ganz Vorarlberg, die eine vertiefte Ausbildung in praktischer Landwirtschaft suchen und sich so die Voraussetzung erarbeiten, als Facharbeiter einen landwirtschaftlichen Betrieb selbstständig führen zu können. Nach positivem Abschluss der Schule gibt es die Möglichkeit der Forstanschlusslehre sowie der Anrechnung von mindestens einem Jahr auf alle Lehrberufe“, informiert Fachausbildner und Biolandwirt Elmar Weissenbach. „Für die praktische Ausbildung steht neben diversen Werkstätten, Computerräumen, dem Chemie- und Biologiesaal auch der nach biologischen Richtlinien geführte Rheinhof zur Verfügung“, informiert Weissenbach. Melken, Stall-, Tierzucht-, Pflanzenbau-, Gemüsebaupraxis und weitere Einheiten finden dort statt. Am BSBZ arbeiten etwa 400 Schüler, 50 Lehrer und 20 Bedienstete, zwei Hausmeister und Direktor Schwärzler. Im kommenden Jahr soll ein Erweiterungsbau für die neue Sennerei, neue Werkstätten, neue Klassen, eine Schülerbibliothek, Umkleiden und Aufenthaltsräume entstehen. Am Rheinhof, der kürzlich mit dem Vorarlberger Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde, wird aktuell ein Gemüselager und Gemüse-Rüstraum gebaut. Chemische Spritzmittel sind auf dem Biohof selbstverständlich tabu. „Wir betreiben giftfreie Landwirtschaft“, betont Elmar Weissenbach, es werden u. a. „Brennesselb’schütte“, Steinmehl und effektive Mikroorganismen verwendet. Bei „Klassenprojekten“, Jungpflanzenaufzucht und „Demonstrationspflanzungen“ im Versuchsgarten wird mit Verkaufsmarketing und Bauernmarkt in Naturkreislaufwirtschaft gearbeitet. Auch Futter für die Tiere wird auf dem Rheinhof angebaut. Die Bioprodukte gehen an die Schule, in den Hofladen und werden ab Hof verkauft.

Moderne Landfrau

„In der Fachrichtung Ländliche Hauswirtschaft geht es nicht nur um Landwirtschaft“, erläutert Elmar Weissenbach. Das Bild der modernen Landfrau habe sich stark gewandelt. „Neben der Berechtigung, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen, erwerben die Schülerinnen viel Fachwissen in den Bereichen Gesundheit & Soziales, Garten & Floristik, Tourismus & Landwirtschaft, Textiles Werken & Kreatives Gestalten sowie Produktveredelung & Hofladen. Nach dem positiven Abschluss der Schule steht einer Zulassung zur Lehrabschlussprüfung als Betriebsdienstleisterin nichts mehr im Wege“, führt Elmar Weissenbach aus.

Die Fachschule für Berufstätige ist in einem zweijährigen Wochenendkurs organisiert. In Summe gibt es 500 Unterrichtsstunden zu besuchen. Wer bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, mindestens 19 Jahre alt ist und ein Jahr praktische Erfahrung in seinem Beruf nachweisen kann, kann aufgenommen werden. Grundsätzlich muss zwischen vier Fachrichtungen gewählt werden: Landwirtschaft, Haushaltsmanagement, Feldgemüsebau, Obstbau und Obstverwertung. Am Ende der Ausbildung kann die Facharbeiterprüfung abgelegt werden. Für die Führung eines Kurses müssen sich aber mindestens zehn Personen anmelden.

Zentralmatura möglich

„Unser jüngstes ,Kind‘ ist die HLA, die Höhere Lehranstalt für Landwirtschaft“, informiert Elmar Weissenbach. „Nach fünf Jahren allgemeiner und fachlicher Ausbildung gilt es, die Zentralmatura abzulegen. Schulträger ist der Schulträgerverein Marienberg in der Bregenzer Schlossbergstraße 15. Auch in der Höheren Schule stehen viele zusätzliche Angebote für leistungsstarke Schüler offen.“ Neben der lehrplanmäßigen Ausbildung gibt es für alle Jugendlichen viele Freigegenstände, unverbindliche Übungen und andere Angebote. Je nach Neigung, Schultype, Jahrgang und Fachrichtung können folgende Angebote belegt werden: Blasmusik, Instrumentalmusik, Chorgesang, Sport, Pferdewirtschaft, Reiten u. Fahren, Traktorfahrschulkurs, Bienenkunde, Fremdsprachen, Werken mit verschiedenen Werkstoffen, Tanzkurs, Volkstanz, Erste-Hilfe-Kurs, ECDL-Prüfung, Schneesportlehrer, Reiterpass, Jagd u. Fischerausbildung, Kochen, Motorsägenkurs, Theater, Tiertransportausbildung, Schlittenbaukurs, Musikinstrumentenbau, Schweißkurs, Redewettbewerb, Staplerführerschein und Lustiges Turnen.

Gemeinschaft Internat

„Wem es daheim zu eng wird, kann in unserem Schülerheim die Gemeinschaft erleben und dort Sozialkompetenz erlernen, die Freizeit mit Freunden gestalten, Selbstständigkeit finden und nicht zuletzt Zeit zum Lernen haben, da mitunter lange Schulwege wegfallen“, sagt Elmar Weissenbach. Wer also Interesse hat, kann die SIS-Veranstaltungen (Schnuppern in Schulen) besuchen und zum Kennenlern-Nachmittag vorbeischauen und natürlich Informationsmaterial anfordern. „Vielleicht liegt ein Teil deines zukünftigen Lebensweges in unserem Haus. Unser Motto: Fürs Leben lernen“, laden Direktor Schwärzler und Elmar Weissenbach interessierte junge Leute ein. Alle Infos unter: www.bsbz.at