Hard/Vorarlberg – Die Wiedereingliederung von Abfall in Produktionsprozesse schützt die Umwelt. Ein „Zero Waste“-Ökoland oder eine „Cradle to Cradle“-Modellregion Vorarlberg sind keinesfalls nur Wunschvorstellungen. Das Ländle hat engagierte Bürger, ­Unternehmen, Industriebetriebe als Global Player, Gemeinden, Initiativen und Kooperativen pro Natur-, Umwelt- und Klimaschutz und ein funktionierendes Abfallsammelsystem. Beste Voraussetzung also für eine Modellregion. „Der Standard und die gesetzten Maßnahmen sind im europäischen Vergleich exzellent“, heißt es bei der Firma ALPLA, die als Gründungsmitglied des Klimaneutralitätsbündnisses ihre Vorreiterrolle in diese Richtung beweist. Nachhaltigkeitsmanagerin Linda Mauksch steht im VN-Interview Rede und Antwort zum Thema.

Von Verena Daum (das Interview ist am 22.9.2018 im VN-Extra „WERTVOLL – ökologische Initiativen für eine lebenswerte Zukunft“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen)

Die vermüllten Ozeane sind im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde. Welche Initiativen gehen diesbezüglich von ALPLA aus, um nachhaltig gegenzusteuern?

LINDA MAUKSCH: Kunststoffverpackungen sind nach dem Gebrauch kein wertloser Abfall, sondern wertvolle Rohstoffe für die Industrie. Jeder Einzelne kann mit dem Sammeln und richtigen Sortieren von Abfall die Verschmutzung der Natur und Gewässer verhindern. Mit eigenen Recyclingwerken trägt ALPLA dazu bei, dass gebrauchte Kunststoffverpackungen als wertvoller Rohstoff im Kreislauf gehalten werden. ALPLA betreibt eigene Recycling­werke: PET Recycling Team mit zwei Standorten in Österreich und Polen, und im Rahmen von Joint Ventures in Mexiko und Deutschland. Die Jahreskapazität der Betriebe liegt bei rund 60.000 Tonnen lebensmitteltauglichem rPET. Mittlerweile ist die Technologie so ausgereift, dass am Standort Wöllersdorf in Österreich bei der Produktion von rPET nur ein Zehntel der Treib­hausgasemissionen anfällt wie bei Virgin-Material. Recycling hat also enormes Potenzial und kann wesentlich dazu beitragen, die globalen Klimaziele zu erreichen. ALPLA unterstützt zudem zwei Non-Profit-Organisationen, die sich gegen die Verschmutzung der Weltmeere einsetzen. „The Ocean Cleanup“ hat sich der Aufgabe verschrieben, Müll mit speziellen Vorrichtungen aus den Meeren zu holen. „Waste Free Oceans“ sammelt Kunststoff­abfälle in Meeren und an Küsten und recycelt diese zu „Ocean Plastic“. Dazu arbeitet die Initiative mit Unternehmen zusammen, die daraus neue Produkte herstellen. Beide Organisationen haben wir anlässlich des Weltumwelttages am 5. Juni mit namhaften Geldbeträgen unterstützt. ALPLA hat dieses „Ocean Plastic“ auch schon zu neuen Verpackungen verarbeitet: Für unseren Kunden Procter&Gamble haben wir eine Flasche für das Produkt Head & Shoulders entwickelt und produziert.

Wie funktionieren PET-Recycling-Kooperationen? Wie muss sich das der Laie vorstellen?

LINDA MAUKSCH: ALPLA beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit Recycling und hat daher große Erfahrung in der Herstellung von Rezyklaten aus Post-Consumer-Material. In erster Linie ist ALPLA aber ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen und unsere Experten verfügen über jahrzehntelanges Know-how in der Entwicklung und Herstellung innovativer Kunststoffverpackungen. In Kooperationen nutzt man genau dieses Wissen, um bestmögliche Rohstoffe für eine optimierte Produktion von Kunststoffverpackungen aus Recyclingmaterialien herzustellen. Anfang Juli verkündete ALPLA eine Kooperation im Bereich PET-Recycling mit FROMM (Schweiz). Beide Unternehmen betreiben Recyclingwerke für PET-Flaschen und sichern die Rohstoffversorgung der eigenen Produktionsbetriebe. Die Anforderungen der Produktionsbetriebe ergänzen sich sehr gut: Bei ALPLA benötigen wir hauptsächlich lebensmitteltaugliches, klares Regranulat. FROMM verarbeitet für Umreifungsbänder bunte Flakes. Die Zusammen­arbeit unserer Recyclingbetriebe wird Menge und Qualität der Rohstoffe für die Produktion beider Seiten sichern. Ziel der Kooperation ist eine weitere Optimierung der ohnehin hohen Recyclingquoten bei PET sowie eine signifikante Reduktion der CO2-Emissionen durch eingesparte Transportwege. Die Kooperation bietet weitere Vorteile, wie beispielsweise den vereinfachten Zugang zu den Märkten in den ­jeweiligen Ländern.

