Wie ein Kraftwerk zum Klimaschutz beitragen kann, erläutert Dietmar Sohm, CSO BERTSCHenergy, im Interview mit den VN.

Es gilt als unbestritten, dass Windoder Solarkraftwerke erneuerbare Energien produzieren, aber BERTSCHenergy baut Verbrennungskraftwerke. Wie passt das zusammen?

SOHM Jedes Kraftwerk, das Biomasse thermisch verwertet und damit Wärme und Strom generiert, erspart den vergleichbaren Einsatz an fossilen Brennstoffen. Wir reden von gewaltigen Mengen an Öl und Gas, die durch ein Biomassekraftwerk eingespart werden.

Stößt ein Biomassekraftwerk nicht genauso CO₂ aus?

SOHM Natürlich, das passiert bei jeder Verbrennung. Dazu muss man auch wissen, dass jede Biomasse, das heißt z. B. jeder Apfel, der sich im Biohaufen hinterm Haus zersetzt oder jeder Baum, der imWald verrottet, am Ende durch die Aktivität der arbeitenden Mikroorganismen in etwa die gleiche Menge an CO2 produziert, wie bei einer vergleichbaren Verbrennung im Kraftwerk.

Das heißt am Ende ihrer Tage stößt jede Biomasse CO2 aus, sei es durch natürliche Verrottung oder gezielte Verbrennung.

SOHM Genau, nur „füttert“ ein Biomassekraftwerk nicht Bakterien, sondern ein Feuer, aus welchem in weiterer Folge grüne Energie generiert wird. „Ausgeatmet“ wird in etwa die gleiche Menge CO2, die der nächste Baum aus der Luft zieht, um wachsen zu können. Darum gilt es als CO2-neutral, wenn man Biomasse verbrennt. Es ist ein Kreislauf.

Müssen wir jetzt um unseren Baumbestand zugunsten von Biomassekraftwerken fürchten?

SOHM Nicht im Geringsten. Die meisten industriellen BERTSCHenergy-Biomassekraftwerke verbrennen schon lange kein unbehandeltes Holz mehr. Das passiert eher zu Hause, wo Pellets oder anderweitiges Holz verbrannt wird. Wir sehen unsere Kraftwerke als moderne Entsorgungsbetriebe, die anfallende Produktionsabfälle, z. B. in der Papierindustrie, Altholz aus Hausabbruch und Möbelentsorgung, aber auch den biogenen Anteil aus Hausmüll als Brennstoff einsetzen, um daraus Dampf und Strom für Produktionsprozesse herzustellen.

Würden Sie ein BERTSCHenergy-Kraftwerk in derNachbarschaft akzeptieren?

SOHM Ganz klar: kaum Lärm, absolut kein Geruch, nur 1 bis 2 Lkw pro Stunde über den Arbeitstag verteilt – da fällt mir ganz schnell Schlimmeres ein. Wenn es etwas abseits liegt, ist auch die Höhe von knapp 30 Metern kein Thema.

Kein Geruch? Bei Abfällen?

SOHM Im Verbrennungsprozess muss für mind. 2 Sekunden eine Temperatur größer als 850 °C erreicht werden – glauben Sie mir, da bleibt nichts über, was im Entferntesten riechen könnte. Zudem werden im Gegensatz zum gewöhnlichen Hausbrand Feinpartikel und evtl. Schwermetalle durch effiziente Filteranlagen aus dem Abgas gefiltert. Die Daten werden den Behörden online in Echtzeit zur Verfügung gestellt und kontrolliert.

Was ist dann der weiße Rauch aus dem Schornstein?

SOHM Der Wasserdampf im Abgas, nichts weiter. Das kommt davon, weil die Biomasse oftmals sehr feucht ist und während der Verbrennung Wasser verdunstet. Diese Feuchtigkeit kondensiert dann beim Austritt am Schornstein und bewirkt die weiße Färbung – völlig harmlos.

Was ist Ihr Fazit?

SOHM Negative Vorbehalte mögen vom Gedanken an große Atomkraftwerke oder alte Kohlekraftwerke herrühren – das ist verständlich. Aber bei einem Biomassekraftwerk reden wir von einer überschaubaren Gebäudegröße, welche eine hochmoderne Technik umhaust, die tatsächlich in der Lage ist, Reststoffe nicht nur verlässlich zu entsorgen, sondern darüber hinaus grüne Energie zu gewinnen.

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