Brüssel, Bregenz/Vorarlberg – Sowohl das längst überfällige aber leider nur teilweise EU-Pestizidverbot wie auch die kürzlich in Vorarlberg vorgestellte Raumplanung- und Grundverkehrsnovelle sind lediglich als erste Schritte in die richtige Richtung zu sehen, aber keinesfalls auch nur annähernd ausreichend. Nach wie vor fehlt die gesamtheitliche Sichtweise einiger Interessenvertreter auf notwendige und enkeltaugliche Regionalentwicklungen im globalen Kontext. Es herrscht noch weitgehend Kirchturmdenken und unsere Kooperationsbereitschaft mit allen Akteuren auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, lässt noch zu wüschen übrig. Es geht aber nur gemeinsam!

Von Verena Daum

So weigern sich nach wie vor die vermeintlichen Interessenvertreter der Landwirtschaft in Europa und in Österreich, aktiv, vernünftig und engagiert an der Änderung eines längst offensichtlich fehlgeleiteten Systems mitzuarbeiten und die ohne Übertreibung lebensnotwendige Agrarwende kooperativ mit allen Menschen herbeizuführen. Für ausschließlich die falschen Förderleistungen und den eigenen Profit die Zukunft unserer Kinder, nämlich die Natur als unsere Lebensgrundlage zu opfern, ist höchstgradig verantwortungslos und das Gegenteil von klug, wenn man bei klarer Sicht aufs große Ganze den Ast absägt auf dem man sitzt. Wollen wir denn wirklich Gift in unserer Umwelt und unserer Nahrungskette, an deren Ende bekanntlich der Mensch steht?

In Vorarlberg ist die Freude über die kürzlich vorgestellte Raumplanungs- und Grundverkehrsnovelle nicht nur nachvollziehbar, sondern absolut gerechtfertigt. In diesem ersten Schritt wird auf leistbares Wohnen und auf lebenswerte Ortskerne gesetzt. Ein Anfang. Es gehe um gemeinnützigen Wohnbau und um mehr Lebensqualität, informieren die schwarz-grüne Landesregierung und in einer Aussendung der Grünen Klubobmann Adi Gross. Flächen sollen im Sinne des Gemeinwohls weiterentwickelt werden. Preistreibenden Baulandspekulanten soll ein Riegel vorgeschoben werden. Gemeinden sind verpflichtet, räumliche Entwicklungskonzepte zu erstellen und vorzulegen – hin zu mehr Grün- und Erholungsflächen, zu besserer Nahversorgung und Öffis. Gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Raumplanung soll verstärkt werden. Verdichtete Bauweise soll der Zersiedelung entgegenwirken. Man zeigt sich erst mal zufrieden mit diesem Maßnahmenpaket.

Zufrieden sein können wir allerdings noch lange nicht, denn genauso wie wir einen globalen Verzicht auf die tödlichen Pestizide von Big Pharma brauchen, brauchen wir auch regional im globalen Kontext unser konstruktives Miteinander für einen nachhaltigen und enkeltauglichen Entwicklungsprozess. So traut man sich politisch nach wie vor kaum, die notwendige Verdichtung in die Höhe radikaler anzugehen und damit gleichzeitig Green City Konzepte zu etablieren, die Dach- und Terrassenflächen ganz selbstverständlich begrünen und auch vertical agriculture einplanen und zulassen, die Parkflächen und Transitrouten unter die Erde bauen, um dem Bodenverbrauch entgegenzuwirken und gerade durch Verdichtung in der Urbanisierung, die sich nicht vermeiden lässt, neue Flächen für Natur und Lebensqualität zu schaffen. Jahrzehntelang wurde die Bevölkerung fatalerweise auf Stockwerkbeschränkung eingeschworen und tut sich jetzt schwer damit zu glauben bzw. sich vorzustellen, dass Verdichtung mit zukunftsfähigen Konzepten zu finanzieller Einsparung, sanfter Mobilität, weniger Stress und Entschleunigung, zu neuen Zukunftsjobs und zu deutlich besserer Lebensqualität für alle führt.

Auch das immer noch weitgehend herrschende Kirchturmdenken und notorische Verhinderungsverhalten gegenüber ambitionierter Zukunftsprojekte, die unsere innovativen Unternehmen in der Realwirtschaft und Industrie anbieten, stehen einem langfristig positiven Entwicklungsprozess im Weg. Warum denn keine naturschonende und -erhaltende Panorama-Wäldergondelbahn pro Öko-Tourismus und saubere Mobilität? Warum keine sympathische Ringstraßenbahn in der Rheintal Green City rund um den Central Park Ried? In diesen Entwicklungsprozess gehört nicht nur die Bürgerbeteiligung von Anfang an integriert, sondern ganz besonders eben auch unsere zukunftsorientierten und engagierten Unternehmen, die sich für einen rundum attraktiven Standort zum Wohle aller einsetzen. Ökonomie, Ökologie und Soziologie können und müssen von uns allen gemeinsam und nach den Regeln der Naturkreisläufe und planetarischen Prozesse in Harmonie gebracht werden. Es gibt viel zu tun – gehen wir’s miteinander ganzheitlich und lösungsorientiert an!

„Unser Wissen und kreative Kraft bündeln“