Bregenz/Vorarlberg – BIO Vorarlberg ist eine Genossenschaft, die für den Handel und den Biomarkt zuständig ist, BIO AUSTRIA Vorarlberg ist ein Verband, dessen Aufgabengebiet in der Interessensvertretung, Beratung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit besteht, rund 300 Landwirte und 600 Konsumenten sind zusammengeschlossen. Projektmanager Florian Timmermann hebt zwei Initiativen  hervor: „BIO AUSTRIA hat die Bildungsinitiative ,Low-input in der Milchviehhaltung‘ ins Leben gerufen.“

Von Verena Daum (der Artikel ist am 22.9.2018 in der Extra Ausgabe der Vorarlberger Nachrichten „WERTVOLL – ökologische Initiativen für eine lebenswerte Zukunft“ erschienen)

„Milch mit viel Kraftfutter zu erzeugen ist teuer und widerspricht den Vorstellungen einer nachhal­tigen biologischen Landwirtschaft“, führt Timmermann aus. „Fachseminare sensibilisieren in Sachen Futtererzeugung, Tiergesundheit, Nahrungskette. Biolandwirtschaft will nicht das Maximale ,herausholen‘, zentral sind daher alternative Messsysteme, z. B. könnte Milch pro Hektar und nicht pro Kuh gemessen werden. Es zählt nicht nur die Jahresmilchleistung, sondern auch die Lebensmilchleistung einzelner Tiere. Eine Kuh kann aus Grundfutter – also Gras, Heu, Silage – maximal ca. 6000 Liter Milch pro Jahr erzeugen, während durch die Zugabe von Kraftfutter – Getreide und Ölfrüchte – das Doppelte erzeugt wird. Die Flächen für dieses zusätzliche ,Futter‘ könnten wir Menschen effizienter verwerten, wenn wir Pflanzen direkt für unsere Ernährung anbauen.“ Das „Bruder Hahn“-Projekt wird im Land schon gut angenommen. „Bislang war es so, dass alle männlichen Küken sofort nach dem Schlüpfen geschreddert wurden, da sie keinen landwirtschaftlichen Nutzen erbrachten“, erklärt Florian Timmermann. „In Österreich jährlich rund sechs Millionen Küken. BIO AUSTRIA entschied sich für die Ausmast der männlichen Tiere, deren Aufzucht jedoch wirtschaftlich nicht lukrativ ist. Eine Lösung wurde durch eine Querfinanzierung gefunden: Indem jedes BIO AUSTRIA Bio-Ei um 3 Cent teurer verkauft wird, ist der entstandene Aufwand gedeckt.“

Kreislaufwirtschaft

„Humus ist eine der wichtigsten Ressourcen, da dieser nur schwer vermehrbar ist. Im Biolandbau sind Pflege und Düngung des Bodens enorm wichtig“, erklärt GF Manuel Kirisits. Bodenkultur und Kreislaufwirtschaft sind zentrale Elemente: „Die Düngung erfolgt ausschließlich mit natürlichen Stoffen, sprich Mist, Jauche und Kompost. Somit ist das Tier wichtiger Teil eines geschlossenen Nährstoffkreislaufes. Hier bleibt die Kreislaufwirtschaft nicht nur ein Ideal, sondern wird real in der Praxis umgesetzt. Humus ist zudem in der Lage, vom Menschen freigesetztes CO2 zu speichern und somit einen wichtigen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Zudem wird durch einen hohen Humusgehalt im Boden die Wasseraufnahmekapazität erhöht, was wiederum dem Hochwasserschutz dienlich ist. Aktueller denn je ist das Thema Bodenverbrauch durch Verbauung. Zukünftig müssen für die Landwirtschaft gut geeignete Böden stärker geschützt werden. Nur so lassen sich Verfahren finden, die bei entsprechenden Bodenbeschaffenheiten möglichst optimale bzw. höchstmögliche Erträge ohne große zusätzliche Aufwendungen liefern.“ Bewusstseinsbildung, Sen­sibilisierung und Hintergrundwissen zu Herstellungsprozessen sind heute unabdingbar. „In der Biolandwirtschaft stehen nicht so viele ,Hilfsmittel‘ wie im konventionellen Landbau zur Verfügung. Etwa bei Schädlings- oder Unkrautbefall kann nicht einfach ad hock ein Mittel zur Problembeseitigung eingesetzt werden, sondern es muss verstanden werden, warum eine Pflanze an einem bestimmten Ort besser wächst, welche Fruchtfolge Sinn macht oder gar was die Ursache für das Auftreten eines bestimmten Schädlingsproblems ist. Der Mehraufwand für den Landwirt führt zu höheren Kosten, aber auch zu natürlicheren Produkten und einer geringeren Belastung der Umwelt und kommt schlussendlich uns allen zugute.“ Biolandwirtschaft ist Zukunft: „Der Konsument kann nicht alleine zu einer nachhaltigen Entwicklung in den existierenden Lebensmittelwertschöpfungsketten beitragen. Gesellschaftliche, politische und fördertechnische Rahmenbedingungen, in welchen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel stattfinden, spielen eine entscheidende Rolle“, so Manuel Kirisits und Florian Timmermann.

Infos unter www.bio-austria.at und www.biovorarlberg.at