Und wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kunden aus, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen geht?

LINDA MAUKSCH: Wir haben beispielsweise vergangenen Juni an unserem deutschen Standort Vlotho-Exter einen Nachhaltigkeitstag organisiert: Einerseits, weil wir seitens unserer Kunden eine verstärkte Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungen feststellen. Andererseits, um die Zusammenarbeit zu intensivierenn. Unser Ziel ist es zu erfahren, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit bei unseren Kunden hat. Aber auch, welche Änderungen sie aufgrund neuer Gesetze und EU-Vorschriften erwarten. Recycling, alternative Materialien wie beispielsweise biobasierte Kunststoffe und die Reduktion von CO2-Emissionen zählen aktuell zu den Top-Themen.

Welche Maßnahmen führen ganz realistisch betrachtet zum „Cradle to Cradle“-Kreislauf?

LINDA MAUKSCH: Kreislaufwirtschaft betrifft ganz viele Ebenen. Unser Einfluss liegt insbesondere bei der Materialwahl und dem Design der Verpackungen – Stichwort „Design for Recycling“. Es braucht aber auch gesetzliche Richtlinien, die eine funktionierende und effektive Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Wichtig sind etwa funktionierende Abfallsammelsysteme, aber auch die Aufklärung von Konsumenten. Verbraucher müssen verstehen, dass gebrauchte Verpackungen kein wertloser Abfall, sondern wertvolle Rohstoffe für die Industrie sind. Je mehr alle an einem Strang ziehen, umso besser kann der Kreislauf ­geschlossen werden.

Verrottbarer bzw. biologisch abbaubarer Kunststoff und „100 Prozent recycled plastic packages“ – Stand heute und finales Ziel?

LINDA MAUKSCH: Es gibt bereits Verpackungen, die zu hundert Prozent aus Recyclingmaterial bestehen. Das ist keine Utopie mehr, sondern sehr gut machbar. Voraussetzung ist, dass es in allen Ländern entsprechende Abfallsammelsysteme gibt, damit ausreichend Recyclingmaterial zur Verfügung steht. ­ALPLA arbeitet beispielsweise schon lange und erfolgreich mit Werner & Mertz zusammen, hier gibt es zahlreiche „Best Practice“-Modelle. Das Thema kompostierbare Kunststoffe ist sehr spannend. Es birgt jedoch auch einige Aspekte, die kritisch zu betrachten sind. Beispielsweise sind kompostierbare Kunststoffe nicht recyclingfähig – damit kann der Kreislauf nicht geschlossen werden. Recycling ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie, weil wir Rohstoffe möglichst lang im Produktionskreislauf halten wollen. Zudem fördern solche Kunststoffe unserer Meinung nach die Haltung von Konsumenten, Verpackungen achtlos wegzuschmeißen. Das ist ebenfalls nicht im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Wertstoffen und der Kreislaufwirtschaft.

„Verbraucher müssen sich bewusst werden, dass Abfall wertvoller Rohstoff für die Industrie ist. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der Kreislauf geschlossen werden“, sagt DI Linda Mauksch, ALPLA Sustainability Manager, www.alpla.com; by Verena Daum www.progression.at

„Als Komplettanbieter effizienter Biomasse-Wirbelschichtkraftwerke hat sich BERTSCHenergy an Europas Spitze etabliert und trägt in der anbrechenden Ära der erneuerbaren Energien wesentlich zur Erreichung der Pariser Klimaziele bei“, sagt Ing. Hubert Bertsch, CEO BERTSCHgroup, www.bertsch.at; by Verena Daum www.progression.at

„Wir engagieren uns seit Jahren für den Klimaschutz und sind überzeugt, dass Veränderungen nur durch Taten möglich werden. Kooperation und viele kleine Schritte können Großes be­wirken“, sagt CEO Gerald Fitz, Haberkorn Gruppe, www.haberkorn.com; by Verena Daum www.progression.at

„Dinge ganzheitlich betrachten und Zusammenhänge erkennen – das ist Klimaschutz. Jede unserer Entscheidungen bestimmt auch die Welt, in der wir zukünftig leben werden“, sagt DI Hubert Rhomberg, Rhomberg Gruppe, www.rhomberg.com; by Verena Daum www.progression.at