Bregenz – Zahlreiche Dorfgemeinschaften sind in „Umstellung“ und vom Land Vorarlberg werden die rechtlichen Möglichkeiten für einen hundertprozentigen Pflanzengiftausstieg geprüft. Die Ziele und Handlungs­felder der Landwirtschaftsstrategie 2020 „Ökoland Vorarlberg – regio­nal und fair“ sind auf regional ange­passte Landwirtschaft ausgerichtet. Landwirtschafts- und Biobetriebe werden entsprechend unterstützt und naturnahe Bewirtschaftung von Wiesen, Weiden und Alpen, auf denen keine Pflanzenschutz­mittel eingesetzt werden, geför­dert sowie hochwertige Arbeit und Produkte bei Wiesenmeisterschaft, Tierschutzpreis und Genusskrone prämiert.

Von Verena Daum (der Artikel ist am 6. Oktober 2017 in der Extra-Ausgabe „Ökoland Vorarlberg“ der Vorarlberger Nachrichten erschienen)

„Mit der räumlichen und organisatorischen Zusammenfüh­rung des Vereins BIO AUSTRIA Vor­arlberg und der Bio Vorarlberg unter gemeinsamer Geschäftsführung im Jahr 2016, bestehen in Verbindung mit der Bioumstellungsberatung durch die Landwirtschaftskam­mer und die Übernahme der Kon­trollkosten und Gewährung einer ÖPUL-Bioprämie in der zwei Jahre dauernden Umstellungszeit durch das Land gute Voraussetzungen für positive Entwicklungen im Ag­rarbereich“, informiert Landesrat Erich Schwärzler.

Vorbildfunktion

Die Zulassung von Wirkstoffen erfolgt auf europäischer Ebene, Ge­nehmigung für Pflanzenschutzmit­tel ist Bundessache“, so Schwärzler. „Unsererseits wurde aber schon 2013 klargestellt, dass das Land sei­ner Vorbildfunktion nachkommt, mit dem Ziel vom Herbizideinsatz wegzukommen und das Vorsorge­prinzip konsequent einzuhalten. In der Beratung und Weiterbildung der Landwirte in Form von Prakti­kerkursen wie ,Es geht auch ohne Herbizide’. Dort wird verstärkt auf die Gefahren des Herbizideinsat­zes hingewiesen und es werden die positiven Effekte des Verzich­tes vermittelt. Wichtig ist auch, dass das Land Vorarlberg entgegen der EU-Strategie weiterhin kon­sequent gentechnikfrei im Anbau bleibt. Laut einer kürzlich veröf­fentlichten Gemeindeumfrage von Greenpeace und VN bekennen sich derzeit 25 Vorarlberger Gemein­den dazu, im eigenen Wirkungs­bereich kein Glyphosat einzuset­zen.“

„Weitere Gemeinden sind in ,Umstellungsphase’. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt durch die EU-Kommission auf Grundlage eines Zulassungsver­fahrens auf fachlich-wissenschaft­licher Basis nach Anhörung einer Expertenkommission. Österreich ist in dieser durch die AGES vertre­ten, die 2016 klare Bedingungen für eine weitere Zulassung einbrachte, wie das Verbot der Anwendung von Glyphosat bei der Vorerntebehand­lung von Getreide. Sollten diese Forderungen im EU-Vorschlag für eine Verlängerung nicht enthalten sein und die EU-Kommission nicht im Sinne Österreichs entscheiden, hat die AGES bereits einen natio­nalen Runden Tisch mit Vertretern der Wissenschaft, des Handels, der Sozialpartner, der NGO und der Landwirte, des Umwelt- und Ge­sundheitsministeriums, der Bun­desländer sowie der Asfinagund ÖBB zur Prüfung der rechtlichen Möglichkeiten für den Glyphosat­verzicht auf Ebene von Bund und Ländern angekündigt.“

Ausbau von Ökoflächen

Das Vorsorgeprinzip der EU-Um­welt- und Gesundheitspolitik muss strengstens eingehalten werden“, sagt Schwärzler und will den Selbst­versorgungsgrad erhöhen und die Naturkreislaufwirtschaft voran­bringen. „Vorarlberg ist auf einem guten Weg im Ausbau der Ökoflä­chen. Das gesetzte Ziel, mindestens 20 Gemeinschaftsgärten in Vor­arlberg zu haben, wurde heuer mit über 50 Gemeinschaftsgärten weit übertroffen. Diese erfreuliche Ent­wicklung zeigt, dass es in der Be­völkerung den verstärkten Wunsch nach regionalen Produkten mit kla­rer Herkunft und eine Sehnsucht nach dem Naturerlebnis gibt.

Vielfalt fördern

„Ein weiteres Strategieziel ist die Steigerung der Eigenversorgung und Vielfalt bei Marktfrüchten wie Obst, Gemüse, Getreide, Kartof­feln. Durch gezielte Initiativen und Projekte etwa des Verbands Obst- & Gartenkultur Vorarlberg, des Bäu­erlichen Schul- und Bildungszen­trums Hohenems (BSBZ) und der Bodenseeakademie ist es in den letzten drei Jahren gelungen, die folgenden landwirtschaftlichen Produktionsflächen in Richtung Produktvielfalt auszuweiten: Bee­ren (+29%), Gemüse (+24%), Obst (+21%), Blumen, Heilkräuter, Ge­würzpflanzen (+15%) und Kartof­feln (+7%). Diese Produktvielfalt wird weiter ausgebaut. Im Februar 2018 findet der erste Gemüsebau­tag statt – mit Info von Anbau über Ernte bis Vermarktung. Bauern und Älpler pflegen und bewirtschaften unter erschwerten Bedingungen die artenreichen Bergwiesen und Wei­den und erhalten unsere attraktive Kulturlandschaft auch als Grundla­ge für den Tourismus.“

Tierschutzpreis

„Die Gewäh­rung der Leistungsabgeltungen aus Landesmitteln an die Bauern wur­de dieser Notwendigkeit angepasst, sodass insbesondere extensiv wirt­schaftende Betriebe im Berggebiet verstärkt unterstützt werden“, führt LR Schwärzler aus. „Um aber auch die Vielfalt von Acker- und Sonderkulturen vor al­lem in den Tallagen weiter auszu­bauen, wurde heuer erstmals eine Leistungsabgeltung für bestehende und neue Acker- und Sonderkul­turflächen ausbezahlt. Neben der Pflanzenvielfalt auf den Alp- und Bergwiesen sowie -weiden werden durch die Leistungsabgeltungen des Landes auch die heimische Produktvielfalt und die kleinstruk­turierten bäuerlichen Familienbe­triebe gefördert. Besonders dem Tierwohl kommt in der Landwirt­schaftsstrategie ein hoher Stellen­wert zu. Das Engagement rechnet sich für den Tierhalter und unter­stützt das Tierwohl – dafür gilt mein besonderer Dank. Ich freue mich, dass bei der heurigen Verleihung der Vorarlberger Tierschutzprei­se insgesamt elf Hauptpreise und zwölf Anerkennungspreise stellver­tretend für viele Tierhalter im Land vergeben werden konnten.“

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