Meiningen/Vorarlberg – „Bäuerliche Landwirtschaft bedeutet im Grunde nichts anderes, als die direkte Umwandlung von Sonnenenergie in Nahrungsmittel!“ Bernhard Feistenauer ist Lehrer an der Landesberufsschule Feldkirch im Fachbereich Elektrotechnik und hat 1991 den landwirtschaftlichen Betrieb vom Schwiegervater übernommen. 1995 stellte er auf Bio um und 2006 die Milchproduktion ein. Der Hof der Tierschutzpreisträger Angelika und Bernhard Feistenauer in Meiningen wird als Low Input-Betrieb geführt.

Von Verena Daum (der Artikel ist am 2. Jänner 2018 in den Vorarlberger Nachrichten erschienen)

Zur Energiegewinnung auf dem Hof dient nicht nur die 20-Kilowatt-Photovoltaikanlage, sondern auf insgesamt 25 Hektar Fläche werden auf fünf Hektar Dinkel, auf einem Hektar Gerste, auf drei Hektar Streue und auf eineinhalb Hektar Miscanthus, das sogenannte „Elefantengras“, angebaut, der Rest ist Grünland. „Unsere Familie hat sich seit den 70er-Jahren in eine Wirtschaftsweise im Naturkreislauf hineinentwickelt“, erläutert Bernhard Feistenauer. „Wir arbeiten mit den eigenen Gegebenheiten möglichst ohne Zukaufprodukte. Low Input heißt mehr Output in der Qualität. Diese Optimierungen steigern das Wohlbefinden unserer Tiere.“ „Wir verwenden hofeigenen Dünger in Form von Mist und Gülle“, führt Bernhard Feistenauer aus. „Durch die Umstellung von der energieintensiven Milchproduktion auf energieextensive Mutterkuhhaltung reduzierten wir den Stromverbrauch um 70 Prozent, den Dieselverbrauch um 40 Prozent. Arbeitszeitersparnis: 800 Stunden. Wir haben drei Schnitte bei Dauerwiesen zur Heugewinnung und vier Schnitte bei Kleegraswiesen. Wir füttern nur mit betriebseigenem Futter. Unsere Tiere können sich auf Weiden, auf der Alpe und im Stall frei bewegen.“ Familie Feistenauer hält 20 Angus- Mutterkühe, 20 Kälber, einen Stier, zwei Pferde, einen Esel, Hühner und sie hat eine Katze. „Miscanthus ist eine Form von Chinaschilf und wird als Mulchmaterial für Gärten, als Einstreu für die Tiere und neu auch als Heizmaterial für drei Wohnungen verwendet“, sagt Bernhard Feistenauer stolz, dem Alternativ-Energie am Herzen liegt. „Unsere 20-KW-Photovoltaikanlage versorgt das ganze Hofgebäude und vier Wohnungen.“

Vielfalt und Unabhängigkeit

„Die Betriebsgröße hat mit innerer Einstellung zu tun“, sind Feistenauers überzeugt. „Man spürt intuitiv, wann es genug ist. Wenn etwa die Arbeit zu viel und die Mußestunden zu wenig werden. Wir empfinden es als großes Privileg, den Großteil unserer Nahrungsmittel – Fleisch, Gemüse, Obst, Beeren, Kräuter und Brot – selbst herstellen zu können und damit um ihre Hochwertigkeit zu wissen.“ Zur notwendigen Energie-, Ressourcen- und Agrarwende sagen Angelika und Bernhard Feistenauer: „Hoffnungsvoll stimmt uns die wachsende Wertschätzung der Konsumenten für unsere Arbeit und Produkte. Kleinbäuerliche biologische Landwirtschaft braucht weniger Energieeinsatz in Form von Treibstoff und Dünger und steht andererseits für rückstandsfreie Nahrungsmittel. Es liegt an uns, ob wir uns der Natur wieder anpassen oder weitermachen wie bisher – mit allen Konsequenzen.“