Die künstlich provozierte tödliche Spirale der Gewalt zwischen dem NATO-Westen und Russland muss sofort beendet werden für eine neue Zeit der Verständigung, des Friedens sowie ökologisch-sozialer und prosperierender Weltwirtschaft. In ihrem Buch „Russland verstehen“ warnt die Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in einfache Denkmuster und Feindbilder des Kalten Krieges. Ihr Buch und Vorträge „Eiszeit – Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist“ beschreibt sie Möglichkeiten, wie „ohne Gesichtsverlust“ die brandgefährliche Kriegstreiberei zu stoppen wäre. Im „Westen“ müsste ein verständnis- und verantwortungsvoller kluger Kopf mutig den ersten Schritt machen, den Reset-Knopf drücken und die Entscheidungsträger zum Interessenausgleich an den Gesprächstisch zurück holen. Respekt und Achtung der Weltbevölkerung wären ihr/ihm sicher. Wladimir Putin schlägt das bereits seit Jahrzehnten vor – etwa unter der Schirmherrschaft der UNO. Jedoch schlägt das US/UK-gesteuerte Ansinnen, eine wirtschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und Russland mit allen Mitteln zu verhindern (George Friedman, Stratfor, Chicago Council on Global Affairs 2015), bis heute durch.

Von Verena Daum (Autorin/Journalistin, freie Fachredakteurin für ökologisch-soziale Wirtschaftsthemen in den Vorarlberger Nachrichten, www.progression.at, www.garden-eden.org, Bücher „Dom Erwin“, „Verantwortungslos“, „Verbotene Frucht“)

In „Russland verstehen“ warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges. Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen? Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten? Wer agiert, wer reagiert? Und welche Politik sollten wir daher gegenüber Russland verfolgen: Eindämmung durch Abschreckung oder Wandel durch Annäherung? Eigentlich müsste über diese Fragen offen gestritten werden. Stattdessen werden Abweichler als Russlandversteher diffamiert und ausgegrenzt. Und das obwohl es um die wichtigste Frage überhaupt geht: das friedliche Zusammenleben mit unseren Nachbarn. Um den Weltfrieden! Und hier spielen die Medien eine beinahe überlebenswichtige Rolle. Leider gehen öffentliche Meinung und veröffentlichte Meinung immer weiter auseinander. „Hier gibt es eine gigantische Kluft“, sagt Gabriele Krone-Schmalz: „Die allermeisten Deutschen wollen Frieden und Freundschaft mit Russland, doch das wird medial nicht dargestellt.“ Genauso sieht das auch der US-Intellektuelle Noam Chomsky, der in diversen Interviews immer wieder betont, dass die Bevölkerung äußerst „erfolgreich fehlinformiert“ wird – bei US-Wahlen genauso wie in Sachen Wirtschafts- und Außenpolitik. „Die Bevölkerung wird gezielt verwirrt, als Beispiel: Die Mehrheit der Amerikaner möchte, dass die Militärausgaben dramatisch gekürzt und die Superreichen genauso wie der kleine Mann in gleichem Maße besteuert werden. Und egal ob sie dann einen Demokraten oder Republikaner zum Präsidenten wählen, es passiert das genaue Gegenteil. Eingespart werden Sozial- und Umweltschutzausgaben, die Mensch und Natur dringend brauchen.“ Dennoch setzt auch Noam Chomsky wie Autorenkollege Jean Ziegler auf die aufgeklärte planetarische Zivilgesellschaft, denn „permanente Fehlinformation kann die Menschen zwar massiv beeinflussen, aber nicht beherrschen“, ist Chomsky überzeugt.

Ein Ende der Gewaltspirale wäre 2022 möglich!

Heute herrscht zwischen Russland und dem Westen Eiszeit. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem „Reich des Bösen“. Warum ist das so? Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern? Zu den Herausforderungen der deutsch-russischen Beziehungen spricht die renommierte Journalistin, Historikerin und frühere ARD-Korrespondentin in Moskau, Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz, u.a. im Kölner Friedensforum (27.10.21) und analysiert das derzeitige Verhältnis zu Russland und geht der Frage nach, welche Rolle die erweiterte EU und die USA dabei spielen. Sie berichtet über die innere Entwicklung in Russland mit all ihren Widersprüchen und versucht Wege aufzuzeigen, wie eine Entspannungspolitik aussehen könnte. Etwa durch Abkehr vom dummen und gefährlichen Denkmuster des Macht- und Gesichtsverlustes – welches derzeit vor allem die westliche Politik mitsamt Medien zu beherrschen scheint. Weltweit Respekt und Anerkennung würde Der- oder Diejenige aus dem „Westen“ erhalten, der/die Mut, Verstand und Vernunft an den Tag legt und den ersten Schritt der Verständigung mit konstruktivem Entgegenkommen macht, an einen Tisch lädt, um Interessenausgleich zu schaffen. Wladimir Putin wäre der erste, der die Hand reicht. Zur aggressiven NATO-Osterweiterung (die Zusage der USA an Gorbatschow, dass diese nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht stattfinden wird, wurde gebrochen) und Stationierung von NATO-Truppen und -Waffensystemen an den russischen Grenzen sagte der russische Präsident: „Es muss in unserem Land, aber auch allen Partnern im Ausland klar sein, dass wir inzwischen in eine Ecke getrieben wurden, in der wir uns nicht mehr bewegen können. NATO-Raketensysteme werden in der Ukraine stationiert, die in vier bis fünf Minuten Flugzeit Moskau erreichen. Wohin sollen wir denn? Sie haben uns an einen Punkt gebracht, an dem wir sagen müssen: Stopp!“

Ihre Grundhaltung beschreibt Gabriele Krone-Schmalz auf ihrer Website:

Wer Demokratie ernst nimmt, muss Interesse an umfassenden Informationen haben

Natürlich habe ich gehofft, dass mein Buch „Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens“ zur Kenntnis genommen wird und eine möglichst weite Verbreitung erfährt. Schließlich hatte ich mich mit der Entscheidung, es überhaupt in Angriff zu nehmen, sehr schwer getan. Denn diese intensive Arbeit passte nicht wirklich in meine Planung, und es war abzusehen, dass ich bei den sogenannten Leitmedien nicht nur nicht auf Begeisterung stoßen würde, sondern mit kräftigem Gegenwind rechnen musste. Aber ich fühlte mich irgendwie verpflichtet.

