WIEN Österreichs erste C2C-Regionalgruppe als Bildungs- und Vernetzungsplattform für Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Die 25-jährige Kate Sowa hat getreu ihrem Lebensmotto „let’s leave a positive footprint“ die erste österreichische Regionalgruppe „Cradle to Cradle NGOEhrenamt“ nach deutschem Vorbild in Wien gegründet.

Interview mit Kate Sowa (25), Gründerin/Sprecherin der „Cradle to Cradle NGO Ehrenamt, Regionalgruppe Wien“, by Verena Daum, Vorarlberger Nachrichten/www.progression.at (erschienen im VN-Extra „Wertvoll“ 18.9.2020)

Ihr Ausbildungsweg zeigt deutlich ihr Engagement für die Natur, von der wir Menschen ein Teil sind: Bachelor Marketing & Sales ander FH Wien derWKW, Master Organic Business & Marketing an der FHWr. Neustadt Campus Wieselburg, Bachelor Deutsche Philologie an der Uni Wien.

Was war ausschlaggebend, ein Pionierprojekt wie die erste C2C-Regionalgruppe in Österreich zu gründen?

SOWA Bereits in meiner Diplomarbeit habe ich mich aus Überzeugung mit dem C2CKonzept befasst. Das positive Menschenbild und die Lösungsorientierung von Cradle to Cradle haben mir die Augen für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft unserer Gesellschaft geöffnet. Nach dem Studium habe ich dann eine Zeit lang in der Geschäftsstelle der C2C NGO in Berlin gearbeitet. Währenddessen ist in mir die Idee gereift, die NGO mit einer Regionalgruppe in Österreich zu verankern und so eine Bildungs- und Vernetzungsplattform für Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft bei uns zu etablieren. Mit der Unterstützung der Geschäftsstelle und den rund 800 ehrenamtlichen Mitgliedern im deutschsprachigen Raum können wir als Regionalgruppe Wien einen wesentlichen Beitrag zu einem positiven ökologischen Fußabdruck leisten.

Gehört das C2C-Prinzip fix und gesetzlich in Wirtschafts- und Produktionsprozessen verankert?

SOWA Um die Mehrheit der Unternehmen zu einer Implementierung von C2C zu bewegen, braucht es definitiv gesetzliche Rahmenbedingungen. Politisch sind die übergeordneten Rahmenbedingungen der EU sehr wichtig, aber auch der Bottom-up-Approach auf lokalpolitischer Ebene. Der europäische Green Deal ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber für eine echte und gesunde Kreislaufwirtschaft nach C2C greift Klimaneutralität als Ziel einfach zu kurz. Das Streben danach, einen klimapositiven Beitrag zu leisten, statt nur weniger schlecht zu sein, muss in der Politik ankommen. Es braucht mehr Anreize für innovative Geschäftsmodelle und eine stärkere Berücksichtigung des Bildungsbereichs, um die Voraussetzungen für eine C2CKreislaufwirtschaft zu schaffen. Auf lokalpolitischer Ebene ist die öffentliche Beschaffung ein großer Hebel. In Deutschland gibt es bereits einige Modellkommunen, die ihre Beschaffung nach C2C ausrichten. Eine Zukunftsperspektive, die auch in österreichischen Städten und Gemeinden großes Potenzial hat.

Was hat die C2C-Regionalgruppe Wien bisher umgesetzt, was ist geplant und wie kann man mitmachen?

SOWA Anfang Mai hat unser offizielles Digital-Kick-off stattgefunden, das auf großen Anklang gestoßen ist. Mittlerweile hat unsere Regionalgruppe 25 ehrenamtliche Mitglieder. Im letzten Monat haben wir einen Runden Tisch mit C2C-Akteuren aus dem Alpenraum veranstaltet und Unternehmen aus verschiedenen Bereichen zusammengebracht. Am 27. und 28. November 2020 sind wir Teil der 1. Wiener MehrWeg-Messe und für nächstes Jahr stehen Kooperationen mit Design Austria und der Fachhochschule Wr. Neustadt Campus Wieselburg an. Zudem sind wir sehr aktiv auf Instagram und Facebook (@c2c_wien). Das Interesse an einer C2CPlattform in Österreich ist enorm und wir freuen uns über jede Unterstützung aus Vorarlberg. Wer sich aktiv beteiligen möchte, kann Mitglied bei uns werden.

Infos: www.c2c-ev.de/wien, „Als gemeinnützige und spendenbasierte NGO freuen wir uns über jede finanzielle Unterstützung (GLS BANK: DE744306 0967 2036 5496 00). Wir sind auch immer gespannt auf Kooperationsanfragen von Unternehmen und anderen Organisationen: wien@ehrenamt.c2c.ngo.“ 

Factbox: Cradle to Cradle NGO Ehrenamt – aktiv für einen positiven Fußabdruck:

Die Cradle to Cradle NGO hat das Ziel, C2C Denkschule & Designkonzept in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Politik und Gesellschaft, zu etablieren. Mit einem 18-köpfigen Geschäftsstellenteam in Berlin und mehr als 700 Aktiven in 50 Initiativen bundesweit werden die Ideen von C2C in die Gesellschaft getragen.

Die C2C Denkschule steht für ein positives Menschenbild mit einem positiven Fußabdruck: Der Mensch ist als Nützling Teil der Natur. Alte Denkmuster werden gesprengt und neue Pfade beschritten.

Das C2C Designkonzept fußt auf drei Prinzipien: „Abfall ist Nährstoff“, „Regenerative Energie“ und „Vielfalt feiern“. Nutzungsszenarien werden definiert und in biologischen sowie technischen Kreisläufen zirkulieren gesunde und definierte Materialien in umfassender Qualität.

Das C2C LAB in Berlin ist die weltweit erste umfassende Bestandssanierung nach „Cradle to Cradle“-Kriterien und macht sie auf 400 mÇ als Bildungszentrum, NGO-Office und Reallabor inhaltlich und praktisch erlebbar. Eine stark sanierungsbedürftige Mieteinheit in einem Ost-Berliner Plattenbau wurde dazu umgebaut: Innovation durch Bauen im Bestand trifft auf DDR-Stahlbeton.

Der C2C Congress ist die weltweit größte Plattform ihrer Art – hier trifft die C2C Community jährlich auf zentrale Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Politik und Gesellschaft. Foren, Vorträge und Expert(inn)engespräche bieten Raum für Austausch und Vernetzung.