Dornbirn/Vorarlberg – Nach GOTS- und „fair wear“-Zertifizierungen tritt der Heimtextiliengroßhändler Stefan Grabher dem Vorarlberger Klimaneutralitätbündnis bei: „Die Menschen wollen ganz bewusst Bio, fair wear und fair trade, das ist toll und wir machen uns gemeinsam auf den richtigen Weg. Es sind Good News, dass wir immer mehr Kunden und Konsumenten mit Organic-Produkten bedienen können und seit vielen Jahren unser Unternehmen auf ökologisch-soziale Standards umbauen“, erläutert Grabher.

Von Verena Daum (der Artikel ist in der Extra-Ausgabe „VN-Klimaschutzpreis 2018“ der Vorarlberger Nachrichten am 24. März 2018 erschienen)

„Das ist ein Prozess, eine Entwicklung, wir sind auf sehr gutem Weg“, sagt Grabher. „Es geht darum, im Wettbewerb die Balance zu halten zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökologisch-sozialer Ausrichtung, dieses Engagement zahlt sich in jeder Hinsicht aus: für die Umwelt als unsere Lebensgrundlage und für die Allgemeinheit mit einem guten Gefühl für einen selbst.“

Komplexes Flechtwerk Markt

„Der Markt ist global und die Weltwirtschaft ein komplexes Flechtwerk, das ist Fakt, und wir wollen weder zurück in die Steinzeit, noch wollen wir uns mit Verzicht und Rückschritt belegen und das können wir auch nicht von der verarmten Bevölkerung aufstrebender Dritt- und Schwellenländer erwarten“, betont der weitsichtige Unternehmer.

„Die Fragen und die Herausforderungen sind also: Wie gestalten wir alle gemeinsam eine lebenswerte und realitätsbezogene Zukunft und eine vernünftige, verantwortungsvolle und transparente Weltwirtschaft, die regionale Strukturen und Wertschöpfung ganz selbstverständlich ins große Ganze miteinbezieht? Wie verhindern wir den Supergau und machen unsere Welt wieder lebenswert für alle?“

Regionale Wertschöpfung

Hier sind laut dem paptex/Mary Rose/Tyrler-Inhaber Stefan Grabher Politik, Unternehmer und Konsumenten gleichermaßen gefordert: „Jeder muss sich der Zusammenhänge bewusst werden. Meine Aufgabe als Heimtextiliengroßhändler sehe ich in erster Linie beim Ursprung der Produkte, also Bio, GOTS und fair wear für saubere Entstehung, soziale Strukturen und Arbeitsbedingungen, transparent und unabhängig überwacht. Da Baumwolle nun einmal nicht im Bregenzerwald wächst, ist grundsätzlich die ganze Welt unsere Produktionsstätte, weil jedes Land und jeder Kulturkreis etwas Spezielles zu bieten hat und jahrhundertelange Erfahrung mitbringt.

Warum soll also nicht ein guter Teil regionaler Wertschöpfung durch Verarbeitung und Veredelung im jeweiligen Ursprungsland bleiben? Warum Porzellan nicht in China kaufen, wenn es dort erfunden wurde? Warum sollte man nicht in Baumwoll-Ländern auch die Decke fertigen lassen?“ Dabei stehe nicht der günstigste Preis im Fokus, betont Grabher, sondern „möglichst kurze Lieferwege und faire Produktionsbedingungen bei maximaler Erfahrung in der Produktion. Die Welt ist unsere Werkbank, ob Vorarlberg, Waldviertel, Türkei, Rumänien oder Indien. Bei guter und fairer Zusammenarbeit profitieren alle.“

Energiekiller Pestizide

Die Irrwege der Globalisierung seien hinlänglich bekannt und niemand könne heute sagen: Das haben wir nicht gewusst. Umso erfreulicher ist es für Stefan Grabher, dass die Saat von naturbewusstem Engagement nicht nur bei Mary Rose und im Großhandel aufgeht, sondern im Ausland sowohl Österreich und besonders das Ökoland Vorarlberg einen sehr guten Ruf in Sachen Export hat. „Das macht stolz und beschert bessere Geschäfte“, freut sich der Unternehmer aus Leidenschaft, der weder auf „netter Kerl“ noch auf „Weltverbesserer“ macht. „Im Endeffekt sitzen wir alle im gleichen Boot. Daher auch mein Beschluss, dem Vorarlberger Klimaneutralitätsbündnis beizutreten. Man lernt permanent dazu, erfährt wichtige Zahlen und Fakten und kann noch effizienter eine vernünftige Unternehmensstrategie umsetzen. Dabei war interessant zu erfahren, dass die Erzeugung von Pestiziden und Kunstdünger, die bekanntlich viel Schaden verursachen, weit mehr Energie benötigt als der gesamte Transport. Bei ehrlicher Betrachtung unseres Fußabdrucks ist demnach der Griff zum Biotextilprodukt der richtige.“