Die Reaktion ist überwältigend, qualitativ wie quantitativ. Sie kommt aus allen Ecken der Bundesrepublik und darüber hinaus. Ganz gleich, ob es sich um Schüler, Studenten, habilitierte Wissenschaftler, Automechaniker, Bäckermeister, Fließbandarbeiter oder Rentner handelt, fast allen gemeinsam ist eine nahezu körperlich spürbare Anerkennung für meinen Mut, die Dinge gegen den Strich zu bürsten und mich nicht einschüchtern zu lassen. Es ist schon bemerkenswert, dass sich in unserer Gesellschaft mit ihrer freiheitlich demokratisch verfassten Grundordnung der Eindruck festsetzt, man brauche Mut, um sich außerhalb des Mainstreams zu äußern.

Ich weiß nicht, was ich Menschen antworten soll, die in der DDR aufgewachsen sind, sich mit jeder Faser nach Freiheit gesehnt und dafür ohne Rücksicht auf das eigene Schicksal gekämpft haben und die mir heute schreiben, dass sie ein ungutes Gefühl beschleiche, wenn sie sich die Presselandschaft anschauen und statt offener konstruktiver Streitkultur einseitiges „Draufhauen“, persönliche Beleidigungen und systematisches Messen mit zweierlei Maß finden, je nachdem in welchem Teil der Welt sich etwas abspielt. Der Hunger nach Differenzierung ist überdeutlich.

Dabei handelt es sich durchaus nicht um irgendwelche „Naivlinge“, die – aus welchen Gründen auch immer – Putin für „den Guten“ halten und „die Schlechten“ grundsätzlich auf der anderen Seite ausmachen. Nein. Aber der Automatismus wird nicht akzeptiert, nach dem aus Moskau ausschließlich Propaganda zu erwarten sei und aus Kiew, Washington oder Brüssel die hehre Wahrheit, die sich natürlich nur an humanitären Zielen und westlichen Werten orientiert.

Medienkonsumenten haben Ansprüche. Und das ist auch gut so. Wer Demokratie ernst nimmt und den mündigen Bürger als ihren unverzichtbaren Bestandteil begreift, der muss ein Interesse daran haben, dass Informationen so umfassend und verständlich wie möglich angeboten werden, damit besagte mündige Bürger in der Lage sind, fundierte Entscheidungen zu treffen. Sonst verkommt Demokratie zum Etikettenschwindel.

Wenn man in Leitmedien jedoch liest, dass diese Bürgerproteste, die bei Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern eingehen, mit Vorsicht zu genießen seien, weil es sich um gezielte Propagandaarbeit „der anderen Seite“ handele, dann macht mich das wütend. Daraus spricht zum einen eine kaum zu überbietende Hybris nach dem Motto: Wir wissen es besser, ihr seid zu dumm; und zum anderen werden rücksichtslos alle diskreditiert, die quer denken. Ist das nicht die Aufgabe einer funktionierenden Zivilgesellschaft, die wir mit Macht anderen Staaten überstülpen wollen?

Die Sorge ist groß, dass sich Interessen, die nicht die ihren sind, durchsetzen und Eskalation eine Eigendynamik entwickelt, die sich nicht mehr stoppen lässt. Offenbar habe ich mit meinem Buch über Russland und den Ukraine-Konflikt einen Nerv getroffen.

Unermüdlicher Einsatz für die Verständigung mit Russland

Zum 70. Geburtstag von Gabriele Krone-Schmalz sagte C.H.Beck Papberback-Programmleiter Dr. Sebastian Ullrich: „Gabriele Krone-Schmalz hat sich über viele Jahre für die Verständigung mit Russland eingesetzt, seit 2000 auch als Mitglied im Lenkungsausschuss des Petersburger Dialogs. Sie warnte davor, sich über die Interessen Russlands hinwegzusetzen und warb für eine Politik des Ausgleichs statt der Konfrontation, auch gegenüber Wladimir Putin, der seit 1999 die Geschicke Russlands lenkt. Im Gefolge der Ukrainekrise zog sie scharfe Kritik auf sich, weil sie in Talkshows und in ihren bei C.H.Beck erschienenen Büchern Russland verstehen und Eiszeit die russische Politik als defensiv charakterisierte und sie als Reaktion auf eine Ausdehnung der westlichen Einflusssphäre interpretierte. Was manchem als reine Verteidigung Putins erschien, war tatsächlich weit mehr der Sorge um den Erhalt des Friedens geschuldet, den sie nicht durch eine Politik der Stärke, sondern mit dem von Willy Brandt und Egon Bahr geprägten Konzept des ,Wandels durch Annäherung‘ erhalten will. Was die Zukunft bringt, ist offen.“

Quellenangaben:

Hörbuch „Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist (audible)

Gabriele Krone-Schmalz: Russland verstehen – der Kampf um die Ukraine und die Ignoranz des Westens (C.H.Beck)

https://www.youtube.com/watch?v=GaYkW6sVL4Q

http://www.krone-schmalz.de/

https://youtu.be/UJDGJezJY9E

https://youtu.be/6_gS5PV0kZA