Unser derzeitiger Umgang mit komplexen Wechselwirkungen im „Ökosystem Erde“ ist im wahrsten Sinn des Worts mörderisch. Im Industriezeitalter hat der Mensch die Fähigkeit erlangt, das Ökosystem Erde insgesamt zu verändern. Die menschliche Bevölkerung, die technischen Möglichkeiten und die materiellen Ansprüche des „finanziell reichen Teils der Menschen“ bewirken Umweltveränderungen, die auf die natürlichen Regelkreise einwirken, die das Ökosystem Erde steuern: und zwar in Richtung Untergang von Mutter Erde mitsamt der Menschheit.

Von Verena Daum, www.progression.at (das Editorial ist am 17.9.21 in der Extra-Ausgabe „Wertvoll – Öko-Initiativen …“ der „Vorarlberger Nachrichten“ erschienen)

1979 wurde die Erde erstmals als ein (!) Ökosystem beschrieben. Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen nannte die gegenwärtige Epoche des Menschen „Anthropozän“. Das Anthropozän ist dadurch gekennzeichnet, dass die Weltbevölkerung auf über sieben Milliarden Menschen anwuchs, die die Erde nach ihren Vorstellungen umgestalteten – auf Kosten der natürlichen Ökosysteme und der in ihnen lebenden Arten: Unter anderem wurden die Hälfte aller Feuchtgebiete und die Hälfte aller Mangroven vernichtet, das Artensterben ist heute mindestens hundert Mal stärker als es ohne Menschen wäre. Wir vermüllen Ozeane, vergiften Gewässer und Luft … 2050 wird die Weltbevölkerung ihren Höhepunkt erreichen, China und Indien werden den Wohlstand des heutigen Europas erreicht haben.

Wir kennen die Lösungen

Den Menschen mangelt es nicht an Ideen, Innovationen und neuen Technologien – und es wird auch bewusst, dass wahrer Reichtum und Lebensqualität neu definiert werden müssen. Renaturieren wir alle gemeinsam ganzheitlich das Ökosystem Erde mit den vielen Möglichkeiten, die wir haben. Ökologisch-sozial wirtschaften auf unserem endlichen Planeten – nach dem Cradle to Cradle-Prinzip. Naturkreisläufe sind geniale Lehrmeister, denen wir wieder Beachtung und Achtung schenken sollten.