Buch-Neuerscheinung in Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser. 160 Seiten, Tyrolia Verlag, ISBN 9783702237868, 17,95 Euro. Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen als langjähriger Bischof in Brasilien fasst Erwin Kräutler seine Vorschläge und Anliegen für eine Erneuerung der Kirche mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen an der Basis zusammen. Auch persönlich eingebunden in die Vorbereitung der Synode bezieht er Stellung zu Position und Aufgaben der Frau in der Kirche, zu Ökologie und Schöpfungsverantwortung als einer Frage des Überlebens, zu neuen Wegen in der Seelsorge wie Frauendiakonat oder den „viri probati“ und fügt zu einer Option für die Armen auch eine Option für die „Anderen“ hinzu: die Ausgegrenzten, die Andersdenkenden, die Andersglaubenden und vor allem auch die indigenen Völker, für die eine Berücksichtigung ihrer besonderen kulturellen Ausdrucksformen gefunden werden sollte.

Alt-Bischof Erwin Kräutler möchte, dass die Kirche Frauen zu Diakoninnen weiht, damit sie besonders den Menschen wieder nahe sein kann, die unter der Ausbeutung des Regenwaldes und der Klimaveränderung leiden. Seit Jahrhunderten wird Amazonien die „Grüne Hölle“ genannt. Warum „Grüne Hölle“? Vielleicht handelt es sich um eine düstere Zukunftsvision. Ich denke dabei weniger an das Adjektiv „grün“ als vielmehr an die „Hölle“. Hölle wird spätestens seit Matthäus 25,41 – „Hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer“ – oder Markus 9,44, wo vom „unauslöschlichen Feuer“ die Rede ist, mit „Feuer“ assoziiert. In diesem Zusammenhang ist es schrecklich, dieses von Gott paradiesisch geschaffene Amazonien plötzlich als Hölle erleben zu müssen. Von skrupellosen Menschen dazu verdammt! Ich erinnere mich, wie mir im südlichen Teil unseres Bistums Xingu Tag und Nacht die Augen vom Rauch brannten. Während der Messe bekam ich bei der Predigt Atemnot. Die Sonne war den ganzen Tag über nur als rote Scheibe zu sehen. Sie stand zwar mittags am Zenit, aber es war Dämmerung. Ich war im Jeep zu den Gemeinden unterwegs. Soweit das Auge reichte, alles Asche und verkohltes Astwerk. Einige Bäume standen noch. Aber sie glühten und brannten und wurden in der Nacht zur rot leuchtenden, schaurigen Anklage der Gotteslästerung an die Menschen, die die Natur vergewaltigen, Gottes Schöpfung missbrauchen und zerstören. Der jahrtausendealte undurchdringliche Urwald wird in Brand gesteckt. Menschen machen Amazonien zur Hölle des Feuers.

ERWIN KRÄUTLER, geb. 1939 in Koblach, Vorarlberg; Mitglied der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut, seit seiner Priesterweihe 1965 in Brasilien tätig, war von 1981 bis 2016 Bischof der Prälatur Xingu, der größten Diözese des Landes. International bekannt wurde er vor allem auch für seinen Widerstand gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte, das den Amazonas und seine Ureinwohner massiv bedroht. Für seinen Einsatz für die Umwelt und die indigenen Völker wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit Ehrendoktoraten, 2010 mit dem Alternativen Nobelpreis und 2015 mit dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. 2015 war er einer der Berater zur Ökologie-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.